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Die Foltermethoden der CIA: Zurück ins Mittelalter

Agenten des US-Geheimdienstes CIA haben bei ihren Verhören ihre Gefangenen mit menschenunwürdigen Praktiken behandelt und gefoltert. Ein Bericht führt die Methoden nun detailliert auf. Eine Liste der Unmenschlichkeit.

Von Felix Disselhoff

Das Dokument, das das US-Justizministerium am Montag veröffentlichte, dürfte weder dem US-Auslandsgeheimdienst CIA noch den Verantwortlichen der Vorgängerregierung unter Präsident George W. Bush gefallen. Es handelt sich um einen 160-seitigen Bericht, der lange Zeit unter Verschluss war. Dieser gibt detailliert Aufschluss über die verschiedenen Foltertechniken der CIA im "Krieg gegen den Terror". Mutmaßlichen Terroristen wurde beispielsweise angedroht, dass ihre Kinder umgebracht oder Mütter missbraucht würden.

In dem am Montag in Washington veröffentlichten Bericht aus dem Jahr 2004 werden solche Maßnahmen scharf kritisiert. CIA-Beamte seien auch weiter gegangen, als ihnen das Justizministerium in der Amtszeit von George W. Bush genehmigt hätte, heißt es. Die CIA habe "nicht erlaubte" und "inhumane" Praktiken bei mutmaßlichen Spitzen-Terroristen angewandt.

Lücken in Verhör-Protokollen


So soll dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, Khalid Sheik Mohammed, mit der Tötung seiner Kinder gedroht worden sein. Sollte es weitere Anschläge in den USA geben, "werden wir deine Kinder umbringen", sagte ein Vernehmungsbeamter einem Kollegen zufolge. Ein Beamter, der nach eigener Aussage nie in Verhören geschult wurde, quetschte einem Verdächtigen mehrmals die Halsschlagader ab, bis jener in Ohnmacht fiel. Dann rüttelte er den Verdächtigen wieder wach. CIA-Agenten inszenierten mindestens eine Scheinhinrichtung, um einen Verdächtigen zum Reden zu bringen. - Beamte im CIA-Hauptquartier drängten Verhörspezialisten dazu, den Verdächtigen Abu Subaydah weiterhin dem sogenannten Waterboarding zu unterziehen, obwohl jener nach Ansicht seiner Verhörer mit den Ermittlern zusammenarbeitete.

Um den Gesundheitszustand der Insassen und Fortschritte bei den Verhören dokumentieren zu können, beraumte das US-Justizministerium außerdem umfangreiche Videoaufnahmen der Befragungen an. Im Fall des Verdächtigen Abu Zubaydah enstanden zwischen 2002 und 2003 92 Videobänder. Auf zwölf von ihnen wurden die "speziellen" Fragetechniken aufgezeichnet. Doch bei einer Durchsicht der Bänder im Mai 2003 durch Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft waren elf der Bänder plötzlich unbespielt, auf weiteren zwei waren nur zwei Minuten einer Aufnahme zu sehen. Bei einem Vergleich mit den Logbüchern der Befragung stießen die Kontrolleure auf 21 Befragungsstunden, die nicht mehr auf Videobändern festgehalten waren. Doch in mindestens zwei weiteren Fällen sei laut Logbuch "Waterboarding" angewandt worden. Außerdem hätten einige Agenten die Technik anders, mithin falsch praktiziert, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. So hätten die Ermittler abweichend von den Vorgaben des Justizministeriums zu große Mengen Wasser auf die Gesichter der Häftlinge gegossen worden.

Wir haben uns den 160 Seiten starken Bericht etwas genauer angeschaut und die erlaubten sowie illegalen Verhörmethoden aufgelistet und beschrieben. Dabei sind die englischen Begriffe zum Teil nur schwer ins Deutsche zu übersetzen. Deshalb haben wir sie in den Überschriften im Original belassen und in den Erläuterungen übersetzt.

"Attention grasp"

Diese Verhörmethode zählt zu den zehn so genannten "Enhanced Interrogation Techniques" (engl.: Verbesserte Fragetechniken), kurz EIT. Foltermethoden, die in Absprache mit Psychologen und dem Justizministerium entwickelt wurden. Hierbei packt der Agent den Gefangenen mit beiden Händen am Hals und zieht ihn gleichzeitig in einer raschen Bewegung zu sich heran.

"Walling technique"

Der Gefangene wird nach vorne gestoßen und dann plötzlich und fest gegen eine flexible Wand gestoßen, damit seine Schulterblätter mit dieser Wand kollidieren. Kopf und Nacken sind dabei mit einem zusammengerollten Handtuch gepolstert.

"Facial hold"

Bei dieser Technik wird der Kopf des Gefangenen fixiert. Zwischen den Fingerspitzen des Ermittlers und dem Auge des Insassen wird eine Stück Holz positioniert.

"Insult slap"

Noch die harmloseste Variante der Gewalt: eine Ohrfeige mit breit gespreizten Fingern. Mehrfach angewandt jedoch äußerst schmerzhaft.

"Cramped confinement"

Der Gefangene wird in einer Kiste eingesperrt. Je nach Größe variiert die Zeit in dieser Dunkelkammer zwischen zwei und 18 Stunden. In einer verschärften Variante wird in der Kiste ein Insekt ausgesetzt.

"Stress positions"

Dazu wird der Insasse in unbequeme Positionen gebracht, beispielsweise kniend mit den Händen in der Luft und dem Rücken in einem 45-Grad-Winkel. Diese Position muss er dann mehrere Stunden halten.

"Enhanced stress positions"

Die bereits erwähnten Stress-Positionen sind laut des CIA-Berichts im Falle von Al-Nashiri übertrieben angewandt worden. Ein zwischenzeitlich ausgekugelter Arm sei allerdings ein Unfall gewesen, behaupten die Befrager.

"Sleep deprivation"

Zum Schlafentzug wird der Gefangene in eine eigens präparierte Zelle verlegt und konsequent aus dem Schlaf gerissen. Laut Justizministerium durfte diese Phase nicht länger als elf Tage dauern.

"Waterboarding"

Hierbei wird der Insasse auf einer Bank festgebunden. Auf Nase und Mund wird ein Tuch platziert, das mit Wasser getränkt wird. Der Kohlenstoffdioxidgehalt in seinem Blut erhöht sich, und der Gefangene bekommt das Gefühl zu ertrinken. Die Technik wird zwischen 20 und 40 Sekunden lang angewendet.

"Power Drill"

Die folgenden Methoden wurden von dem Justizministerium nicht freigegeben, allerdings in den vergangenen Jahren immer wieder bei Verhören angewandt. In bester Hollywood-Manier bedrohten Mitarbeiter Häftlinge mit halbautomatischen Waffen, wenn sie gefesselt und nackt in ihrer Zelle standen. Im Falle des Insassen Al-Nashiri benutzten CIA-Agenten einen Bohrer (engl.: power drill), um ihn zu erschrecken. Abd Al-Naschiri soll an dem Anschlag auf das US-Kriegsschiff "USS Cole" im Jahr 2000 beteiligt gewesen sein. Laut den Protokollen soll er jedoch in keinen direkten Kontakt mit dem Bohrer gekommen sein.

"Threats"

Mitarbeiter sollen auch durchaus subtiler verhört haben. So soll Al-Nashiri damit bedroht worden sein, dass "seine Familie" und "seine Mutter" ebenfalls verhört würden. Ein weiterer Befrager soll Al-Nashiri weiß gemacht haben, dass er jederzeit seine Verwandten vor seinen Augen missbrauchen lassen könnte. Dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, Khalid Sheik Mohammed, wurde mit der Tötung seiner Kinder gedroht.

"Smoke"

Al-Nashiri sei außerdem Zigarettenrauch ins Gesicht geblasen worden, wird in den Protokollen berichtet. Die Ermittler gaben jedoch an, lediglich geraucht zu haben, um "den Gestank der Verhörräume zu überdecken". Und nicht, um bei Insassen Übelkeit hervorzurufen.

"Stiff Brush and Shackles"

Des Weiteren sei Al-Nashiri mit einer harten Bürste malträtiert worden, während andere CIA-Agenten auf seine Fesseln Druck ausgeübt haben als sie ihn in eine so genannten Stress-Position brachten.

"Pressure Points"

Weitere Insassen seien außerdem mit so genannten Druckpunkt-Methoden bearbeitet worden. Dazu wird mit beiden Händen die Carotis-Arterie des Insassen abgeklemmt. Ein Beamter, der nach eigener Aussage nie in Verhören geschult wurde, quetschte einem Verdächtigen mehrmals die Halsschlagader ab, bis jener in Ohnmacht fiel. Dann rüttelte er den Verdächtigen wieder wach.

"Mock Executions"

Nicht mehr ganz so subtil waren so genannte Scheinhinrichtungen. Dazu wurde während eines Verhörs im Nebenraum eine Hinrichtung fingiert. Nach einigen Minuten wurde der Insasse an einem Raum vorbeigeführt, in dem ein vermummter Körper regungslos auf dem Boden lag. So sollte der Willen des Gefangenen gebrochen werden.

"Use of Cold"

Mit dem Entzug von Decken und Kleidung sowie dem Einsatz von Kühlmitteln sollte das Wohlempfinden der Insassen erheblich geschwächt und mentale Barrieren gebrochen werden.

"Water Dousing"

Bei dieser Methode wurden Insassen auf dem Boden liegend mit Wasser übergossen, während die Raumtemperatur auf 70 Grad erhöht wird.

"Hard Takedown"

Was sich wie eine Technik aus dem Football anhört, hat mehr mit der Erniedrigung eines Insassen zu tun. Der "hard takedown" wurden nach Gesprächen mit Ermittlern oft angewendet, um eine neue Phase der Befragung anzukündigen. Dazu wurde ein Insasse auf dem Boden fixiert und mit einer Windel versehen, bevor er in die Schlafentzugs-Zelle transportiert wurde.

mit Agenturen