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Vorbestraft, Republikaner, "wütend": Cesar S., der mutmaßliche Briefbomber und Trump-Fanatiker - was bisher über ihn bekannt ist

Nach tagelanger Großfahndung ist in den USA ein mutmaßlicher Briefbomber festgenommen worden: Der Verdächtige, der mehrere Sprengsätze verschickt haben soll, hat ein langes Vorstrafenregister. Und ist offenbar ein fanatischer Anhänger von Donald Trump.

Die Serie von Briefbomben hatte die USA seit Mittwoch in Atem gehalten. Insgesamt stellten die Ermittler bislang 13 Päckchen sicher, die allesamt an Kritiker von US-Präsident Donald Trump adressiert waren. Verletzt wurde niemand (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen).

Am Freitagvormittag (Ortszeit) hatten die Sicherheitsbehörden in Florida den 56 Jahre alten Cesar S. als Verdächtigen in dem Fall festgenommen. Sollte er für schuldig befunden werden, könnten ihm 58 Jahre im Gefängnis drohen. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn durch einen Fingerabdruck identifiziert, den sie auf einem der Päckchen gefunden hatten.

Cesar S. ist vorbestraft, offenbar fanatischer Trump-Fan und weist eine unübersichtliche Biografie auf. Was bisher über den mutmaßlichen Briefbomber bekannt ist:

Der Lebenslauf

Über S. Lebenslauf ist bislang wenig bekannt. Die biographischen Angaben auf seinen mutmaßlichen Onlinekonten sind nicht unbedingt zuverlässig. Demnach soll S. früher "professioneller Fußballspieler, Ring- und Käfigkämpfer" gewesen sein, aber auch Tiermedizin studiert haben. Auch soll er zumindest teilweise philippinischer Herkunft sein, sein Großvater sei dort ein "berühmter Chirurg" gewesen.    

Andererseits wird S. in diesen Darstellungen mit dem Indianerstamm der Seminoles in Verbindung gebracht. Er habe in einem von den Seminoles betriebenen Hotel-Kasino gearbeitet. Der Stamm teilte jedoch mit, er habe "keine Belege" dafür, dass S. dort tätig gewesen und Stammesmitglied sei. 

Der mutmaßliche Briefbomber Cesar S.

Verdächtigt in der Briefbomben-Serie: Cesar S.

Debra Gureghian, Managerin einer Pizzeria in Fort Lauderdale, in der S. früher arbeitete, beschreibt ihn als "durchgeknallt". S. sei "sehr wütend" auf die Welt gewesen - auf "Schwarze, Juden, Schwule", sagte sie der Zeitung "Washington Post". 

Die kriminelle Vorgeschichte

S. war schon in früheren Jahren mit dem Gesetz in Konflikt geraten, laut Gerichtsdokumenten wurde er wegen einer Bombendrohung gegen seinen Stromversorger zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Festgenommen wurde er auch wegen Diebstahls und häuslicher Gewalt.

Der (fanatische) Republikaner und Trump-Anhänger?

Einträge in Twitter- und Facebookkonten, die mit dem Verdächtigen in Verbindung gebracht werden und inzwischen gesperrt wurden, legen nahe, dass er ein Anhänger Trumps ist und offenbar sogar Wahlkampfveranstaltungen besucht hatte. Auf den Konten wird der US-Präsident gepriesen und gegen dessen politische Gegner agitiert. Laut dem Sender CNN ist er ein eingetragener Republikaner. 

Ein Foto von S. bei Facebook zeigt ihn mit einer roten Kappe mit dem Trump-Slogan "Macht Amerika wieder großartig". In einer Twitter-Botschaft im Juni, die offenbar von S. stammt, wird Trump zum Geburtstag gratuliert und der Präsident aufgefordert, das "fantastische" Projekt des Mauerbaus an der Grenze zu Mexiko voranzutreiben.

Fernsehbilder vom Ort der Festnahme zeigten, wie FBI-Beamte einen weißen Lieferwagen mit einer Plane abdeckten und dann abtransportierten. Bei dem Fahrzeug soll es sich um das Auto des Verdächtigen handeln. Nahaufnahmen zeigten eine Reihe von Bildern an dem Wagen, auf denen unter anderem Trump und sein Vize Mike Pence, die Aufschrift "CNN sucks" (etwa: CNN ist ätzend) sowie ein Konterfei von Hillary Clinton mit einem Fadenkreuz im Gesicht zu sehen waren. 

