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Paul Ryan: "Lyin' Ryan": Trump-Anhänger finden Sündenbock für Trumpcare-Blamage

Es war Paul Ryan, der die schlechte Nachricht überbingen musste: keine Mehrheit für das Gesetz, mit dem das verhasste Obamacare-Gesundheitssystem abgelöst werden sollte. Eines der größten Wahlversprechen von Donald Trump war damit geplatzt. Vielen Trump-Anhängern gilt Ryan als der Hauptschuldige für die Blamage.

Hat Donald Trump eine peinliche Niederlage nicht ersparen können: Paul Ryan schaut verkniffen nach unten

Hat dem eigenen Präsidenten Donald Trump eine peinliche Niederlage nicht ersparen können: Republikaner-Führer Paul Ryan

Wenn sich Paul Ryan einen Gefallen tun will, dann verzichtet er am Tag nach der großen Blamage auf die Lektüre der Kommentarspalten des US-Newsportals "Breitbart". Die rechtspopulistische Website, bis vor Kurzem noch von Donald Trumps Vertrauten Stephen Bannon betrieben, steht in aller Regel vorbehalt- und kritiklos an der Seite des neuen Präsidenten. Noch klarer positioniert ist häufig das Publikum der Meinungsmacher. Doch selbst für "Breitbart" ist es nicht möglich, das Zurückziehen des Gesetzentwurfs, mit dem das als "Obamacare" bekannte Gesundheitssystem ersetzt werden sollte, als das zu sehen, was es ist: ein empfindlicher Schlag, ja eine Blamage für den neuen Präsidenten und seine Partei, die Republikaner.

Dringend gesucht daher: ein Sündenbock! Und wer sollte sich da besser eignen als Paul Ryan, der einflussreiche Sprecher des Repräsentantenhauses, der es nicht geschafft hat, die Republikaner hinter dem deutlich wirtschaftlicher und weniger sozial konzipierten "Trumpcare" zu vereinen. Eines der wichtigsten Wahlversprechen von Donald Trump - verpufft! "Ich mache Paul keinen Vorwurf", betonte Trump in einem Telefongespräch mit dem "Washington Post"-Journalisten Robert Costa dennoch.


Donald Trump nimmt Ryan aus Schusslinie - vergeblich

Die Äußerung des Präsidenten konnte seine Anhänger aber nicht besänftigen. In den Kommentarspalten von "Breitbart" greifen sie den Republikaner-Führer massiv an und machen ihn persönlich für die Pleite verantwortlich - wobei ihnen das Portal die Richtung vorgibt, wird doch aus dem zuvor gefeierten "Trumpcare" nun "Paul Ryan's Obamacare Replacement Bill". Auf die Palme brachte dabei etliche Trump-Anhänger Ryans Äußerung, man werde nun in absehbarer Zukunft mit Obamacare leben müssen.

"Das ist doch genau das, was er wollte", ist sich ein "Breitbart"-User sicher - und liefert damit eine der moderaten Stimmen. "Wir leben vielleicht mit Obamacare für eine Zeit, die Ryan abschätzen kann, aber wir werden nicht mehr lange mit Ryan leben", betont ein anderer. "Nichts wie weg mit Lügner Ryan", fordert auch User "Gorden Geikko 2.0". Der Haus-Sprecher habe sich respektlos und illoyal zu Trump "und dem amerikanischen Volk" verhalten. "Gib das Sprecheramt ab, du bist als Führer nicht vertrauenswürdig und unbrauchbar."


Noch drastischer: "Nein A... loch, Du musst nicht. WIR müssen [mit Obamacare leben]. Zeit für Präsident Trump, eine Order zu unterzeichen, die ihre bequeme Gesundheitsversorgung entfernt. Sollen sie es doch mit dem Mist, in dem wir stecken, versuchen."


Ob in den Kommentarspalten oder auf der Facebook-Seite von "Breitbart" gehen die Beschimpfungen munter weiter, bis sich mittendrin ein Post auftut, der die politische Situation treffend analysiert, denn ganz schuldlos sind die Republikaner an der Blamage nicht:


"Acht Jahre lang drehten sich Däumchen und sagten, wir wissen es besser ..... nein!", heißt es da. "50-Mal haben die Republikaner dafür gestimmt, Obamacare zu ersetzen, als sie keinen Präsidenten im Weißen Haus hatten, der das unterzeichnen würde. Und jetzt, wo seinen Präsidenten im Weißen Haus haben, der das unterschreiben würde, kriegen sie die eine Sache nicht hin, die sie sieben Jahre herbeigeschrieen haben. Das macht klar, dass es viel einfach ist mit 'Nein' zu stimmen als zu regieren."

Ryan selbst trat via Twitter die Flucht nach vorne an. "Es gibt so viel, dass wir tun können, um das Leben der Menschen zu verbessern. Und das werden wir tun."


Doch die herbe Niederlage ist nicht wegzudiskutieren. Paul Ryan ist angezählt. Unter den Trump-Wählern viel mehr als der Präsident selbst.

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