HOME

Amtsenthebungsverfahren: Ex-Sicherheitsberater fällt Donald Trump in den Rücken: Das steckt hinter dem Buch von John Bolton

Mitten im Impeachment-Prozess bezichtigt Ex-Sicherheitsberater John Bolton Donald Trump im wichtigsten Punkt indirekt der Lüge. Zufall? Wohl kaum. Besonders pikant: Die Info soll ausgerechnet aus dem Weißen Haus gekommen sein.

John Bolton - der Strippenzieher hinter US-Präsident Donald Trump

Drängt sich nicht oft in den Vordergrund: John Bolton, Ex-Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump

AFP

Die Frage: "Warum jetzt" erübrigt sich wohl, die Frage "Warum" dagegen nicht. Dem Drehbuch des Impeachement-Prozesses folgend, sollte die jetzt anstehende, zweite Woche auch die letzte sein. Am morgigen Dienstag würden die republikanischen Verteidiger des US-Präsidenten ihre Plädoyers abschließen, danach dürfen die Senatoren noch Fragen einreichen und am Freitag dann sollte die Abstimmung über die Vorladung von Zeugen abschlägig beschieden werden. Ende des Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald J. Trump. Doch jetzt: Auftritt John Bolton, ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater.

Ex-Sicherheitsberater fällt Donald Trump in den Rücken

In seinem noch nicht erschienenen Buch "The Room Where It Happened" fällt Bolton offenbar sowohl der Verteidigung Trumps als auch dem US-Präsidenten selbst in den Rücken. Laut Auszügen, die der "New York Times" vorliegen, schreibt Bolton, dass Trump ihm im August 2019 gesagt habe, er wolle die Militärhilfe für die Ukraine so lange zurückhalten, bis Kiew Ermittlungen gegen seinen politischen Rivalen Joe Biden einleite. Das ist eines der zentralen Argumente der Anklage und widerspricht exakt der bisherigen Darstellung des Verteidigerteams.

Donald Trump neben dem US-Senat

Der US-Präsident muss sich einem Impeachment-Prozess stellen, weil er bereits freigegebene Militärhilfe an die Ukraine in Höhe von rund 400 Millionen Dollar zurückgehalten haben soll. Trump wollte nach Darstellung der anklagenden Demokraten damit erreichen, dass gegen den Gaskonzern Burisma ermittelt werde, wo der Sohn von US-Präsidentschaftsbewerber Joe Biden beschäftigt war. Auf diese Weise habe der US-Präsident an Schmutz kommen wollen, mit dem er seinen möglichen Kontrahenten bei der Wahl bewerfen könnte. Trump selbst hat schnell auf den neuen Vorwurf reagiert: In drei Tweets erklärte er, dass er John Bolton niemals erzählt habe, die Militärhilfe sei an Ermittlungen geknüpft. "Wenn er das behauptet, dann nur, um sein Buch zu verkaufen", so der US-Präsident weiter.

Trump ermöglicht Bolton Comeback

Der Zeitpunkt, an dem diese Information an die Öffentlichkeit kommt, ist tatsächlich nicht so überraschend wie die Frage nach ihrem Ursprung. Wann, wenn nicht jetzt, inmitten des laufenden Impeachment-Verfahrens, würde dieser Vorwurf höhere Wellen schlagen? Und dass dieser Mini-Auszug die Verkäufe von Boltons Buch, das im März erscheinen wird, ankurbeln wird, liegt ohnehin nahe. Über den Grund aber, warum der frühere Sicherheitsberater dem Präsidenten in die Parade fährt, lässt sich - Stand Ende Januar – nur spekulieren. Denn der Chef im Weißen Haus hatte dem 71-Jährigen ein eher unerwartetes Comeback in der großen Politik ermöglicht.

Bolton hatte schon unter den US-Präsident Ronald Reagan und den beiden Bushs gedient. Der als Hardliner und Falke bekannte Neokonservative war maßgeblich an der Gestaltung des Irak-Kriegs 2003 beteiligt und befürwortet bis heute militärische Einsätze im Nahen Osten, etwa gegen den Iran. "John würde am liebsten gegen jeden in den Krieg ziehen", spottete Donald Trump einmal über ihn. Vermutlich war es diese unerbittliche Haltung Boltons, die ihn letztlich das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters gekostet hat. Denn Trump lehnt jeden Waffengang kategorisch ab, was zum Zerwürfnis mit Bolton beigetragen haben dürfte. Nach anderthalb Jahren im Weißen Haus trennte sich im September 2019 ihr gemeinsamer Weg wieder.

"Guiliani wird uns noch alle in die Luft sprengen"

In seinem Buch bezeichnet Bolton den Umgang Trumps mit der Ukraine als "krummes Ding" und in diesem Zusammenhang fiel offenbar auch sein bereits bekannter Spruch über Trumps Privatanwalt Rudy Giuliani, eine Schlüsselfigur der Ukraineaffäre. Er sei eine "Handgranate, die noch jeden in die Luft sprengen wird". Laut dem Manuskript haben Bolton und andere hochrangige Regierungsvertreter wie Außenminister Mike Pompeo und Verteidigungsminister Mark Esper, den Präsidenten wochenlang dazu gedrängt, die vom Kongress genehmigten Militärgelder freizugeben. Zumindest in Teilen könnte "The Room Where It Happened" also eine Abrechnung mit dem Mann in Washington sein.

Dass er als einer der ganz wenigen aus dem innersten Zirkel bereit sei, im Impeachment-Verfahren vor dem Senat ausszusagen, hatte Bolton bereits angekündigt. Für eine kleine Rachespitze eines enttäuschten Ex-Beraters würde auch der Zeitpunkt des Bekanntwerdens passen. Doch die Auszüge aus dem Buch sollen nicht von ihm, sondern ausgerechnet vom Weißen Haus an die "New York Times" durchgesteckt worden sein. Das behauptet zumindest Boltons Anwalt. So sei das Manuskript des Buches am 30. Dezember in die US-Regierungszentrale geschickt worden, um dort auf möglicherweise geheime, sicherheitsrelevante Passagen untersucht zu werden, so der Anwalt, der laut "New York Times". Warum aber sollte ausgerechnet das Weiße Haus dem eigenen Präsidenten eins auswischen wollen?

Aktion des Widerstands im Weißen Haus?

In zahlreichen Büchern, die in den vergangenen Jahren über Donald Trumps turbulente, erste Amtszeit geschrieben wurden, sticht das eines unbekannten, hohen Regierungsmitarbeiter heraus. Der berichtet in "Warnung aus dem Weißen Haus" über einen Zirkel von Angestellten, die gegen den US-Präsidenten arbeiteten. Nicht, um dessen Erfolg zu boykottieren, sondern um die schlimmsten Auswüchse des alltäglichen Irrsinns zu verhindern. In den Medien wird diese Gruppe als "die Erwachsenen im Zimmer" bezeichnet; sie werden laut des anonymen Autors aber immer weniger. Möglicherweise hat das Leck, durch das die Bolton-Beschuldigung nun gesickert ist, der letzte Widerstand im Weißen Haus geschlagen.

Quellen: DPA, AFP, "The Hill", "New York Times", Donald Trump auf Twitter