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Historisches Treffen in Singapur: So lief die erste Begegnung von Trump und Kim ab

Es hat lange gedauert, doch dann kam der Moment auf den alle gewartet hatten: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un trafen erstmals aufeinander. So lief ihr erster Kontakt ab.

Kim Jong Un stieß die Tür seiner Mercedes-Stretch-Limousine gleich selber auf, als der Wagen vor dem Capella-Hotel stoppte. Der junge Diktator trug eine Ledermappe unter dem Arm und hielt seine Brille in der Hand, hinter ihm gaben Männer seiner Entourage aufgeregt Handzeichen, man sah Leibwächter und ranghohe Militärs. Kims Gesicht war nicht verkrampft, aber auch nicht freundlich, als er kurz in die Kameras blickte und dann im Hotel verschwand.

Minuten später rollte Donald Trumps Konvoi an. Der US-Präsident wartete, bis die massive Tür seines schwer gepanzerten Cadillacs von einem Bodyguard geöffnet wurde, dann ging er, ohne den Kopf auch nur einmal zu den Journalisten zu drehen, ins Hotel. Seine Miene wirkte ernst, doch man konnte spüren, wie Trump die Aufmerksamkeit genoss, wie er sich zwingen musste, ruhig zu bleiben.

Als wäre es das normalste Regierungstreffen der Welt

Er werde "wahrscheinlich schon nach einer Minute" wissen, ob Kim Jong Un es mit seiner Absicht ernst meint und seine Atomsprengköpfe tatsächlich abrüsten will, hatte Trump zuvor gesagt. Er würde sich da ganz auf sein Gefühl verlassen. Also warteten nun alle darauf, welches Gefühl man Trumps Gesicht ablesen kann, wenn er Kim Jong Un leibhaftig gegenübersteht.

Der Augenblick kam Momente später. Auf einer kleinen Empore zwischen zwei weißen Säulengängen waren die Flaggen Nordkoreas und der USA nebeneinander drapiert, als wäre dieses Regierungstreffen das normalste der Welt. Davor lag roter Teppich. Um kurz nach neun Uhr früh Ortszeit näherte sich Kim durch den linken Säulengang, Trump kam mit sehr energischen Schritten von rechts. Dann schüttelten sie sich die Hände, wobei Trump mit der linken Hand in einer vertrauensvollen Geste Kims Ellenbogen berührte.

Beste Sendezeit, genau wie Trump es liebt

Trump überragte Kim um gut einen halben Kopf, sein Lächeln war breiter als Kims. Man merkte dem nordkoreanischen Diktator Unsicherheit an. Auch wenn er Medienaufmerksamkeit seit seiner Begegnung mit Südkoreas Präsident Moon Jae In gewohnt ist, dieser Gipfel dürfte in seiner weltweiten Beachtung einmalig sein. Prime-Time-Diplomatie sagen sie in Amerika. In New York wurde der Kim-Trump-Händerdruck um 21 Uhr ausgestrahlt. Beste Sendezeit, genau wie Trump es liebt.

Der US-Präsident wirkte so entspannt wie man ihn während des G7-Treffens am Wochenende keine Sekunde gesehen hatte. Dem ersten Händedruck folgte ein zweiter, bei dem auch Kim Jong Un etwas gelöster wirkte, dann gingen die beiden gefolgt von ihren Dolmetschern durch den Säulengang zu einem kleinen Meeting-Raum. Trump redete, Kim nickte. Der Diktator schien sich nicht ganz sicher in der Tür zu sein, woraufhin ihm Trump die Hand auf den Rücken legte und ihn sanft ins Zimmer schob. Dort nahmen die beiden in zwei Sesseln links und rechts eines dunklen runden Holztischchens Platz, darauf stand ein weißes Blumengesteck.

Inzwischen waren etwas über fünf Minuten vergangen. Bedenkt man Trumps Worte, müsste er inzwischen wissen, wie ernst es Kim Jong Un mit der Abrüstung ist.

Trump lächelte, Kim lächelte auch

Bis zu diesem Moment hatte man die beiden noch nicht reden hören. Trump ergriff als erster das Wort. "Ich fühle mich großartig", sagte er. "Es wird eine großartige Diskussion und ein außerordentlicher Erfolg. Ich denke, wir werden eine grandiose Beziehung haben." Kim Jong Un erwiderte mit seiner bewerkenswert tiefen Stimme: "Es war nicht einfach, soweit zu kommen. Es gab Hindernisse, aber wir haben sie überwunden."

Trump lächelte, Kim lächelte auch. Die Türen schlossen sich.

Für die nächsten 38 Minuten* wollten die beiden allein miteinander reden. Nur mit ihren Dolmetschern, ohne Berater, ohne Diplomaten. Es ist vom Ablauf des Treffens her so ungewöhlich wie es die Vorgeschichte dieses Gipfels war. Welche Worte genau zwischen den beiden in diesen 38 Minuten gefallen sind, wird die Welt womöglich nie erfahren. Doch sie werden entscheidend dafür sein, zu welchem Ergebnis dieser Gipfel führt. Ob er einen der gefährlichsten Konflikte dieser Welt entschärft, oder, ob er ihn nur noch gefährlicher macht.

*Anmerkung der Redaktion: Die US-Seite hat die Dauer des Gesprächs von Trump mit Kim berichtigt: Der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber waren (laut US-Angaben) 38 Minuten im Gespräch. Zunächst war von 48 Minuten die Rede.