HOME

Milo Yiannopoulos: Donald Trumps schönster Hassprediger

Milo Yiannopoulos ist der Popstar des Hasses. Natürlich unterstützt er Donald Trump. Er pestet gegen Schwarze, Frauen und Muslime. Als hauptberuflicher Troll beweist er, dass Böswilligkeit ein einträgliches Geschäft sein kann.

Milo Yiannopoulos

Das schöne Gesicht des Hasses: Milo Yiannopoulos, Frauenverächter und Trump-Versteher

Wer oder was auch immer dieser Mann ist, seine Mission trägt Früchte. Leider sind es keine schönen Früchte, denn sie vergiften ein ganzes Land. Milo Yiannopoulos sagt Sachen wie: "Frauen sollten nicht Auto fahren. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ihr räumliches Vorstellungsvermögen schlecht ist. Saudi-Arabien, wo Frauen nicht ans Steuer dürfen, macht das schon richtig." Zack, das sitzt, solche Sprüche sind es, die seine Fans hören wollen, von ihm, dem "sagenhaftesten Schurken des Internets", wie er sich selbst nennt. Auf seiner Homepage verkauft er T-Shirts auf denen steht: "Feminismus ist Krebs".

Von Beruf Troll

Yiannopoulos trägt mal teure Anzüge, mal Basketball-Shirts, gerne auch grelles Zeugs. Seine Haare sind mal platinblond gefärbt, mal dunkel, mal kurz, mal lang und ohne große Pilotensonnenbrillen geht Milo Yiannopoulos anscheinend nie aus dem Haus. Der Mann, der noch vor wenigen Jahren als Journalist begonnen hat, ist eine Marke, ein Star. Einer, der es als hauptberuflicher Troll zu Ruhm gebracht hat - zumindest in der so genannten Alt-Right-Szene, wie man im Englischen die demagogische, äußerste Rechte nennt: Wegen seiner Hassbotschaften gegen alles und jeden, vor allem aber gegen Frauen, Muslime und Linke, hat er bei Twitter gleich mehrfach Hausverbot bekommen. Das hat seinem Ruf nicht geschadet, im Gegenteil. Es hat seiner Berühmtheit noch einmal einen weiteren Schub verliehen. Im Gespräch zu bleiben, zu welchem Preis auch immer, ist etwas, was der 32-jährige gebürtige Engländer besonders gut kann.

wall. now. thanks.

Ein von MILO (@milo.yiannopoulos) gepostetes Foto am


Wenig überraschend steht er auf Donald Trump

Im Juli dieses Jahres etwa schrieb er über den neuen "Ghostbusters"-Film, dessen Hauptfiguren ausschließlich Frauen sind, dass er ein Streifen sei, der "einsamen, mittelalten Frauen" darüber hinweg helfe, dass sie zum alten Eisen gehörten. Die schwarze Schauspielerin Leslie Jones hatte er im Zuge der folgenden Diskussion auch kurz noch beleidigt. Als Technik-Journalist, der er einmal war, beklagte Yiannopoulos, dass die Videospiel-Industrie von einer "Armee soziopathischer, feministischer Programmierer" politisiert worden sei. Die folgende Debatte ging als "Gamergate" in die Geschichte ein. Offenbar hat der Mann ein Problem mit Frauen, und wenig überraschend steht er auf Donald Trump.

Wobei - etwas überraschend ist es vielleicht doch. Denn Yiannopoulos ist schwul und gehört damit nicht zur bevorzugten Zielgruppe des US-Präsidentschaftskandidaten. Außerdem ist er keiner dieser prekären, mittelalten, weißen Männer, die sonst die Hauptwählerschaft des Republikaners ausmacht. "Trump und auch ich sind eine Reaktion auf eine von Linken initiierte Entwicklung, die darüber wacht, was gesagt und gedacht wird und welche Meinung geäußert werden darf", sagte Yiannopoulos in einem Interview mit der liberalen US-Wochenzeitung "The Nation".