Der Van des mutmaßlichen Briefbombers

Womöglich das Fahrzeug des Verdächtigen. Nahaufnahmen zeigen eine Reihe von Bildern an dem Wagen - etwa die Aufschrift "CNN sucks" (etwa: CNN ist ätzend).

Das Motiv

Zu den Motiven des mutmaßlichen Attentäters wollten sich die Ermittler zunächst nicht äußern. Dafür sei es noch "zu früh", sagte der Direktor der Bundespolizei FBI, Christopher Wray, in Washington. Es gebe noch viele offene Fragen. 

Der Anwalt von Cesar S. Familie erklärte, seine Mutter habe den 56-Jährigen jahrelang vergeblich dazu gedrängt, einen "Spezialisten" aufzusuchen. S. habe eigentlich nicht für Politik interessiert, sagte der Verteidiger Ron Lowy dem Sender CNN. Offenbar fühlten sich "solche Außenseiter" wie sein Mandant aber angesprochen von Trumps Politikstil.

Die Anklage

Cesar S. wurde offiziell mehrerer Verbrechen beschuldigt, darunter die "illegale Versendung von Sprengstoffen" und "Drohungen gegen frühere Präsidenten". Laut Justizministerium drohen ihm bis zu 58 Jahre Haft. Ihm wird vorgeworfen, 13 Sprengsätze an Kritiker des US-Präsidenten geschickt zu haben. 

USA: Was wir über den mutmaßlichen Briefbomber wissen

Dieses Bild aus einem Video von WPLG-TV zeigt FBI-Agenten, die den Verdächtigen Cesar S. begleiten

Die Adressaten

Die gefundenen Päckchen waren an Personen adressiert, die als Hassfiguren der politischen Rechten gelten. Neben Clinton und Obama waren Ex-Vizepräsident Joe Biden, der ehemalige CIA-Direktor James Brennan, der Milliardär und Spender für die oppositionellen Demokraten, George Soros, und der Schauspieler Robert De Niro darunter. 

Als Absender war die frühere Parteichefin der Demokraten, Debbie Wasserman Schultz, angegeben. Laut der Anklageschrift enthielten die Adressen zahlreiche Rechtschreibfehler. So war unter anderem Hillary Clinton falsch geschrieben. Die Päckchen waren mit jeweils sechs Briefmarken frankiert, die eine wehende US-Flagge zeigen. 

Die Briefbomben

FBI-Direktor Wray sagte, es seien mindestens 13 Briefe mit Sprengsätzen verschickt worden. Er warnte, dass noch weitere Bomben unterwegs sein könnten. Alle Vorrichtungen hätten aus einer PVC-Röhre, einer kleinen Uhr, einer Batterie, Drähten und einem "energetischen Material" bestanden, das potenziell explodieren könne. Es sei aber noch nicht klar, ob die Sprengsätze tatsächlich funktionsfähig gewesen seien, erläuterte Wray. Nach Darstellung des FBI handelte es sich bei den Sprengsätzen nicht um Attrappen.

Briefbombe an CNN

Dieser Screenshot aus dem Twitter-Account von CNN zeigt das explosive Gerät, das an die New Yorker Zentrale des TV-Sender geliefert wurde

Die Reaktion von US-Präsident Donald Trump

Trump verurteilte den Versand der Briefbomben als "Terrorakte". Der Täter müsse "mit der ganzen Härte des Gesetzes" bestraft werden, sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat North Carolina. "Politische Gewalt darf in Amerika niemals geduldet werden und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um sie zu stoppen."      

Zugleich wies er den Vorwurf zurück, wonach er den Täter durch seine oftmals aggressive Rhetorik gegenüber den oppositionellen Demokraten womöglich angestachelt habe (lesen Sie hier mehr zum Thema). Ihn treffe keine Schuld, auch wenn der Mann offenbar ein Unterstützter seiner Politik sei, sagte der US-Präsident.

Trumps Reaktion auf Paketbomben
Chris Lefkow / Daniel Jahn / fs / DPA / AFP