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US-Vorwahlen: Trump feiert - dabei stellt Cruz ihm längst eine Falle

Fünf weitere Vorwahlen, fünf weitere Siege: Donald Trump scheint im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner unaufhaltbar. Doch hinter den Kulissen bringt Konkurrent Ted Cruz seine Truppen in Stellung.

Donald Trump in der Lobby des Trump Towers in New York

Ist er sich seines Sieges zu sicher? Donald Trump in der Lobby des Trump Towers in New York

"Ich betrachte mich eindeutig als den voraussichtlichen Kandidaten": Mit diesen Worten erklärte Donald Trump Dienstagnacht in der Lobby des Trump Towers in New York das Rennen um die Präsidentschaftsbewerbung der Republikaner für praktisch beendet. Der Milliardär hatte gerade seinen Gegnern Ted Cruz und John Kasich eine herbe Pleite beschert und die Vorwahlen in fünf weiteren US-Bundesstaaten klar gewonnen. Großspurig wie immer forderte Trump die Unterlegenen auf, den Kampf zu beenden. "Senator Cruz und Gouverneur Kasich sollten das Rennen nun wirklich aufgeben", tönte er. "Ehrlich, für sie führt kein Weg mehr zum Sieg."

Doch da irrt sich der selbstbewusste Immobilienmogul: Es ist gibt einen Weg. Er ist schmal und an seinem Ende könnte die gesamte republikanische Partei vor einem Abgrund stehen, aber Ted Cruz ist bereit, ihn zu gehen. Der Senator aus Texas arbeitet schon seit Langem im Hintergrund daran, die Hindernisse, die auf dem Weg liegen, zu beseitigen.

Donald Trump setzt voll auf absolute Mehrheit

Der Weg, den Cruz gehen will, führt über den Nominierungsparteitag der Republikaner im Juli. Trump verlässt sich voll darauf, dass er mit der absoluten Mehrheit von 1237 Delegiertenstimmen nach Cleveland reisen wird. Dann wäre ihm die Kandidatur sicher. 951 hat er nach Berechnungen des TV-Senders CNN seit Dienstag zusammen. Cruz und Kasich können ihn mit 566 beziehungsweise 152 Delegierten nicht mehr einholen.

Trump hat gute Chancen, in den verbleibenden zehn Vorwahlen auch die fehlenden Stimmen zu bekommen, in den meisten Umfragen führt er. Aber sicher ist sein Durchmarsch keineswegs. Verpasst der Milliardär die absolute Mehrheit, käme es auf dem Konvent wohl zur Kampfabstimmung zwischen den verbliebenen Kandidaten. Dann könnte Ted Cruz' große Stunde schlagen.

Ted Cruz hofft auf Kampfabstimmung

Seit Wochen formiert Cruz seine Truppen für diesen Showdown. Bei einer Kampfabstimmung wären im ersten Wahlgang rund 90 Prozent der Delegierten an das Ergebnis ihrer jeweiligen Vorwahl gebunden. Seine einfache Mehrheit würde Trump jedoch nicht für die Nominierung reichen. In der zweiten Runde müssten sich nur noch 42 Prozent der Abgesandten nach dem Vorwahlergebnis richten und im dritten Wahlgang könnten 80 Prozent frei entscheiden, für wen sie votieren. Hinzu kommen die mehr als 170 schwer einschätzbaren Delegierten des bereits ausgeschiedenen Bewerbers Marco Rubio. Für die Kandidaten ist es daher immens wichtig, wer genau in Cleveland seine Stimme abgibt.

Deshalb findet im Schatten des Vorwahlkampfes seit Wochen eine zweite, weniger öffentliche Auseinandersetzung statt: die Schlacht um die Besetzung der Delegiertenplätze.

In dieser Schlacht ist Cruz dabei, seinen Gegner vernichtend zu schlagen, wie die US-Nachrichtenseite "Politico" berichtet. Bis zum Wochenende werde etwa die Hälfte der Delegierten gewählt oder von lokalen Parteiführern der Republikaner bestimmt sein, schreibt das Portal. Diese Auswahlprozesse habe Cruz bislang durchweg dominiert und Hunderten seiner Anhänger Plätze für den Parteitag im Juli gesichert. Trump dagegen habe dabei durchweg versagt.

"Nach dem, was wir bisher sehen, ist wahrscheinlich die Hälfte der Leute, die im ersten Wahlgang für Trump stimmen müssen, nicht für Trump", zitiert das Portal einen Republikaner aus dem Wahlkampfteam von Gouverneur Kasich. "Ich sehe keine Möglichkeit, wie er das aufholen kann."

Parteitag könnte für Republikaner zum Drama werden

Der einzig verlässliche Weg für Trump, sich das Ticket der Grand Old Party für den Kampf um das US-Präsidentenamt zu sichern, bleibt also, seine Siegesserie in den Primaries fortzusetzen. Die Entscheidung, ob er dabei tatsächlich die 1237 Delegierten holt oder nicht, wird endgültig erst am 7. Juni fallen: In ihrer letzten Vorwahlrunde stimmen die Republikaner in fünf Bundesstaaten ab, darunter in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten US-Staat.

Holt Trump in den Vorwahlen nicht die absolute Mehrheit, könnte der Parteitag vom 18. bis 21. Juli zum großen Politdrama werden. Denn eine Kampfabstimmung, bei der Ted Cruz im zweiten oder dritten Wahlgang Donald Trump die Nominierung wegschnappt, würde die schon jetzt tief gespaltene Partei in ihren Grundfesten erschüttern.

Oder, wie Trump selbst es formuliert hat: "Wie will man Wählern sagen, wir werden einen Mann auswählen, der mit fünf Millionen Stimmen Rückstand verloren hat, weil Trump im ersten Wahlgang 14 Delegierte zu wenig hatte? Ich glaube nicht, dass man das kann."

mit AFP