HOME

Zahlen-Wirrwarr auf Twitter: Trump rechnet illegale Einwanderung vor - und rundet dabei seeehr großzügig auf

Was nicht passt, wird passend gemacht: US-Präsident Donald Trump kämpft unbeirrt für seine Grenzmauer und "rundet" bei der Anzahl illegaler Einwanderer in den USA auf - um satte 14 Millionen Menschen. Wie kommt er auf die Zahl?

Donald Trump hat keine leichte Woche gehabt. Nach dem wochenlangen "Shutdown" ist der US-Präsident eingeknickt, so sehen es zumindest viele US-Medien, und hat im Mauerstreit mit den Demokraten nachgegeben. Der längste Regierungsstillstand in der US-Geschichte ist damit vorerst beendet (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen). Seitdem versucht Trump krampfhaft, seine Basis zu beschwichtigen und auf das nächste Gefecht um den Grenzwall zu Mexiko einzuschwören. 

Im Eifer des Gefechts ist da offenbar etwas durcheinander gekommen. Auf Twitter versucht der US-Präsident mit detaillierten Zahlen zu dramatisieren: "Wir haben nicht einmal Februar und die Kosten illegaler Immigration in diesem Jahr liegt bei 18.595.495.168 US-Dollar", rechnet Trump vor. "Die Kosten lagen am Freitag bei 603.331.392 Dollar." Allein diese Kalkulation ist schon fragwürdig - dazu gleich mehr. Für große Verwirrung sorgt besonders die darauf folgende Rechnung: "Es gibt mindestes 25.772.342 illegale Einwanderer in unserem Land, nicht die 11.000.000, über die seit Jahren berichtet wird. So lächerlich!"

Trump beruft sich dabei offenbar auf das Department of Homeland Security (DHS). Nur: Das US-Ministerium für Innere Sicherheit gibt in ihrer aktuellen, öffentlich zugänglichen Hochrechnung ganz andere Zahlen aus. Der Bericht von Dezember 2018 berücksichtigt die Zahlen aus dem Januar 2015 - und damals hatten sich etwa zwölf Millionen Migranten ohne Papiere in den USA aufgehalten. Das Pew-Forschungszentrum geht sogar von nur 10,7 Millionen illegalen Einwanderern im Jahr 2016 aus. Also weniger als die Hälfte, die Trump vorrechnet.

Oder in anderen Worten: Der US-Präsident hat - ohne Quellen oder Erklärungen zu seinen Angaben zu nennen - 14 Millionen illegale Einwanderer dazugerechnet. 

"Ich weiß nicht, woher er die 25-Millionen-Zahl her hat, aber es gibt keine glaubwürdige Schätzung in der Nähe dieses hohen Werts", sagt Randy Capps, Forschungsleiter vom Migration Policy Institute zum US-Portal "Daily Beast". Aktuelle und glaubwürdige Studien zu dem Thema würden den Angaben widersprechen und nur einem "Bruchteil" von Trumps Rechnung entsprechen.

"Es ist frustrierend, dass Donald Trump irgendwelche Zahlen raushaut"

Bereits vergangenen Oktober hat Trump mit Zahlen jongliert, ohne dabei auf deren Herkunft einzugehen. "Wir haben 25 oder 30 Millionen illegale Einwanderer im Land", so seine Schätzung. Allein: Nach dieser Rechnung wäre fast jeder zehnte US-Bürger ein illegaler Einwanderer. Bisher ist nicht nachgewiesen, woher Trump seine Zahlen - damals wie heute - hat.

Womöglich handelt es sich um eine persönliche Schätzung. Dieser Verdacht liegt zumindest bei den vermeintlichen Kosten nahe, die illegale Einwanderer in diesem Jahr verursacht haben sollen. Zur Erinnerung: Laut Trump sind das exakt 18.595.495.168 Dollar seit Jahresbeginn und offenbar 603.331.392 Dollar am Tag. Zahlen, die scheinbar auf Angaben Trumps aus dem vergangenen Jahr basieren - demnach würden sich die Kosten auf 250 bis 275 Milliarden im Jahr belaufen. Trump scheint die Zahlen schlichtweg auf einen Tag runter- und für dieses Jahr wieder hochgerechnet zu haben. Erneut: ohne Angaben von Quellen oder Erklärungen dazu.

"Es ist frustrierend, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Zahlen raushaut, ohne irgendeine Form der Dokumentation darüber, worüber er eigentlich redet", kritisiert David Dyssegaard Kallick, Direktor für Einwanderungsforschung am Fiscal Policy Institute, gegenüber "Daily Beast". 

Die am ehesten richtige Kostenschätzung, so das US-Portal, liege bei etwa 135 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl stammt von der konservativen Non-Profit-Organisation "Federation for American Immigration Reform" und ist von 2017. Allerdings sei diese Zahl ebenfalls im Zweifel zu hoch, wie etwa Fakten-Checker von "az central" vorrechnen.

Quellen: "Daily Beast", Pew Research Center, WhiteHouse.gov, "az central"

Donald Trump nutzt diese fünf Strategien zu seinen Gunsten
fs