VG-Wort Pixel

Die Stunde von Peter Navarro China-Hasser, Hardliner - der Architekt hinter Trumps drastischer Zollpolitik

Comeback des Hardliners: Peter Navarro (rechts) gilt als einer der Architekten der Strafzoll-Politik von Donald Trump
Comeback des Hardliners: Peter Navarro (rechts) gilt als einer der Architekten der Strafzoll-Politik von Donald Trump
© Olivier Douliery/Abaca Press/Andrew Harnik/ / Picture Alliance
Das Übel dieser Welt hat für Peter Navarro einen Namen: China. Nach dem Rücktritt von Trumps Chefökonom Gary Cohn wittert der Hardliner Morgenluft.

Peter Navarro ist ein Glückspilz. Sein größter Feind wohnt am anderen Ende der Welt. Über 11.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Washington D.C. und Peking. Das ist doch eine ganze Menge. Doch Peter Navarro hat auch Pech: In der internationalen Politik ist räumliche Distanz zur Nebensächlichkeit geworden. Alles geht zusammen, alles hängt voneinander ab, die Welt wartet hinter jeder Straßenecke und Wirtschaft kennt sowieso schon lange keine geographischen Grenzen mehr. Deswegen poltert Peter Navarro, auch wenn der Feind ganz weit weg im Osten sitzt. "China ist die Wurzel des Problems, wenn es um die Überproduktion von Stahl und Aluminium geht, für alle Länder der Welt", sagt er dann, zuletzt im Gespräch mit dem US-Sender CNN.

Man muss das Interview gar nicht zu Ende schauen, um zu verstehen: Peter Navarro mag China nicht. Es reicht ein Blick auf die Bücher, die der 68-jährige Wirtschaftswissenschaftler in den vergangenen Jahren veröffentlichte. Die heißen "The Coming China Wars", 2006 oder "Death by China", 2011 oder, 2015 erschienen, "Crouching Tiger: What China’s Militarism means for the World". "Wird es einen Krieg mit China geben?", fragt Navarro darin. Die "Financial Times" antwortet damals: "Er [Peter Navarro; Anm.d.Red] hegt keinerlei Zweifel daran, dass China eine revisionistische Macht ist, die die USA in Ostasien auslöschen und als Vorherrscher in der Region ablösen will." Nein, Peter Navarro mag China wirklich nicht.

Nun mag der Wirtschaftswissenschaftler Navarro etwas fatalistisch klingen. Allerdings scheint er, im Lichte der jüngsten Ereignisse, nicht ganz Unrecht gehabt haben: Ein Konflikt zwischen den USA und China ist in den vergangenen Tagen tatsächlich um einiges wahrscheinlicher geworden. Zwar kein militärischer, wie Navarro bereits vor drei Jahren unkte, sondern ein wirtschaftlicher. Seitdem US-Präsident Donald Trump vergangene Woche ankündigte, Stahl- und Aluminiumprodukte mit hohen Strafzöllen belegen zu wollen, warnen Politiker und Medien vor einem drohenden Handelskrieg. Peter Navarro allerdings war nicht Visionär dieser Entwicklung. Er war einer ihrer Architekten.

Navarro und Trump: Gemeinsam gegen China

Seitdem Donald Trump das Sagen im Weißen Haus übernommen hat, ist auch Peter Navarro richtig wichtig geworden. Für den damaligen Professor an der Universität von Kalifornien schuf der neue US-Präsident sogar einen eigenen Posten: Navarro wurde Leiter des "National Trade Council", des Nationalen Handelsrates der USA, und als solcher einer der wichtigsten Ansprechpartner des Präsidenten in Sachen Handelspolitik. Das passte. Navarro mag China nicht, Trump mag China genauso wenig. Im Wahlkampf verglich der heutige Präsident Chinas Handelspolitik mit einer Vergewaltigung der USA. Navarro, dessen Forderungen bei Experten weitestgehend Kopfschütteln hervorrufen - Wie genau soll Isolation das Wachstum fördern? -, nennt Trump bei Amtsantritt einen "visionären Ökonomen".

Und dennoch: Peter Navarros Start war holprig. Handelsthemen zählten nicht zu den heißesten Eisen der ersten Monate von Trumps Präsidentschaft und taten sie es doch, habe sich Navarro mit seinen radikalen Ansichten oftmals nicht durchsetzen können, berichtet die "Washington Post". Grund dafür war unter anderem ein Mann namens Gary Cohn: Trumps Chefökonom galt als einer der wichtigsten Befürworter des freien Handels in Trumps Team, war die Rede von neuen Zöllen und anderen Handelsbarrieren, reagierte Cohn mit Skepsis. Plus: Cohn hatte einen direkten Draht zum Präsidenten, sein Einfluss bei wirtschaftlichen Themen war groß. Verhielt sich Trump China gegenüber also zunächst deutlich zurückhaltender, als noch im Wahlkampf angekündigt, so lag die Vermutung durchaus nahe, Gary Cohn könnte dahinter stecken.

Ein Mann wie Gary Cohn ist der natürliche Gegenspieler von einem unverhohlenen "America First"-Protektionisten wie Peter Navarro. Als Stabschef John F. Kelly ihn im Herbst auch noch organisatorisch direkt Gary Cohn unterstellte, galt Navarro als zurückgestuft und ausgebootet. Doch Navarro behielt die Nerven. Und nun, kaum ein halbes Jahr später, ist er zurück im Spiel.

Gary Cohn geht - Peter Navarro ist zurück im Spiel

Die Auferstehung Peter Navarros begann im Stillen. Mitte Februar habe Donald Trump Navarro zu sich ins Oval Office gerufen und einem Bericht der "Washington Post" zufolge erklärt: Dieses Jahr werde er sich ganz groß um die Handelspolitik kümmern. Dann soll er seinen Stabchef Kelly angewiesen haben, Navarros Handelsrat seine Selbstständigkeit zurückzugeben. "Es geht hier nicht um Nationalisten gegen Globalisten", zitiert die "Post" eine Quelle aus dem Weißen Haus. "Trump will seine Handelsagenda, die er den Amerikaner versprochen hatte, vorantreiben."

Die Ankündigung vergangene Woche war vor diesem Hintergrund nur folgerichtig: Bei einer kurzfristig einberufenen Expertenrunde mit Stahl-Unternehmern verkündete Trump, das mit den Strafzöllen auf Stahl und Aluminium werde man jetzt durchziehen. Die Vereinigten Staaten würden aus anderen Ländern mit massivem Dumping unter Druck gesetzt. "Es bringt unsere Unternehmen um." Hardliner Peter Navarro hatte sich offiziell gegen Gary Cohn durchgesetzt.

Nicht eine Woche später tritt Gary Cohn nun zurück. Er erklärt, es sei ihm eine Ehre gewesen, seinem Land zu dienen. Warum er das nun nicht mehr wolle, erklärt er nicht. Cohns freiwerdenden Posten im Weißen Haus könnte nun vielleicht Peter Navarro übernehmen, heißt es.

Neue Strafzölle gegen China angedacht

Die Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium allein hätten China nur leicht erschüttert, schreibt die "FAZ". Das Land finde sich gar nicht in den Top 10 von Amerikas Stahlimporteuren. Doch in Washington denke man jetzt bereits weiter: Die Regierung liebäugle mit hohen Zöllen auf eine breite Palette chinesischer Importwaren, zudem wolle man die Investitionen chinesischer Unternehmen in Amerika einschränken.

China, da ist es schon wieder, dieses verhasste Land. Dort, wo "der rohe Gestank einer stechenden, schweißgebadeten Angst" in der Luft hänge, schreibt Peter Navarro in seinem Buch "The Coming China Wars". In der Inhaltsangabe heißt es: "In den kommenden China-Kriegen wird um alles gekämpft werden: um anständige Jobs, um lebenswerte Gehälter, um fortschrittliche Technologien, um strategische Ressourcen. Und am Ende um die grundlegendsten aller Bedürfnisse: Brot, Wasser und Luft." Donald Trump bezeichnete Navarros Buch als eines seiner liebsten über China.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker