HOME
Meinung

Aktion #Freepress: Trump ist der größte Feind der amerikanischen Demokratie

300 US-Zeitungen wehren sich gegen Trumps Vorwurf, sie seien der Feind des amerikanischen Volkes. Der reagiert via Twitter. Und beweist umgehend, wie Recht sie haben.

Die 29-jährige Lauren Vowells liest den "Boston Globe"

Die Reaktion kam umgehend, am frühen Morgen des 16. August antwortete Trump auf die Kommentare in über 300 US-Zeitungen. Er brüllte es der Nation in Großbuchstaben entgegen: "DIE FAKE NEWS MEDIA IST DIE PARTEI DER OPPOSITION. Das ist sehr schlecht für unsere Großartiges Land ... ABER WIR GEWINNEN!"

Man muss dieses Tweet des Commander-in-Chiefs der USA einmal in Ruhe betrachten. Nicht nur verstärkt er die Angriffe auf die Medien seines Landes. Sondern er beschimpft sie, absurderweise, als Oppositionspartei. Es bedarf schon eines besonderen Politik-Verständnisses, um die Opposition in einer Demokratie als eine Gefahr für das Land zu bezeichnen. Es ist das Politik-Verständnis eines Autokraten, der keinen Widerspruch duldet. Der nur gewinnen kann, wenn die andere Meinung nicht mehr wichtig ist, gar nicht mehr existent.

Donald Trump versteht die Rolle von Journalisten nicht

Und dann deckt dieser Ausfall Trumps noch ein weiteres Problem auf: Er versteht ganz offensichtlich die Rolle von Journalisten in einer Demokratie nicht. Nur, weil diese die Regierung kritisieren, weil sie Probleme aufgreifen, Skandale recherchieren und nicht selten bissig sind, werden sie nicht Teil einer Oppositions-Partei. Sondern erfüllen ihre Rolle als Kontroll-Instanz der jeweiligen Regierung, egal, welche Partei diese stellt. Dies kann man im Einzelfall natürlich kritisieren. Es ihnen aber grundsätzlich anzulasten ist absurd.

Wenn sich Trump die Mühe gemacht hätte, zumindest teilweise die Kommentare zu lesen, wegen derer er jetzt via Twitter in die Welt brüllt - er hätte dieses Konzept vielleicht verstanden. Denn die Leitartikel der US-Zeitungen sind so differenziert in ihrer Kritik an den Aussagen Trumps, im Ton und in der Schwerpunktsetzung so unterschiedlich, dass sie wunderbar vor Augen führen, was Medien in einer Demokratie garantieren: Meinungsvielfalt.

Das "Topeka Capital-Journal“, Kansas, schreibt: "Wir leben, arbeiten und spielen in Topeka. Wir sind nicht der Feind des Volkes, wir sind das Volk." Die "Cape Cod Times", Hyannis, Massachussets, sagt: "Der wahre Feind jeder Demokratie ist Unwissenheit und der einzige Weg, Unwissenheit zu bekämpfen, ist, sich Wissen anzueignen." 

Am Ende entscheidet der Wähler

Andere Leitartikel beschwören die Amerikaner, nicht den Überbringer zu beschuldigen, der ihnen unangenehme Nachrichten unterbreitet. Wieder andere fordern ihre Leser auf, mit ihnen in den Dialog zu treten über Wahrheit und Objektivität. Und es gibt auch diejenigen, die sich gar nicht an der Aktion beteiligen, sondern ihre Kollegen genau dafür kritisieren. Weil der Widerstand gegen Trumps Aussagen ja nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist ("Wall Street Journal"). Oder als falsch, weil man mit Leitartikeln nicht die Menschen erreicht, die Trumps Kritik an den Medien übernehmen ("USA Today").

Die Aktion der Zeitungen war ein Aufruf. An die Amerikaner, Vielfalt gegen Einfalt (und schlimmeres) zu schützen. Und an Donald Trump, die Angriffe einzustellen und endlich wieder in einen Dialog zu kommen mit den Vertretern einer geschützten Institution.

Letzteres muss innerhalb von wenigen Stunden - nicht überraschenderweise - als gescheitert gelten. Die Frage bleibt nun, für welche Seite sich der Rest der Amerikaner entscheidet.

tis
Themen in diesem Artikel