VG-Wort Pixel

Bürgerkrieg So planen die Rebellen ein Syrien ohne Assad


Strategie aus dem Berliner Exil: Seitdem der Bürgerkrieg tobt, debattieren unter konspirativen Umständen Dutzende Assad-Gegner über das neue Syrien. Sie versprechen Demokratie und Menschenrechte.

Syriens Opposition ist bereit: Eine Gruppe von Regimegegnern hat einen Plan für die Zeit nach dem Ende von Machthaber Baschar al Assad ausgearbeitet. Das Papier unter dem Namen "The Day After" ("Der Tag danach") wurde am Dienstag in Berlin offiziell vorgestellt. Die etwa 45 Gegner Assads sprechen sich darin für die baldige Einsetzung einer verfassunggebenden Versammlung und die Auflösung aller Geheimgefängnisse aus. Von der internationalen Gemeinschaft forderten sie schlagkräftige Unterstützung für den Kampf gegen das Assad-Regime.

Der Exil-Syrer Amr al-Azm zählte am Dienstag die Ausstattung der Rebellen mit schweren Waffen und eine militärische Intervention der internationalen Gemeinschaft zur Schaffung von Flugverbotszonen zu möglichen Maßnahmen. "Wir benötigen die Mittel, um das syrische Regime daran zu hindern, sein eigenes Volk zu töten", sagte er auf einer Pressekonferenz von Regimegegnern in Berlin.

Beteiligt waren das wichtigste Oppositionsbündnis, der Syrische Nationalrat (SNC), aber auch andere Kräfte aus unterschiedlichen politischen, ethnischen und religiösen Lagern. Aus Sorge vor dem syrischen Geheimdienst wurden die Treffen geheim gehalten.

Finanzhilfe von der Schweiz und den USA

In dem Papier heißt es: "Aus einem Staat, der in Willkürherrschaft von Einzelnen regiert wird, muss in Syrien ein Rechtsstaat werden." Das Papier für die Zeit nach Assad wurde seit Beginn des Jahres bei insgesamt sechs Treffen in Berlin erarbeitet.

Mit dem Plan will die Gruppe auch dem Vorwurf der Zerstrittenheit entgegentreten, dem sich die Opposition immer wieder ausgesetzt sieht. Auf eine Prognose, wann es mit dem Assad-Regime zu Ende sein könnte, legt sich darin niemand fest. Syrien werde danach jedoch vor großen Herausforderungen stehen, sowohl auf wirtschaftlichen und sozialem Gebiet als auch in Sicherheitsfragen.

Die Arbeit der Oppositionellen wurde von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gefördert, einer der wichtigsten außenpolitischen Denkfabriken in Deutschland. Zur Finanzierung trugen die Außenministerien der Schweiz und der USA sowie zwei regierungsunabhängige Organisationen aus den Niederlanden und Norwegen bei.

USA fürchten, dass Extremisten an die Macht gelangen

Ein französischer Vorstoß, die syrische Opposition zur schnellen Bildung einer Oppositionsregierung aufzufordern, wurde von den USA mit Zurückhaltung aufgenommen. "Wir möchten sichergehen, dass ein solcher Schritt auf einer soliden demokratischen Grundlage erfolgt", sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Montagabend (Ortszeit) in Washington. Dazu müssten die Oppositionskräfte im In- und Ausland besser koordiniert werden.

Die USA befürchten, dass auch syrische Extremisten an die Macht gelangen. Frankreichs Präsident François Hollande hatte Syriens Opposition in Aussicht gestellt, eine provisorische Regierung anzuerkennen.

Syrische Oppositionelle hatten sich zuvor bereits gegen die Gründung einer Übergangsregierung ausgesprochen. Samir Aita, Journalist und Mitbegründer des Syrischen Demokratischen Forums, hatte am Montag in Kairo nach einem Treffen von Oppositionellen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al Arabi, erklärt: "Wir arbeiten daran, die Oppositionsgruppen zu einen, aber wir sind gegen die Bildung einer Übergangsregierung."

Luftangriffe auf Dörfer in der syrischen Provinz

Bei Luftangriffen auf Dörfer in der syrischen Provinz Idlib sollen am Dienstag zahlreiche Menschen getötet worden sein. Gegner des Assad-Regimes zählten in der Provinz 17 Tote. Insgesamt seien in Syrien am Vormittag 32 Menschen ums Leben gekommen. Aktivisten veröffentlichten Videoaufnahmen aus dem Dorf Kafr Nabl in Idlib, die zerstörte Gebäude und brennende Fahrzeuge zeigen.

Auch aus Damaskus wurden Kämpfe gemeldet. Tausende von Menschen verließen laut Aktivisten die Ortschaft Kafr Batna nordöstlich der syrischen Hauptstadt. Dort sollen bei einem Angriff der Regierungstruppen auf Stellungen der Revolutionsbrigaden neun Menschen ums Leben gekommen sein. Am Montag hatte die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter insgesamt 230 Tote gezählt.

Die Schweiz hat die ehemalige UN-Chefanklägerin Carla del Ponte als Mitglied der unabhängigen Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen in Syrien vorgeschlagen. Die frühere Schweizer Bundesanwältin war von 1999 bis 2007 Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag.

jar/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker