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Ab Montag: Paris gibt den Takt vor: Wie Frankreich die Corona-Maßnahmen lockert

In Deutschland bestimmen die Länder über die Lockerung der Corona-Maßnahmen, in Frankreich die Regierung in Paris. Nun geht für viele Franzosen die Ausgangssperre zu Ende. Ein Blick über die Grenze.

Premierminister Edouard Philippe erklärt den Franzosen, welche Corona-Maßnahmen ab Montag gelockert werden

Premierminister Edouard Philippe erklärt den Franzosen, welche Corona-Maßnahmen ab Montag gelockert werden

AFP

Während in Deutschland nun jedes Bundesland nach eigenem Gusto die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie lockert, diktiert für Frankreich Paris das Tempo. Im ganzen Land herrscht seit dem 17. März eine Ausgangssperre. Die eigene Wohnung verlassen darf nur, wer nicht von zu Hause aus arbeiten kann, zum Arzt muss, Einkäufe erledigt oder aus dringenden familiären Gründen raus muss.

Doch das wird sich nun ändern - wie in Deutschland auch. Kommenden Montag treten bei den französischen Nachbarn Lockerungen in Kraft. "Dies ist eine neue Etappe im Kampf gegen die Epidemie, es ist eine gute Nachricht für Frankreich, für das französische Volk", sagte Frankreichs Premier Édouard Philippe am Donnerstag nach einer Regierungssitzung unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron. Das Datum 11. Mai hatte Macron für die erste Phase der Lockerungen bereits vor einigen Wochen angekündigt. Der Staatschef und die Regierung wollten jedoch kurzfristig entscheiden, ob die Situation im Land eine Lockerung zulasse.

Frankreich in Corona-Zonen aufgeteilt

Künftig sollen die Départements je nach Verbreitung des Virus in grüne und rote Zonen eingeteilt werden. Das Gesundheitsministerium veröffentlicht Karten, die Aufschluss darüber geben, wo Covid-19 wie stark verbreitet ist und wie es um die Kapazitäten der Krankenhäuser bestellt ist.

"Das Land ist zweigeteilt: Zum größten Teil ist es uns gelungen, die Epidemiewelle aufzuhalten", sagte Philippe. Das seien gute Nachrichten. In den grünen Départements soll es weitgehendere Lockerungsmaßnahmen geben. Dort dürfen Cafés, Restaurants und weiterführende Schulen in drei Wochen – also Anfang Juni – wieder öffnen, so Philippe laut "Le Figaro".

Paris besonders betroffen

In den roten Départements sei das Virus aber noch besonders aktiv. Besonders ernst sei die Situation etwa im französischen Überseegebiet Mayotte und im Großraum Paris. Laut Philippe ist die Zahl der Fälle in Mayotte niedrig, steigt aber an. In Paris falle die Zahl der Corona-Infizierten leicht, sei aber "höher, als wir gehofft hatten." In Mayotte würde die erste Phase der Lockerungen zunächst verzögert, in der Hauptstadt nicht. Hier soll es besonders strenge Regeln im öffentlichen Nahverkehr geben. "Der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln während der Hauptverkehrszeiten wird denjenigen vorbehalten, die eine Arbeitgeberbescheinigung haben oder ihre Fahrt durch einen zwingenden Grund rechtfertigen können", sagt Elisabeth Borne, Ministerin für den ökologischen Übergang, laut "Figaro".

Das Wichtigste aber: Die meisten Franzosen erlangen ihre Bewegungsfreiheit am Montag wieder. "Unabhängig vom Département, mit Ausnahme von Mayotte, wird es möglich sein, ohne Bescheinigung frei auszugehen," sagt Innenminister Christophe Castaner. Für Schulkinder geht die Zeit außerhalb der Klassenzimmer zu Ende. "80 bis 85 Prozent der Schulen werden kommende Woche wieder öffnen", sagt Bildungsminister Jean-Michel Blanquer. Allerdings werden die Klassenstufen erst nach und nach in die Schulen zurückkehren.

Auch Geschäfte öffnen wieder

Mit Ausnahme von Bars und Restaurants dürfen ab Montag alle Geschäfte – und selbst Einkaufszentren bis 40.000 Quadratmeter – wieder öffnen. Auch die Strände und Badeseen dürfen die Präfekten der Départements auf Antrag der Bürgermeister wieder freigeben.

Das Land ist mit weit mehr als 25.000 Toten schwer von der Coronavirus-Krise getroffen. Nun wagt Paris vorsichtige Schritte in die Normalität mit dem Coronavirus. Und obwohl in Deutschland die Länder die Lockerung der Corona-Maßnahmen gestalten und in Frankreich die Regierung in Paris: So sehr unterscheiden sich die Schritte nicht.

Quellen: Gouvernement.fr/info-coronavirus, DPA, "Le Figaro", Ministère des solidarités et de la santé.

tkr

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