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Barak Obama: Die Krux der Rhetorik

Vielleicht reagierten die Ajatollahs in Teheran auf die "fairen" Angebote beim Atomkonflikt nur deshalb nicht positiv, "weil sie in ihre eigene Rhetorik verstrickt sind", sinnierte US-Präsident Barack Obama in Seoul.

Vielleicht reagierten die Ajatollahs in Teheran auf die "fairen" Angebote beim Atomkonflikt nur deshalb nicht positiv, "weil sie in ihre eigene Rhetorik verstrickt sind", sinnierte US-Präsident Barack Obama in Seoul. Tatsächlich hätte er seine eigene Lage kaum besser beschreiben können: Seit seinem Amtsantritt im Januar hat er mit inspirierenden Reden und faszinierenden Auftritten kühn eine neue Welt der Verständigung, Zusammenarbeit und des Friedens entworfen, warb Amerikas neuer Führer mit ungewohnter Bescheidenheit und Selbstkritik um Vertrauen in die Supermacht.

Die achttägige Asienreise hat nun besonders deutlich gezeigt, dass Obamas Worte auf internationaler Bühne bisher kaum etwas bewirken konnten. Besonders die aufsteigende Großmacht China demonstrierte neues Selbstbewusstsein und sieht kaum Anlass, bei den wichtigen globalen Themen Sichtweisen und Strategien der USA zu teilen. Obama musste feststellen, dass es kaum so etwas wie Furcht vor der Führungsmacht der freien Welt gibt. Chinas Präsident Hu Jintao ließ wie schon so oft vor dem Staatsbesuch Dissidenten und Oppositionelle verhaften oder einsperren, verhinderte eine landesweite TV-Übertragung des Treffens Obamas mit Studenten und gab sich bei keinem Thema sonderliche Mühe, den Amerikanern entgegenzukommen.

Obama habe zu spüren bekommen, wie der Westen und vor allem die USA an globaler Dominanz verloren hätten, schrieb der Kommentator des "Christian Science Monitor". Man schere sich vielerorts nicht mehr so sehr um Kritik und Werte des Westens. Auch die "New York Times" sah in Obamas Peking-Visite einen "historischen Wendepunkt": Erstmals seien sich China und die USA als ebenbürtige Partner begegnet.

Das habe "gravierende Folgen" für alle brisanten Weltthemen. Vor allem werde es keine Gemeinsamkeit gegenüber dem Iran und Nordkorea geben, sollten die USA Härte demonstrieren wollen - noch dürften große Fortschritte beim Klimaschutz erwartet werden, bei denen China mitspiele. Und von universellen Menschen- und Bürgerrechten wollen Chinas Machthaber schon gar nichts wissen. In der Außenpolitik "gibt es nicht unmittelbare Belohnungen", versuchte Obama-Berater David Axelrod das Ausbleiben jeglicher Ergebnisse der Reise zu rechtfertigen. Man habe "Fortschritte bei den wichtigen Themen erzielt".

Zweifel scheinen angebracht, zumal Obama in wachsendem Maße in Zugzwang gerät: Er selbst betont, dass die Hinhaltetaktik mit Teheran und Pjöngjang nicht lange hingenommen werden könne. In Afghanistan muss Obama handeln, Alternativen zur Entsendung von mehr Truppen scheint er kaum zu haben, Hilfe von anderen darf er nicht erwarten. Mitten in die Asienreise platzte die Nachricht vom neuen israelischen Siedlungsbau. Das Weiße Haus reagierte für seine Verhältnisse fast zornig, aber Israel hatte demonstriert, dass es sich auch von Obama nichts vorschreiben lassen will. China schon gar nicht.

Friedensnobelpreisträger Obama kehrt mit fast leeren Händen aus Asien zurück. Aber er muss in Kürze Weichen mit gravierenden Folgen stellen: Welche Politik bleibt Washington, wenn weder Teheran noch Pjöngjang auf gute Worte oder ein paar Sanktionen reagieren? Welche Möglichkeiten hat Obama in Nahost, das schon jetzt drohende Scheitern seiner Friedensinitiative zu verhindern? Wie lässt sich die erst im Frühjahr verkündete "neue Strategie" in Afghanistan verändern, damit die USA weder in ein zweites Vietnam schliddern noch als blamierter und ohnmächtiger "Papiertiger" dastehen?

So hatten einmal die marxistisch-leninistischen Maoisten über die USA gelästert. Die neuen Machthaber in Peking, die glauben, Kapitalismus mit Diktatur zu einem Erfolgsrezept mixen zu können, haben Obama behandelt, als ob er nicht viel mehr als ein "Papiertiger" wäre. Der erste schwarze Präsident der US-Geschichte wird auf jeden Fall recht bald Flagge zeigen müssen, so oder so.

Laszlo Trankovits/DPA / DPA