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Die Angst vor dem großen Nachbarn: Polen unter amerikanischem Raketenschutz

Auf Wunsch der polnischen Regierung haben amerikanische Streitkräften eine Batterie mit Abwehrraketen des Typs Patriot in Stellung gebracht. Die Positionierung nahe der russischen Enklave Kaliningrad sorgte für Irritationen beim großen Nachbarn Russland.

Regierungsvertreter aus Polen und den USA haben in einer gemeinsamen Zeremonie im polnischen Morag die erste Batterie der angelieferten US-Raketen vom Typ Patriot enthüllt. Die Stationierung des Raketensystems in Polen sei ein "wichtiger Schritt" zur Steigerung der nationalen Sicherheit und der strategischen Kooperation mit den USA, sagte der polnische Verteidigungsminister Bogdan Klich am Mittwoch in Morag. Die Boden-Luft-Raketen und rund 150 US-Soldaten waren am Sonntag auf dem polnischen Stützpunkt Morag im Norden Polens eingetroffen. Die Gefechtsköpfe der Patriot-Raketen sind nach Angaben eines US-Diplomaten noch nicht bestückt, dies sei erst für die kommenden Ladungen vorgesehen.

Es war das erste Mal in der Geschichte Polens, dass dort US-Patriots angeliefert wurden. Die Raketen sollen in einer Art Rotationsprinzip 30 Tage pro Quartal in Polen stationiert werden. Die normalerweise im deutschen Kaiserslautern stationierten US-Soldaten sollen die Raketen warten und polnische Soldaten mit den Waffen vertraut machen. Klich sagte in Morag, er hoffe, dass künftig noch mehr US-Soldaten nach Polen kommen und appellierte an die Truppen, sich das Vertrauen der Bevölkerung nicht zu verspielen.

Morag liegt nur 60 Kilometer von der russischen Exklave Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, entfernt. Polen hatte wiederholt betont, dass Morag wegen seiner guten Infrastruktur als Standort für die US-Raketen ausgewählt worden sei - und nicht aus politischen Gründen. Russland kritisierte den Schritt am Mittwoch dennoch heftig. Solche "Aktionen" entsprächen nicht den bilateralen Beziehungen und schwächten das gegenseitige Vertrauen, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax einen Vertreter des Außenministeriums, der namentlich nicht genannt werden wollte. Sie führten zudem nicht zu einer "Stabilisierung der Region". Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte dazu bereits im Januar, er könne nicht begreifen, warum der Eindruck erweckt werde, Polen müsse sich gegen Russland wappnen.

Die USA und Polen hatten im Dezember ein Abkommen über die Stationierung von Patriot-Raketen und US-Soldaten in dem osteuropäischen Land unterzeichnet. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama hatte zuvor den Verzicht auf ein von seinem Amtsvorgänger George W. Bush geplantes Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien erklärt. Die Patriot-Stationierung war 2008 eine polnische Bedingung für die damalige von der damaligen US-Regierung gewünschten Langstrecken-Raketenabwehr für Europa und die USA gegen etwaige iranische Angriffe.

AFP/APN