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Der kleine EADS-Führer: Weshalb hat EADS es so schwer?

Im Konkurrenzkampf mit Boeing hat Airbus ein riesiges Problem: Die Politik mischt kräftig mit im Mutterkonzern EADS, und zwar nicht nur eine Regierung, sondern gleich zwei. Was hat das für Auswirkungen auf den Konzern? Wie ist er organisiert? Und was bedeutet "Power8"? Lesen Sie hier ein kleines EADS-Glossar.

Wem gehört EADS eigentlich?

Im deutsch-französischen Machtgefüge bei EADS (europäischer Luft- und Raumfahrtkonzern) halten sich Deutschland und Frankreich die Waage. Noch. Daimler Chryler und die französische Mediengruppe Lagardère haben die meisten Anteile. Die Führungsspitze besteht auch aus jeweils einem Franzosen und einem Deutschen. Die Organisation scheint ausgeglichen. Jedoch benötigt der Tochterkonzern Airbus eine Finanzspritze. Private Großaktionäre stellen sich quer, und eine einseitige Kapitalerhöhung seitens der Franzosen würde das Machtgefüge innerhalb der EADS verschieben.

Was ist der Aktionärspakt?

Der Aktionärspakt sichert im Kern einen Ausgleich zwischen deutschen und französischen Interessen. Er schreibt aber auch vor, dass sich die Regierungen aus der Unternehmensführung heraushalten, auch wenn sie - wie die französische und spanische - Großaktionäre sind. Maßgeblichen Einfluss haben die industriellen Hauptanteilseigner DaimlerChrysler und die französische Mediengruppe Lagardère. DaimlerChrysler hält noch 15,0 Prozent, 7,5 Prozent gingen ohne Stimmrecht an ein überwiegend deutsches Konsortium aus Bundesländern und Banken. Der französische Staat hält direkt 15 Prozent, Lagardère hat bereits 7,5 Prozent abgetreten und hält nun noch 7,5 Prozent. Daimler denkt bisher nicht über einen Ausstieg nach. Spanien stellt 5,5 Prozent der Anteile. Seit kurzem ist auch der staatliche Investitionsfonds Dubai International Capital mit 3,1 Prozent beteiligt, die russische Staatsbank Wneshtorgbank mit 5,0 Prozent. Diese Anteile liegen aber außerhalb des Aktionärspaktes.

Wer bildet die Doppelspitze?

Sie ist Teil des Aktionärspaktes zur Wahrung des deutsch-französischen Machtgefüges. Vorstand und Verwaltungsrat sind je mit einem Deutschen und einem Franzosen besetzt. Der Daimler- Manager Rüdiger Grube und Arnaud Lagardère führen den Verwaltungsrat, der Einfluss hat, weil EADS eine Gesellschaft niederländischen Rechts (N.V.) ist. Der EADS-Vorstand wird geführt von Thomas Enders und Louis Gallois, der zugleich Airbus-Chef ist. Über die Abschaffung der Doppelspitze sind sich Berlin und Paris weitgehend einig.

Weshalb braucht Airbus eine Finanzspritze?

Zwar hat Airbus prall gefüllte Auftragsbücher. Die Entwicklung des Zukunftsfliegers, des Langstreckenjets A350 XWB, kostet aber rund zehn Milliarden Euro. Ein Vorratsbeschluss für eine Kapitalstärkung kam im Frühjahr nicht zu Stande, weil sich die industriellen EADS-Aktionäre DaimlerChrysler und Lagardère mit dem französischen Staat nicht einigen konnten. Die privaten Großaktionäre wollten kein neues Geld zuschießen. Eine einseitige Kapitalerhöhung des französischen Staats würde die Machtverhältnisse verschieben.

Was für Auswirkungen hat "Power8"?

Wegen der verspäteten Auslieferung des Super-Airbus A380 und der Arbeit am A350 geriet Airbus in Probleme. EADS legte daher das Milliarden-Sparprogramm "Power8" auf. Es sieht neben massiven Stellenstreichungen auch Werksverkäufe vor.

DPA / DPA