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Unter falschem Siegel Wie aus einem "blöden Scherz" der perfekte Protest gegen Donald Trump wurde


Es sollte ein Heimspiel sein: Donald Trump zu Gast bei ultra-konservativen Studenten, der Zukunft "seines" Amerikas. Doch es wurde ungewollt zu einer Art Guerilla-Protest und zu einem Lehrstück in Sachen Internet-Suche: Augen auf beim Googeln!

Ein Anti-Trump-Aktivist hätte sich kaum eine bessere Guerilla-Aktion ausdenken können. Da tritt US-Präsident Donald Trump am vergangenen Dienstag vor junge Menschen, die er für die Zukunft seines Landes hält – Mitglieder der ultrakonservativen Studentenvereinigung "Turning Point USA". Jubel brandete auf im Washingtoner Marriott Marquis Hotel, Trump gab den Applaus an "seine" Jugend zurück.

Hinter ihm, wie es sich gehört bei öffentlichen Auftritten, das Siegel des US-Präsidenten. Riesig und unübersehbar an der Wand. "Seal of the President of the United States" war da sehr richtig zu lesen. Doch der Rest des Siegels war nur auf den ersten Blick authentisch. Tatsächlich war es eine regelrechte Verarsche, beißende Kritik, ja quasi perfekter Protest gegen diesen umstrittenen Regierungschef – und der Präsident selbst applaudierte auch noch dazu.

Wann einem der Veranstalter des Trump-Auftritts das Herz in die Hose gerutscht ist, als er bemerkte, was da an der Wand stand, ist nicht überliefert. Auch ob Trump überhaupt etwas bemerkt hätte, hätte er sich umgeschaut und auf das Siegel geblickt, ist unklar. Denn die Veränderungen waren subtil und durchaus kreativ.

Statt des Weißkopfadlers, dem Wappentier der USA, war dort ein doppelköpfiger Adler zu sehen – das Wappentier Russlands. In den Fängen Golfschläger statt Pfeile auf der linken Seite und grüne Dollar-Scheine statt eines grünen Olivenzweigs auf der rechten Seite. Über dem Kopf des Adlers statt des lateinischen Wahlspruchs "E pluribus unum" ("Aus vielen eines") ein spanischer Slogan: "45 es un títere" – zu deutsch: "45 ist eine Marionette". Damit gemeint: Donald Trump, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Der falsche Adler wird zudem durch einen falschen Schild geschützt: statt einem neutralen hellblauen Streifen prangen dort über den üblichen rot-weißen Streifen auf dunklem Blau kleine Hammer und Sichel, die kommunistischen Insignien.

Jedes Detail ein Seitenhieb auf Donald Trump

Die eindeutige Aussage dieses Siegels: Donald Trump ist eine Marionette Russlands. Dazu die Anspielungen auf seine Feindseligkeit gegenüber Spanisch sprechenden Einwanderern sowie seine Liebe zum Golf, der Trump an so manchem Wochenende frönt – selbst wenn die politische Lage die Anwesenheit des Präsidenten in der Hauptstadt nahelegen würde. Jedes Detail ein Seitenhieb, eine perfekte Bloßstellung. Und ein Falle, der Trump nicht entgehen konnte. Schon gar nicht in diesem Umfeld, das ihm doch eigentlich ungehemmt huldigte.

Entworfen hat das Siegel ein Grafik-Designer namens Charles Leazott. Dass ein "blöder Scherz, gemacht für Leute, die ich kenne", wie er der "Washington Post" verriet, einmal tatsächlich hinter Donald Trump prangen würde, hätte er sich niemals träumen lassen. Der Grafikdesigner sei immer Republikaner gewesen – bis Donald Trump gewählt wurde. Er haben einfach "ein paar Sachen" zusammengeworfen, berichtet der 46-Jährige dem US-Blatt, und ein Siegel entworfen, dass Trump auf keinen Fall gefallen würde. Frustabbau eines Grafikdesigners.

Augen auf beim Googeln!

Und wie ist das Frust-Siegel an die Wand des Marriott Marquis gekommen? Inzwischen ist klar: Leazott hat damit nichts zu tun, es war auch kein Maulwurf in den Reihen der Trump-freundlichen Studenten. Vielmehr gab ein Mitarbeiter des "Turning Point"-Organisationsstabes zwei Tage nach dem Mega-Fauxpas zu, dass er für die Einblendung des falschen Siegels während des Trump-Auftrittes verantwortlich war. Es sei ein Versehen gewesen, behauptet er. Von den vielen Bildern, die seine Internet-Suche ausgespuckt habe, sei das falsche Siegel das mit der besten Auflösung für den Projektor gewesen. Die subtilen Veränderungen des Motivs habe er gar nicht bemerkt. Ein peinlicher Fehler, der inzwischen zum Ausschluss des Mitarbeiters aus der Studentenvereinigung geführt hat.

Trump-Gegner feiern dagegen den Mann und vor allem den Urheber des veränderten Siegels. Unter dem Hashtag "#45isapuppet" macht die Sache in den sozialen Medien die Runde. So mancher Trump-Kritiker kommentierte das Bild des Fake-Siegels mit nur einem Wort: "Truth", also "Wahrheit".

Donald Trump schweigt (noch?), Studenten geknickt

Von Trump selbst ist bisher keine Äußerung zu der Sache bekannt. Er war, so hatte er auf Twitter wissen lassen, mit großer Vorfreude zu "einigen der tollsten und klügsten jungen Leute des Planeten" gereist. Und mit großer Freude und Dankbarkeit hatte er die minutenlange Video-Hommage der Studentenvereinigung zur Kenntnis genommen.

Ein "Turning Point"-Sprecher äußerte gegenüber dem US-Sender CNN sein Bedauern: "Wir entschuldigen uns für die Verwechslung. Wir wollten in keiner Weise respektlos gegenüber dem Weißen Haus [...] erscheinen." Nachsicht oder Milde ernteten die Trump-Fans aus dem Regierungssitz allerdings nicht. "Wir haben das besagte Siegel nicht gesehen bis es in dem Video erschien", ließ ein Sprecher des Weißen Hauses CNN wissen. "Für alles Weitere müssen Sie Turning Point fragen – das war deren Veranstaltung." Möglich, dass die konservativen Studenten künftig Probleme haben werden, Donald Trump für einen Vortrag zu gewinnen.

Quellen:"Washington Post", "The Hill", "CNN", "Splinter"Donald Trump (Twitter)


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