HOME

Die Syrien-Frage: Verhandelt!

Ein Militärschlag des Westens gegen Syrien steht offenbar unmittelbar bevor. Es ist der falsche Weg, denn den erhofften Frieden brächte er nicht.

Ein Kommentar von Dominik Wichmann

Die grauenhaften Bilder vom Chemiewaffen-Einsatz in Syrien führen weltweit zu der Debatte: militärische Intervention oder nicht? Das deutsche Nein ist richtig. Die deutsche Position ist kurz vor der Bundestagswahl über alle Parteigrenzen hinweg eindeutig: eindeutig nein. Und sie ist richtig. Irak, Afghanistan und zuletzt Libyen zeigen, dass Militärschläge alles andere als Stabilität generieren.

Sollte sich Deutschland am Militärschlag in Syrien beteiligen?

Und in Syrien ist die Lage noch bedeutend verworrener. Die Forderung nach Beistand für die Aufständischen greift nicht. Die Rebellen selbst sind zersplittert und untereinander verfeindet. Wen also und mit welchen Folgen unterstützen? Assads Sturz wäre militärisch gewiss möglich. Den erhofften Frieden brächte er aber nicht.

Die aktuelle Diskussion hat US-Präsident Barack Obama mit einem riskanten Statement bereits vor einem Jahr entfacht. Mit seinem Junktim von der "roten Linie", die beim Einsatz chemischer Waffen überschritten sei, hat er sich in eine diplomatische Sackgasse geredet. Nun muss er erleben, wie ihn in die Falken im eigenen Land vor sich hertreiben.

Obama ist ein Opfer der eigenen Zurückhaltung. Er hätte viel früher und entschiedener auf eine politische Lösung drängen müssen. Die ist immer noch möglich. Falls der internationale Druck endlich Bewegung in den politischen Prozess bringt. Falls sich Russland seiner Verantwortung erinnert, seinen Einfluss auf Assad nutzt und dem Despoten signalisiert: Es geht auch ohne dich.