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Brände in Kalifornien: Feuerwehr reagiert stinksauer auf Trumps Twitter-Attacke

US-Präsident Donald Trump hat den Behörden in Kalifornien via Twitter die Schuld an den verheerenden Bränden in dem Bundesstaat gegeben - und damit bei der Feuerwehr einen Sturm der Entrüstung entfacht.

Video: Waldbrände in Kalifornien wüten weiter

Die Brände in Kalifornien haben Tausende Häuser zerstört, die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf 31 gestiegen, mehr als 8000 Feuerwehrleute kämpfen gegen die weiterhin wütenden Flammen - und US-Präsident Donald Trump attackiert die Behörden des Bundesstaates und droht mit der Streichung von Bundesmitteln.

"Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und kostspieligen Waldbrände in Kalifornien, außer dass das Forstmanagement so schlecht ist", schrieb Trump auf Twitter. "Jedes Jahr werden Milliarden von Dollar ausgegeben, während so viele Menschenleben verloren gehen, nur wegen des groben Missmanagements der Wälder. Abhilfe jetzt, oder keine Zahlungen des Bundes mehr!"

Bei der Feuerwehr hat Trump sich mit seinem Tweet keine Freunde gemacht: "Herr Präsident, bei allem Respekt, Sie liegen falsch. Die Brände in Südkalifornien sind Feuer in urbanen Übergangszonen und haben NICHTS mit der Waldbewirtschaftung zu tun. Kommen Sie nach Südkalifornien und lernen Sie die Fakten kennen und helfen Sie den Opfern", forderte der Chef der Feuerwehrvereinigung von Pasadena Trump auf.

Regelrecht wütend reagierte der Präsident der kalifornischen Berufsfeuerwehr, Brian Rice, auf die Anschuldigungen aus dem Weißen Haus: "Die Botschaft des Präsidenten, in der er Kalifornien attackiert und damit droht, den Opfern der verheerenden Brände Hilfe vorzuenthalten, ist schlecht informiert, schlecht getimed und erniedrigend für diejenigen, die leiden, sowie für die Männer und Frauen an der Front", schrieb Rice in einer Stellungnahme.

"Donald Trump spricht uninformierte Drohungen aus"

Die Brände entstünden und verbreiteten sich nicht nur in Forstgebieten, erklärte Rice. Zudem seien fast 60 Prozent der kalifornischen Wälder unter Bundeskontrolle und rund ein Drittel in privater Hand. Nicht Kalifornien, sondern die Bundesregierung selbst habe entschieden, der Forstverwaltung die Ressourcen so aus der Hand zu nehmen. "In einer Zeit, in der all unsere Bemühungen darauf ausgerichtet sein sollten, die zerstörerischen Brände zu bezwingen und den Opfern zu helfen, hat sich der Präsident stattdessen dafür entschieden, eine uninformierte politische Drohung auszusprechen, die sich direkt an die unschuldigen Opfer dieser katastrophalen Brände richtet", kritisierte Rice.

Auch die International Association of Fire Fighters (IAFF), eine Gewerkschaft, die Berufsfeuerwehrleute und medizinisches Notfallpersonal in den Vereinigten Staaten und Kanada vertritt, nahm bei ihrer Reaktion auf Trumps-Twitter-Attacke kein Blatt vor den Mund. In einem Tweet und auf ihrer Webseite bezeichnete sie die Äußerungen des US-Präsidenten als "unverantwortlich, rücksichtslos und beleidigend". Während Feuerwehrleute und Zivilisten immer noch in Gefahr seien, habe Trump sogar angedeutet, die notwendigen Geldmittel zu kürzen, um die Sicherheit von Amerikanern zu gewährleisten.

Kaliforniens Gouverneur will Hilfe aus Washington

Mit Sarkasmus machte die ehemalige Feuerwehrfrau und jetzige Dozentin für Forst-, Weideland- und Feuerwissenschaften an der Universität von Idaho, Dr. Crystal A. Kolden, auf Trumps offensichtliche Unwissenheit aufmerksam: "Richtig. Ich bin sicher, dass es eine lange Liste von Holzfällerfirmen gibt, die darauf warten, Chaparral-Buschland und Eichenhaine und Grasland zu fällen. Die zerstörerischsten und tödlichsten Brände in Kalifornien sind NICHT in Wäldern. Das ist völlig unverantwortlich und uninformiert.

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown wies Trumps Attacke ebenfalls vehement zurück und forderte in Washington rasche Bundeshilfe für die Opfer der Feuerkatastrophe an. Brown vertritt die Position zahlreicher Forscher, die den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme verantwortlich machen. "Dies ist nicht die neue Normalität, es ist die neue Abnormalität", sagte der Demokrat.

Mehrere Villen von Prominenten abgebrannt

Die gewaltigen Brände im Norden und Süden Kaliforniens haben bereits Hunderte Quadratkilometer Wald vernichtet und Tausende Häuser zerstört, darunter auch die Villen von Prominenten wie Moderator Thomas Gottschalk und Popsängerin Miley Cyrus und Hollywoodstar Gerard Butler. Nach Angaben des kalifornischen Feuerwehrverbands CPF mussten rund 250.000 Menschen vor den Flammen fliehen. Im Ort Paradise nördlich von Sacramento kamen laut der Polizei 29 Menschen ums Leben. Im südkalifornischen Malibu waren am Freitag zwei Menschen in einem Auto verbrannt.

Im Ort Paradise, wo das sogenannte "Camp"-Fire seit Donnerstag mehr als 6000 Häuser zerstörte, werden weiterhin viele Menschen vermisst. Die Behörden sprachen am Sonntag von 228 Personen. Vermutlich stehen aber auch Personen auf der Vermisstenliste, die sich bereits in Sicherheit bringen konnten.

Im Video: "Flammenmeer zerstört Villen vieler Stars – und die sind derweil mehr als wütend auf Trump" 

Waldbrände in Kalifornien zerstören Villen der Stars - und die sind mächtig sauer auf Trump
mad