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Rede auf Weltwirtschaftsforum: Trump in Davos: Erst kaum jemanden brüskiert, dann alle zum Geschäftemachen eingeladen

Buhrufe gab es nur kurz, als Donald Trump mal wieder mit "Lügenpresse"-Vorwürfen kam. Aber sonst fielen seine mit Spannung erwarteten Worte an das Weltwirtschaftsforum in Davos milde aus - am Ende ist er eben auch nur Geschäftsmann.

Donald Trump vor seiner Davos-Rede

Abgang Musik, Auftritt Donald Trump - der US-Präsident vor seiner Rede in Davos

AFP

Für seinen Ex-Berater Stephen Bannon war das Weltwirtschaftsforum in Davos der Inbegriff der verhassten Globalisierungselite. Auch Donald Trump beäugt das Treffen der Staats- und Konzernlenker skeptisch. Entsprechend neugierig waren die Teilnehmer auf die Rede des US-Präsidenten. Am Ende durften sie zufrieden sein, denn Donald Trump, ganz Geschäftsmann, hat niemanden brüskiert und stattdessen die Unternehmen der Welt eingeladen, in den USA zu investieren. "Nie war die Zeit besser, um einzustellen, zu wachsen und zu investieren", sagte Trump. "Amerika ist der Platz zum Geschäftemachen." Und: "America first bedeutet nicht Amerika allein."

Buhrufe gegen den US-Präsidenten

Irritiert waren die Zuhörer durch Trumps erneute "Lügenpresse"-Vorwürfe.  Mit Buhrufen quittierten sie seine Medienschelte. "Als Geschäftsmann hat mich die Presse immer gut behandelt. Erst als ich Politiker wurde, habe ich bemerkt, wie fies und gemein, wie bösartig und wie "fake" die Presse sein kann", sagte er. Aus Teilen des Publikums war daraufhin Protest zu hören. Trump ignorierte die Buhrufe und setzte seine Ausführungen fort. Zwischendurch erntete er auch Lacher. Etwa als er bemerkte, unter einer demokratischen Führung wären die Aktienkurse sicherlich um knapp 50 Prozent gefallen. Unter ihm seien die Kurse aber um 50 Prozent gestiegen. Zum Schluss seiner 15 Minuten und 50 Sekunden langen Rede war der Applaus der Wirtschafts- und Finanzelite in Davos eher spärlich.

Zuvor hatten zahlreiche Unternehmer, darunter Siemens-Chef Joe Kaeser und Davos-Gastgeber Klaus Schwab, Trump für seine Steuerreform gelobt. Schwab sagte bei seiner Ansprache: Die Steuerreform werde die Weltwirtschaft ankurbeln.

Donald Trump nicht grundsätzlich gegen Freihandel 

Trump hat bei seinem Auftritt eine Rückkehr seines Landes zum Transpazifischen Handelsabkommen TPP nicht ausgeschlossen. Die USA würden über Freihandelsabkommen mit vielen Ländern nachdenken, darunter auch den TPP-Ländern. "Vielleicht auch als Gruppe." Kanada und Japan hatten angekündigt, dass das Abkommen zwischen elf pazifischen Ländern im März unterzeichnet werden soll. Der US-Präsident kündigte allerdings auch eine harte Linie bei der Überwachung der Freihandelsregeln an. "Wir werden nicht länger wegsehen", sagte Trump. "Wir können keinen fairen und freien Handel haben, wenn einige Länder die Regeln brechen", sagte Trump.

Zugleich warb er für ein neues System der Einwanderung in die Vereinigten Staaten. "Unser Einwanderungssystem steckt in der Vergangenheit fest", sagte Trump. Er forderte eine Umstellung auf einen leistungsabhängigen Ansatz, wonach Menschen vor allem nach ihren Fähigkeiten ausgewählt würden. In den USA streiten regierende Republikaner und Demokraten, deren Mitwirkung an der Gesetzgebung nötig ist, derzeit heftig über neue Regeln zur Einwanderung.

Merkel, Modi, Macron indirekt gegen Trump

Insgesamt diskutierten in Davos mehr als 3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine Woche lang unter dem Motto "Für eine gemeinsame Zukunft in einer zerrütteten Welt". Dabei hatten prominente Redner wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, Indiens Regierungschef Narendra Modi und der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau mit Nachdruck für Freihandel und Globalisierung geworben - und sich damit indirekt gegen Trumps viel kritisierte Abschottungspolitik gestellt.

nik mit DPA