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Familie von gefallenem Soldaten: Trump will sich nicht bei den Khans entschuldigen

Die Kritik an den Eltern des gefallenen muslimischen US-Soldaten Humayun Khan könnte zur größten Zerreißprobe für Donald Trumps Wahlkampf werden. Doch wie es für den umstrittenen Republikaner üblich ist, rudert er nicht zurück. Im Gegenteil.

Donald Trump

Mit seiner Kritik an der Mutter eines gefallen, muslimischen US-Soldaten wird Donald Trump von Seiten der Republikaner und der Demokraten heftig kritisiert

Von Reue keine Spur: Der umstrittene republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump navigiert gerade mit mäßigem Erfolg durch die vielleicht größte Krise seiner Präsidentschaftskampagne. Was war geschehen? Die Eltern des gefallenen muslimischen US-Soldaten Humayun Khan traten beim Parteitag der Demokraten in Philadelphia auf, sein Vater Khizir Khan hielt eine bewegende Rede - und kritisierte Trump aufs Schärfste.

Doch die Kritik unkommentiert stehen zu lassen, wäre nicht die Art des dünnhäutigen Republikaners. Als Konter beleidigte er die Mutter des gefallenen Soldaten, ein Unding in den USA. Sowohl von Seiten der Republikaner als auch der Demokraten hagelt es Kritik. Seitdem herrscht Krisenstimmung in der Trump-Kampagne. Doch das hindert den Immobilien-Milliardär nicht daran, jetzt sogar nochmal nachzulegen.

"Vielleicht hatte sie ja kein Recht, etwas zu sagen"

In einem Interview mit einem TV-Sender aus dem US-Bundesstaat Virginia gab Trump an, seine Bemerkung über Ghazala Khan, Mutter des amerikanischen Kriegshelden, nicht zu bereuen. Trump hatte sie kritisiert, weil sie bei ihrem Auftritt ihrem Mann das Wort überlassen hatte. In einem Interview sagte er damals: "Sie hatte nichts zu sagen. Vielleicht hatte sie ja kein Recht etwas zu sagen (…)" und spielte so, ganz seine Art, mit ethnischen Vorurteilen.

Im Nachhinein hatte Ghazala Khan angegeben, sie sei zu gerührt gewesen, um zu sprechen. Für Trump ein Fauxpas auf kolossaler Ebene. Sogenannte Gold-Star-Familien gelten in den USA quasi als unantastbar. Sie haben ein Familienmitglied verloren, das im US-Militär diente. Diese Familien genießen immensen Respekt, insbesondere bei der konservativen, republikanischen Wählerschaft. Trumps potenzieller Wählerschaft.

Donald Trump verscherzt es sich mit Parteigenossen

Das PR-Debakel ist also perfekt. Die republikanische Partei ist in Sachen Trump ohnehin so gespalten, wie bei kaum einem anderen Kandidaten der US-Geschichte. Nun hat der Milliardär möglicherweise entscheidende Sympathien verspielt. Bislang schien seiner Kampagne ja kein unangemessener, sexistischer oder rassistischer Kommentar seinerseits etwas anhaben zu können. Dies scheint nun anders.

Und weil das PR-Fiakso um Familie Khan offenbar noch nicht genug ist, hat Trump nun auch noch in einem Interview mit der US-Zeitung "Washington Post" hochrangigen Mitgliedern seiner Partei die Unterstützung verwehrt, die ihn während seiner Kampagne kritisiert hatten. Darunter befinden sich etwa namhafte republikanische Parteigrößen wie der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Senator John McCain und der Sprecher des US-Repräsentantenhauses Paul Ryan. In einem Statement wiegelte der Pressesprecher von Paul Ryan gegenüber der "Washington Post" jedoch sofort ab: "Weder Sprecher Ryan noch irgendjemand in seinem Team hat je um Donald Trumps Unterstützung gebeten (…)." 

Trumps Berater üben sich in Schadensbegrenzung

Sogar einer von Trumps treusten Verbündeten, der Gouverneur des US-Bundesstaates New Jersey Chis Christie, hat Trump in seinem Kommentar gegenüber den Khans kritisiert: "Es ist für uns einfach unangebracht sie (Familie Khan) in diesem Kontext zu kritisieren und ich werde mich daran nicht beteiligen." Auch Senator John McCain hatte Trump für seine Bemerkung gegenüber Ghazala Khan stark kritisiert: "Obwohl unsere Partei ihm (Donald Trump) die Nominierung auferlegt hat, geht dies nicht mit einer uneingeschränkten Erlaubnis einher, diejenigen zu diffamieren, die zu unseren Besten gehören."

Nun versuchen Donald Trumps Berater offenbar, den Wahlkampf wieder in geregelte Bahnen zu lenken, wie die "New York Times" schreibt. Demnach wird ihm geraten, sich vom Thema Khan abzuwenden und sich lieber auf die Themen Wirtschaft und die E-Mail-Affäre um Rivalin Hillary Clinton zu konzentrieren. Überhaupt fühle sich Trump in Sachen Familie Khan von den Medien und von einigen Parteigenossen ungerecht behandelt, wie er engen Vertrauten berichtet habe. Einige Republikaner in Washington hätten Trump sogar vorgeschlagen, er solle sich bei den Khans entschuldigen.

Doch wie die "New York Times" ebenfalls berichtet, soll die Trump-Kampagne wohl noch ein Hintertürchen für eine Konfrontation mit den Khans aufgelassen haben. In einem internen Dokument heiße es, man solle gegenüber Familie Khan zwar Dankbarkeit zeigen aber Donald Trump habe auch "das Recht sich zu verteidigen".