Clintons gegen Kennedys Krieg der Polit-Dynastien


Dramatische Entwicklung in der amerikanischen Präsidentschaftswahl: Ein politisches Urgestein macht sich stark für Senator Barack Obama: Senator Edward "Ted" Kennedy, Bruder des legendären John F. Kennedys und Ikone der Demokraten, preist Obama als "Hoffnungsträger" und "Visionär".

Wenn ein Kennedy etwas sagt, gilt das immer noch etwas in den USA. Und wenn ein bestimmter Kennedy einen Rat erteilt, empfiehlt es sich immer noch, zumindest zuzuhören. Bill Clinton tat anscheinend nicht einmal das. In einem "hitzigen" Telefonat, so berichteten US-Medien übereinstimmend, verwahrte er sich gegen den Appell von Edward Kennedy, sich im Wahlkampf für seine Frau Hillary doch etwas mehr zurückzuhalten, insbesondere mit seinen direkten Attacken gegen den Schwarzen Barack Obama. "Chill" soll Teddy Kennedy Bill wiederholt gesagt haben - kühle den Ton etwas ab, halte deine Zunge im Zaum. Clinton ließ den Senatoren aus Massachusetts abblitzen - und die Quittung kam gleich doppelt und dreifach, im wahrsten Sinne des Wortes.

Erst gewann Obama am Samstag die Vorwahl in South Carolina mit fliegenden Fahnen vor der Ex-First Lady. Dann machten gleich drei Kennedys Front gegen die Clintons - zur Enttäuschung der beiden Eheleute und zur unverhohlenen Freude der Medien. Sie wittern nun neben all der Dramatik des Zweikampfes Hillary-Obama ein weiteres Schauspiel: einen "Krieg" zweier Dynastien.

Den Reigen eröffnete Caroline Kennedy, die Tochter des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, am Sonntag. In einem Meinungsartikel der "New York Times" hielt sie ein in seiner Wortwahl bewegendes Plädoyer für Obama als Präsidentschaftskandidaten, verglich ihn als inspirierende Kraft, als Hoffnungsträger, mit ihrem legendären Vater. Das hatten auch andere Obama-Fans schon vorher getan und manche Medien sogar auch im Ausland. Aber aus dem Mund der Tochter - das hat zweifellos eine andere Qualität.

Und dann klingelte am Sonntag das Telefon bei Hillary Clinton, Ted Kennedy teilte ihr persönlich mit, dass er sich entschlossen habe, Obama aktiv zu unterstützen. Das müsse wohl sehr wehgetan haben, räumten am Montag auch enge Clinton-Wahlkampfhelfer ein. Denn Kennedy hat nicht nur über lange Jahre mit den Clintons zusammengearbeitet, mit Bill als Präsidenten und dann mit Hillary als Senatorin. Man war auch befreundet, traf sich im Urlaub, segelte zusammen vor Cape Cod.

Ted Kennedy bezeichnet Obama als "Hoffnungsträger"

Und nun das. Ein Schlag für die Clintons, eine Ohrfeige, titelten am Montag die Zeitungen, noch bevor Kennedy auf einer gemeinsamen Wahlveranstaltung mit Obama ein flammendes Plädoyer für den Wunschkandidaten hielt, ihn unter brausendem Applaus als "Visionär" und "Hoffnungsträger" feierte. Mit "Stolz" an Obamas Seite, so Ted Kennedys Formulierung, zeigten sich bei der Gelegenheit auch Caroline und Patrick Kennedy, Kongressabgeordneter und "Teddys" Sohn.

Dabei streiten sich Experten seit jeher darüber, welche Bedeutung öffentliche Wahlempfehlungen von anderen Politikern oder auch Medien am Ende haben - über die Tatsache hinaus, dass sie schmücken wie etwa das jüngste geradezu glühende Plädoyer der "New York Times" für die "brillante" Hillary Clinton. Auch US-Kommentatoren äußerten eher Zweifel daran, dass die prominenten Kennedys andere Nachteile Obamas bei den anstehenden Massenabstimmungen in mehr als 20 Staaten am kommenden "Super-Dienstag" ausgleichen können. Dazu gehört etwa die Tatsache, dass Hillary und ihr Programm immer noch deutlich mehr Menschen ein Begriff sind als Obama und dessen Pläne. Aber die Unterstützung des Kennedy-Trios gilt doch als etwas Besonderes.

Nicht nur, dass Vergleiche mit dem so sehr verehrten John F. Kennedy, dem damaligen Hoffnungsträger von Abermillionen nach Inspiration hungernden Menschen, per se zu den Superlativen auf der demokratischen Lobesskala gehören. Ted Kennedy ist außerdem die "liberale" Ikone der Partei, ein Mann, dem Freund wie Feind politische Prinzipientreue und ein ausgeprägtes Engagement für Bürger- und soziale Rechte bescheinigen. Die Gewerkschaften achten ihn, Minderheiten wie die Latinos fühlen sich bei ihm in guten Händen - genau jene Gruppen also, die bei den bisherigen Vorwahlen Hillary Clinton den Vorzug gaben.

Dass Kennedy, bis zur Clinton-Ära im Weißen Haus der unbestrittene "Patriarch" der Demokraten, zuvor im Vorwahlkampf stets neutral geblieben war, gibt seiner jetzigen Festlegung nach Experten-Einschätzung besonderes Gewicht. Er habe lange mit sich gerungen, hieß es in seiner Umgebung. Von Anfang an habe er in Obama jene Persönlichkeit gesehen, die tatsächlich Wandel bewirken könne. Aber alte Loyalitäten hätten ihn zunächst zum Schweigen bewogen. Das hätten die Clintons mit ihrem "Krieg" gegen Obama verspielt. "Er (Kennedy) hatte die Nase voll."

Gabriele Chwallek/DPA DPA

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