VG-Wort Pixel

Trumps Kampf gegen Corona Der Größte bin ich. Immer. Total. Überall.


Während die Zahl der Todesopfer in den USA weiter steigt, hat Donald Trump seinen Plan für einen Ausstieg aus dem Corona-Shutdown vorgelegt. Sollte der Schritt nach hinten losgehen, hätte er bereits eine Ausflucht parat.

Bei Donald Trump geht es immer um Zahlen und Rekorde und Superlative und so natürlich auch bei der Entscheidung, die er als die "wichtigste meines Lebens" angekündigt hatte: Amerika nach dem Shutdown wieder zu öffnen. Er hatte für die Präsentation auch gleich einen Titel und ein Logo parat: "Opening up America again." Es passt in die Reihe seiner Wahlslogans "Make America Great Again" und "Keep America Great".

Donald Trump will USA schrittweise öffnen

Bevor Trump seinen Plan vorstellte, sprach er von Krieg und Kriegern und Helden und dem besten Militär und dem unsichtbaren Feind und der größten Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie so oft in den vergangenen Wochen musste man das Gefühl bekommen, hier geht es um einen wahrhaftigen Krieg.

Und der Sieger hieß: Amerika. Die meisten Tests, die besten Ärzte, die beste Regierung, die besten Bürger und selbstverständlich den besten Präsidenten.

Und weil angeblich alles so gut läuft – trotz der mit Abstand meisten Toten auf der Welt, mehr als 30.000 – will Trump die USA schrittweise wieder öffnen. Seine Experten entwickelten dafür einen Dreistufenplan. Und auf die Frage, wann die ersten Bundesstaaten mit der Öffnung loslegen können, sagte er: "Noch diesen Monat."

Er hat mal wieder alle Deadlines und Skeptiker und Prognosen geschlagen. Ursprünglich sollten die Richtlinien seiner eigenen Regierung bis zum 30. April bestehen bleiben. Jetzt könnte es in einigen Landesteilen theoretisch schon vorher losgehen. Deadline besiegt.

In den von Covid-19 weniger betroffenen Staaten – wie etwa Montana, Wyoming, North Dakota – dürfen nicht nur Geschäfte öffnen, sondern auch Restaurants, Kirchen und Sportstadien, wenn sich die Betreiber und Gäste an strikte Regeln halten. Staaten, die stark betroffen sind – wie New York und New Jersey – müssen sich noch gedulden und erst einige Kriterien erfüllen. Die Umsetzung der neuen Richtlinien überlässt Trump den Gouverneuren.

Trump fährt einen verwirrenden Kurs

Es ist bei diesem Präsidenten nicht ganz leicht, eine klare Linie zu erkennen. Er lobt die Transparenz von China und attackiert dann die Intransparenz von China. Er greift den Autohersteller General Motors wegen nicht gebauter Beatmungsgeräte an und lobt ihn dann in den Himmel. Er prahlt, dass er "totale Autorität" über die Bundesstaaten habe, überlässt ihnen aber dann die Entscheidung über die Öffnung.

Es ist bei ihm eine Tageslaune. Trump ist – um es vorsichtig zu sagen – ein nicht ganz stabiler Mensch.

Es gibt bei ihm eigentlich nur eine Konstante: Der Größte bin ich. Immer. Total. Überall.

Im Krisenmanagement fuhr der Präsident bisher einen verwirrenden Kurs. Er lobt die Führungsarbeit der Gouverneure, bevor er einige niedermacht. Er preist die heilende Wirkung von Medikamenten, bevor es überhaupt klinische Ergebnisse gibt. Er hält sich an den Rat der Virologen und Ärzte – und widerspricht ihnen dann.

Wenn es überhaupt eine feste Regel seines Krisenmanagements gibt, dann lautet die: Wenn es gut läuft, ist es sein Verdienst. Wenn es schlecht läuft, ist es die Schuld der anderen: Gouverneure. Demokraten. Internationale Organisationen. WHO. Obama. Jeder ist mal dran. Und immer: die Medien. Im Zweifel haben bei Trump immer die Medien Schuld, nur weil sie es wagen, eine kritische Frage zu stellen.

Mit seinem Patchwork-Öffnungsplan pokert Trump hoch. Wenn es klappt, hat er das Land frühzeitig geöffnet und die Wirtschaft wieder angekurbelt und den Lagerkoller vertrieben und alle Skeptiker eines Besseren belehrt. Wenn es jedoch neue Ausbrüche gibt und die Regierung sie nicht rechtzeitig in den Griff bekommt – unter anderem, weil es noch immer nicht genug Tests gibt – könnten ihm die hohen Todeszahlen zum Verhängnis werden.

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht auch dafür schon einen Ausweg hätte: Es ist dann die Schuld der Gouverneure, die seinen genialen Plan nicht richtig umgesetzt haben.

mad

Alles zum Coronavirus


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker