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Kommentar

FBI-Leaks: Der größte Widerspruch des Donald Trump

Noch im Wahlkampf hat Donald Trump nur allzu gerne geleakte Informationen über seine Gegner genutzt. Seit er im Weißen Haus sitzt, hat er plötzlich eine andere Meinung zum Thema. Eine ganz andere.

Donald Trump

Was geleakte Informationen angeht, hält es US-Präsident Donald Trump mit Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer: "Was schert mich mein Geschwätz von gestern."

Einen "Flip-flop" - so nennen sie in den USA den beliebten Schachzug von Politikern, plötzlich eine ganz andere, wenn nicht gegenteilige Meinung zu einem Thema anzunehmen, nur um den eigenen Vorteil oder die Popularität zu maximieren. Ein Meister des "flip-flopping" ist zum Beispiel Cartoon-Bürgermeister Quimby aus der Serie "Die Simpsons". Aber seit Donald Trump das Amt des US-Präsidenten innehat, beweist er eindrucksvoll, dass die Realität jede Satire übertrifft.

Neuestes Beispiel: Seine Kampagne gegen das FBI, in der er über seinen Stabschef Reince Priebus Mitarbeiter des Geheimdienstes aufgefordert haben soll, Medienberichte über Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams zu dementieren. Ein ungewöhnlicher Vorgang, um es vorsichtig auszudrücken, denn eigentlich ist es dem Weißen Haus gar nicht erlaubt, das FBI in solchen Angelegenheiten zu kontaktieren. Auf einen entsprechenden CNN-Bericht reagierte er am Freitag in gewohnt scharfer Manier, als er folgende Tweets abfeuerte:

Das gesamte Gebaren ein einziger Widerspruch

Trump geht es hier wie immer, wie auch schon in der Rücktrittsposse um Michael Flynn, nur darum, dass die Informationen überhaupt geleakt wurden und dass dieser Vorgang die nationale Sicherheit gefährde. Dabei merkt er nicht einmal, dass er mit seinen Tweets einen entscheidenden Widerspruch belegt. Er will die Quellen bekämpfen, sagt aber, dass die Berichte über diese Quellen "Fake News" sind. Mit anderen Worten: Er bestätigt die Echtheit der Quellen, aber verunglimpft die Nachricht darüber.

Trump ist das egal. Oder, die wahrscheinlichere Variante: Er kalkuliert es ein, weil seine Anhänger sich nicht um solche Formalitäten scheren, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt sind, CNN und jegliche Mainstream-Medien für Lügner und Vaterlandsverräter zu halten - von Leuten, die geheime Informationen an ebendiese Medien weitertragen, ganz zu schweigen.

Der "Flip-Flop" des Donald Trump besteht darin, dass er noch im Wahlkampf jegliche Leaks - und wenn es auch noch so halbgare Gerüchte waren - gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton mit gefletschten Zähnen zum Thema gemacht hatte. Seit er im Weißen Haus sitzt, hat sich seine Meinung zum Thema gedreht: Leaks sind jetzt böse, und wer leakt, gehört grundsätzlich zur Rechenschaft gezogen. Sein gesamtes Gebaren ist ein einziger Widerspruch, mit dem er sich über die Demokratie geradezu lustig macht.

Donald Trump: Über das eigene Gebrüll taub geworden

Trump versucht die Debatte auf die Leaks an sich zu lenken - dass es ein Unding sei, dass es diese Leaks überhaupt gebe, und wie gefährlich sie seien - und schüttet damit immer wieder kübelweise Öl ins Feuer der Verschwörungstheoretiker. Dabei ist es erstmal völlig egal, welcher Natur die Leaks sind und woher sie kommen: Es muss zunächst ausschließlich darum gehen, ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Indem Trump sie pauschal verurteilt, macht er sich geradezu lustig über die Demokratie.

Aber dem US-Präsidenten ist es egal, wie sehr er sich widerspricht. Er ist über sein eigenes Gebrüll längst taub geworden für alle Zwischentöne. Umso hellhöriger müssen die Medien auf der Suche nach der Wahrheit bleiben.

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