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Russlandaffäre: Trump will Ex-Berater Flynn womöglich vollständig begnadigen

Donald Trumps Ex-Berater Michael Flynn hatte gestanden, in der Russlandaffäre das FBI belogen zu haben - und sein Geständnis später widerrufen. Sollte er dennoch verurteilt werden, kann Flynn offenbar mit der Hilfe des Präsidenten rechnen.

Michael Flynn (l.) und Donald Trump

Michael Flynn (l.) war als Sicherheitsberater von Donald Trump tätig. Ihm droht in der Russlandaffäre eine Verurteilung

AFP

US-Präsident Donald Trump erwägt eine Begnadigung seines früheren Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn im Falle einer Verurteilung durch das Gericht. Er ziehe eine "vollständige Begnadigung" stark in Betracht, schrieb Trump am Sonntag (Ortszeit) auf Twitter. Zur Begründung verwies er auf Berichte, wonach die Bundespolizei FBI und das Justizministerium Dokumente "verloren" hätten. Unklar blieb in Trumps Tweet, auf welche Berichte und Dokumente der Präsident sich bezog.

Flynn hatte gestanden, das FBI bei dessen Ermittlungen in der sogenannten Russlandaffäre angelogen zu haben. Im Januar hatte er bei Gericht beantragt, sein Geständnis zurückzunehmen. Trump hatte die FBI-Ermittlungen zur Russlandaffäre als "Hexenjagd" bezeichnet.

Donald Trump sieht Michael Flynn unfair behandelt

In Flynns Verfahren sollte eigentlich Ende vergangenen Monats ein Urteil fallen. Wegen seines Antrags, das Geständnis zu widerrufen, wurde die Urteilsverkündung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Flynns Geständnis war Teil eines Deals mit der Staatsanwaltschaft. Mit der Aufkündigung riskiert Flynn einen offenen Ausgang des Verfahrens - von einem Freispruch bis zu einer langen Haftstrafe wäre dann alles möglich. 

Trump hat mehrfach bemängelt, Flynn sei vom FBI und vom Justizministerium unfair behandelt worden. Am Sonntag kritisierte Trump, die Bundespolizei und das Ministerium hätten Flynns Leben "und das Leben seiner wunderbaren Familie (und auch von vielen anderen)" zerstört. Nach nur 23 Tagen im Amt war Flynn im Februar 2017 als Sicherheitsberater Trumps zurückgetreten. Später räumte er im Zuge der Ermittlungen wegen möglicher russischer Einflussnahme auf die US-Präsidentenwahl 2016 ein, das FBI belogen zu haben.

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FBI-Sonderermittler Robert Mueller hatte in seiner vor rund einem Jahr abgeschlossenen Untersuchung keine Belege dafür gefunden, dass es vor der Wahl 2016 Geheimabsprachen zwischen dem Trump-Wahlkampfteam und Vertretern Russlands gegeben habe. Eine Behinderung der Ermittlungen der Justiz durch Trump schloss Mueller in seinem Bericht nicht aus. Der Präsident sah sich durch Muellers Bericht dennoch vollständig entlastet.

mad / DPA