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Corona-Proteste in USA "Noch wurde kein Blut vergossen ...": Regierungssitz in Michigan nach Morddrohung geschlossen

Corona Protest Michigan
Mit dem Sturmgewehr zur Anti-Corona-Demo in Michigans Hauptstadt Lansing
© Paul Sancya/AP / DPA
Die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, gerät immer mehr ins Visier militanter Gegner der Corona-Beschränkungen. Nach üblen Morddrohungen musste jetzt sogar der Regierungssitz geschlossen werden.

In Michigan, dem US-Bundesstaat an den großen Seen, drohen die Corona-Proteste außer Kontrolle zu geraten. Wegen Morddrohungen gegen die Gouverneurin Gretchen Whitmer musste jetzt das Regierungsgebäude geschlossen und eine Parlamentssitzung abgebrochen werden. Auf Facebook hatten Gegner der Corona-Beschränkungen zum "Judgement Day" aufgerufen – einem Tag der Abrechnung. In der Gruppe wurde offen darüber diskutiert, die Regierungschefin zu hängen, zu erschießen, zu erschlagen oder zu köpfen. Ein Mitglied soll sogar vorgeschlagen haben, Geld für Profikiller zu sammeln, wie das US-Magazin "Newsweek" berichtet.

Gouverneurin als Hitler dargestellt

Die Gouverneurin der demokratischen Partei steht seit Beginn der Corona-Pandemie im Visier vor allem rechter Kreise. Die betrachten die Infektionsschutz-Maßnahmen als diktatorisch. Auf Demonstrationen wird Whitmer daher schon mal als Adolf Hitler dargestellt. Auch US-Präsident Donald Trump kritisiert die 48-Jährige wegen ihres "zu harten" Krisenmanagements und hatte öffentlich die Proteste gegen sie unterstützt. "Dies sind sehr gute Leute, aber sie sind wütend. Sie wollen ihr Leben zurück, auf sichere Weise", schrieb Trump Anfang Mai auf Twitter und rief Whitmer auf, das Gespräch mit den Demonstranten zu suchen.

"Wir hatten noch kein Blutvergießen..."

Nur wenige Tage vorher waren bewaffnete Demonstranten ins Parlament in Lansing, der Hauptstadt Michigans eingedrungen. Auch damals waren in privaten Facebook-Gruppen Gewaltandrohungen gegen die Gouverneurin verbreitet worden. In der Gruppe "Michiganders Against Excessive Quarantine" (Michiganer gegen ausufernde Quarantäne) mit fast 400.000 Mitgliedern war jetzt zu lesen: "Wir hatten noch kein Blutvergießen, aber Volk zählt bis drei und gestern war Tag zwei. Als nächstes wird der Baum der Freiheit mit dem Blut der Tyrannen gegossen."

Whitmer und der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates prüfen derzeit, Schusswaffen am Michigan State Capitol, dem Parlaments- und Regierungssitz zu verbieten. In Michigan gelten Waffengeschäfte als "essentiell" und sind auch in der Coronakrise nicht geschlossen. "Es gibt Abgeordnete, die kugelsichere Westen tragen, um zur Arbeit zu gehen", sagte Whitmer dem Sender ABC News. "Niemand sollte sich von jemandem einschüchtern lassen, der ein Sturmgewehr mit an seinen Arbeitsplatz bringt." Vor einigen Tagen wurde in der Stadt Flint, etwa 80 Kilometer von Lansing entfernt, ein Supermarkt-Wachmann erschossen, weil er darauf bestanden hatte, dass die Tochter einer Kundin in einem Laden eine Schutzmaske trägt – was von den Behörden in Michigan vorgeschrieben ist

Mary McCord, eine frühere Mitarbeiterin des US-Justizministeriums sagte "Newsweek", sieht auch das Staatsoberhaupt in der Pflicht. Es sei "sehr, sehr gefährlich", wenn er seine Twitter-Fangemeinde aus Abermillionen von Menschen erzählt, die Politik der sozialen Distanzierung sei "zu hart" und zur "Befreiung" von Michigan aufrufe. "Es gibt bewaffnete Leute da draußen, die auf das hören, was er sagt, und die auf eine Weise handeln, die nicht immer friedlich ist", so McCord.

Gouverneurin bleibt bei ihrem Kurs

Regierungschefin Whitmer sagte, sie werde weiterhin alles dafür tun, die Menschen in Michigan vor dem Virus zu schützen – ungeachtet von Tweets und Umfragen. Die Zahl der Protestierer sei gering, die große Mehrheit der Menschen in Michigan verhielten sich richtig. Die USA sind mit mehr als 85.000 Todesfällen durch das Coronavirus das am schwersten von der Pandemie betroffene Land der Welt.

Quellen: "Newsweek", DPA, AFP, Johns-Hopkins-Universität, Donald Trump auf Twitter, ABC News


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