HOME

Wahlkampf-Van und Geburtstagsgrüße: Was über das (Un-)Wesen des mutmaßlichen Bombenbauers und Trump-Fanatikers bekannt ist

Cesar S., der mutmaßliche US-Bombenbauer, ist offenbar ein fanatischer Trump-Anhänger - darauf lassen zumindest Bilder und seine Online-Aktivitäten schließen. Was bisher über den Tatverdächtigen bekannt ist.

Sprengsatz-Serie in USA: Mutmaßlicher Briefbomber offenbar fanatischer Trump-Fan

Cesar S. (markiert), der mutmaßliche US-Bombenbauer, bei einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Donald Trump im Februar 2017

Getty Images / AFP

Mit Informationen über den Mann aus Florida, der die mindestens 13 Rohrbomben an prominente Kritiker von Donald Trump verschickt haben soll, halten sich die US-Behörden bislang zurück. Doch offenkundig ist bereits, dass der am Freitag festgenommene Cesar S. ein fanatischer Trump-Anhänger ist - und von Hass auf Kritiker des Präsidenten angetrieben war.     

Die Scheiben seines Lieferwagens waren mit politischen Aufklebern zugekleistert - Werbung für Trump und Schmähungen von dessen Opponenten. Zu dem Dekor gehörten die mit Zielscheiben versehenen Gesichter von Ex-Präsident Barack Obama, der früheren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und des CNN-Moderators Van Jones sowie der Slogan "CNN ist zum Kotzen". Obama, Clinton und der Trump-kritische Fernsehsender gehörten zu den Briefbomben-Adressaten. 

Das Fahrzeug des Verdächtigen Cesar S.

Van des Verdächtigen: Das Fahrzeug von Cesar S. ist mit Wahlstickern für US-Präsident Donald Trump beklebt

 

Das Fahrzeug des Verdächtigen Cesar S.

Van des Verdächtigen: Das Fahrzeug von Cesar S. ist mit Wahlstickern für US-Präsident Donald Trump beklebt

Auch auf mutmaßlich von S. stammenden Konten in den Onlinenetzwerken wird Trump gepriesen und übel gegen dessen Gegner agitiert. Alles, was bisher über S. bekannt ist, widerspricht also diametral den von rechtsgerichteten Kreisen verbreiteten Verschwörungstheorien über die Briefbomben.     

Bereits kurz nach dem Bombenalarm waren wilde Spekulationen aufgekommen, die Sprengsätze könnten aus dem Lager linker Fanatiker versendet worden sein - mit dem Ziel, das rechte Lager verantwortlich zu machen und so den Republikanern bei den bevorstehenden Kongresswahlen zu schaden.    

Huldigende Geburtstagsgrüße an Donald Trump

Dass S. Begeisterung für Trump und seine Abscheu für dessen Gegner authentisch ist, daran kann allerdings kaum ein Zweifel bestehen. Zu reichlich ist bereits das Material, das seine politische Ausrichtung dokumentiert. Der Mann aus Aventura nördlich von Miami war eingetragenes Mitglied der Republikanischen Partei. Fotos zeigen ihn auf Trump-Veranstaltungen in Florida. Im Juni veröffentlichte er im Internet einen huldigenden Geburtstagsgruß an den Präsidenten. 

Briefbombe an CNN

Dieser Screenshot aus dem Twitter-Account von CNN zeigt das explosive Gerät, das an die New Yorker Zentrale des TV-Sender geliefert wurde

Debra Gureghian, Managerin einer Pizzeria, für die S. früher als Lieferbote arbeitete, beschreibt ihn als "durchgeknallt". S. sei "sehr wütend" auf die Welt gewesen - auf "Schwarze, Juden, Homosexuelle", sagte sie der Zeitung "Washington Post". Der Anwalt Ronald Lowy, der für Verwandte S. arbeitet, hält den 56-Jährigen für "geisteskrank".   

Mutmaßlicher Bombenbauer hat kriminelle Vorgeschichte  

Die Bundespolizei FBI stieß durch einen Fingerabdruck auf S., der auf einem der Briefumschläge mit den Sprengsätzen gefunden worden war. S. war früher schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. So wurde er wegen einer Bombendrohung gegen seinen Stromversorger zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Festgenommen wurde er auch wegen Diebstahls und häuslicher Gewalt.    

S. hatte auch Geldprobleme. Vor sechs Jahren beantragte er laut amtlichen Dokumenten Privatinsolvenz. Lowy zufolge wohnte er offenbar seit mehr als zehn Jahren in seinem Lieferwagen.     

Lebenslauf wirft Fragen auf

Über S. Lebenslauf herrscht bislang viel Unklarheit. Die Angaben auf seinen mutmaßlichen Onlinekonten sind nicht unbedingt zuverlässig. Demnach soll S. früher "professioneller Fußballspieler, Ring- und Käfigkämpfer" gewesen sein, aber auch Tiermedizin studiert haben. Laut Medienberichten soll er früher Reinigungs- und Cateringdienste betrieben und auch als Stripper gearbeitet haben. 

USA: Was wir über den mutmaßlichen Briefbomber wissen

Dieses Bild aus einem Video von WPLG-TV zeigt FBI-Agenten, die den Verdächtigen Cesar S. begleiten

  

S. gab sich selbst als Angehöriger des Seminole-Stamms aus und berichtete, dass er in einem von den Indianern betriebenen Hotel-Casino in Florida gearbeitet habe. Doch dies könnte erfunden gewesen sein. Die Seminoles erklärten, es gebe "keine Belege" dafür, dass S. dem Stamm angehöre und für sie gearbeitet habe. Ein Cousin S. sagte der "Washington Post", dessen Vater stamme aus dem Philippinen, seine Mutter sei italienischer Herkunft.     

Festgenommen wurde S. auf einem Parkplatz in Plantation, einem Vorort von Fort Lauderdale im Südosten Floridas. Fernsehbilder von seiner Festnahme zeigen einen muskulösen Mann mit kurzgeschorenem Haar. Bereits kurz nach seiner Festnahme wurde S. formell mehrerer schwerer Verbrechen beschuldigt, darunter "Angriffe" auf frühere Regierungsvertreter. Seine absehbare Maximalstrafe beläuft sich laut US-Justizministerium auf 48 Jahre.

Chris Lefkow / fs / AFP