Geht es Yiannopoulos um Freiheit?

Ist es das, worum es dem notorischen Querulanten geht? Die Wiederherstellung einer angeblich eingeschränkten Redefreiheit? Die Sprengung der Fesseln, die die politische Korrektheit den Menschen angeblich angelegt hat? Es sind die üblichen Argumente, die die Anhänger dieser rechten Bewegung, deren Lautsprecher Donald Trump ist, immer wieder vorbringen. Auch Milo Yiannopoulos sieht sich als "Kreuzzügler gegen die Krieger der sozialen Gerechtigkeit", wie er diejenigen nennt, die vermeintlich das gesellschaftliche Denken bestimmen: also Medien, linke Aktivisten, weichgespülte Konservative, Muslime.

Seit einem Jahr schreibt der Brite regelmäßig für die rechtsextreme Schreiseite "Breitbart.com", dessen ehemaliger Chef mittlerweile Donald Trump berät. "Breitbart" ist berüchtigt für windige Verschwörungstheorien und Hetzdemagogie. Seine neue publizistische Heimat, so sagte Yiannopoulos einmal, werde seine "Zentrale für die freie Rede" sein, wo man darüber rede, was die Menschen wirklich interessiere: "Freiheit, Liebe, Sex, Tod, Geld und Pornos". Laurie Penny, Autorin und Feministin, gleichsam das Gegenteil von Milo Yiannopoulos, nimmt ihm das Gerede von der ach so bedrohten Freiheit nicht ab.

"Milo glaubt an nichts"

Im Juli dieses Jahres wurde sie von ihm (zu ihrer eigenen Überraschung) auf den Parteitag der Republikaner in Cleveland eingeladen. Yiannopoulos hatte eine Kundgebung veranstaltet, auf der Homosexuelle Donald Trump die Treue schwören wollten, was schon absurd genug war. "Milo glaubt an nichts Konkretes - auch nicht an Redefreiheit", schreibt sie über das bizarre Treffen. "Er ist, genau wie Trump, Nigel Farage und Boris Johnson, unbelastet von Überzeugungen, außer der, dass ihnen persönlich Macht und Geld zusteht."

Yiannopoulos selbst sagt: "Wir leben in einer postfaktischen Ära, und es ist wunderbar." Postfaktisch ist einer dieser neuen Worte, die Phänomene wie Trump oder auch die AfD erklären: Es geht nicht mehr um Wahrheit als solche, sondern darum, wie sie von den Menschen wahrgenommen wird. Anders gesagt: Wie viele Flüchtlinge/Muslime/Kriminelle/Drogenabhängige/Einwanderer tatsächlich in der Nachbarschaft leben, interessiert nicht, sondern nur, dass die Menschen Angst vor ihnen haben. Dieses Gefühle beuten die rechten Demagogen wie Yiannopoulos für ihre Zwecke aus. Ihre Bezahlung erfolgt in Aufmerksamkeit, und wer am lautesten schreit ist am reichsten.

Geheimnisse des US-Präsidenten: Warum Donald Trump ungern Hände schüttelt


"Ich bin die perfekte Online-Persönlichkeit"

Doch wer ist nun dieser Mann? Einer, der seine Artikel gerne mit Listen seiner Klamotten garniert. Der für seine 30 persönlichen Angestellten eine Million Dollar pro Jahr ausgibt. Der Donald Trump "Daddy" nennt und glaubt, dass nicht die Linken seine Erzfeinde seien, sondern die Neo-Konservativen? Der wie ein Dandy-Popstar durch die USA tourt? Der als schwuler Katholik zehn Jahre lang mit einem Muslim zusammen war. Seine Nichtfreundin Laurie Penny sagt, er sei ein schlechter Mensch, der aber ganz tief drinnen ein gutes Herz hat. Er selbst sagt: "Das Internet ist für ein paar Jahre verschwunden, hat die perfekte Online-Persönlichkeit entwickelt und ist mit mir zurückgekommen."