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Präsident vs. Kriegsheld: Donald Trump lehnt Würdigung für verstorbenen John McCain ab - das ist keine Überraschung

Zwei Republikaner, aber alles andere als vom gleichen Schlag: Dass US-Präsident Donald Trump den hoch angesehenen, jetzt verstorbenen Senator John McCain nicht würdigen will, kann kaum überraschen.

Als am vergangenen Samstag die Meldungen vom Tod John McCains um die Welt gingen, hätten die Ehrerbietungen für den langjährigen Senator von Arizona nicht größer sein können. Der Mann, der bei den Präsidentschaftswahlen 2008 gegen Barack Obama verlor, gilt in den USA als Held. Im Vietnam-Krieg wurde der Navy-Pilot abgeschossen, und man kann kaum erahnen, was er in fünf Jahren Folter-Gefangenschaft erdulden musste. Historisch ist das Foto von 1973, als der damalige US-Präsident Richard Nixon den auf Krücken gestützten und in der Gefangenschaft weißhaarig gewordenen McCain zurück in der Heimat begrüßte. Dieser ging danach in die Politik, entwickelte sich zum Fachmann in der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. McCain erwarb sich über die Parteigrenzen hinweg große Achtung - nur nicht bei Donald Trump. 

Der US-Präsident reagierte auf den Tod des höchst angesehenen Senators lediglich mit ein paar kargen Twitter-Worten. "Meine tiefste Sympathie und mein Respekt für die Familie von Senator John McCain. Unsere Herzen und Gebete sind mit Ihnen", schrieb Trump. Dabei hatten unter anderem Trumps Sprecherin Sarah Sanders und sein Stabschef John Kelly für eine offizielle Würdigung plädiert und McCain einen "Helden" genannt. Sanders habe am Wochenende sogar eine Endfassung einer Mitteilung für Trump fertig gestellt - die dann aber nicht veröffentlicht worden sei, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf ehemalige und aktuelle Berater im Weißen Haus. Trump lehnte es offenbar geradezu ab, die Verdienste des 81-Jährigen in irgendeiner Weise besonders zu würdigen.

John McCain und Donald Trump

US-Präsident Donald Trump nimmt Abschied von John McCain - mit zwei knappen Zeilen

AFP

Donald Trump vs. McCain - Polterer vs. Persönlichkeit

Mark Corallo, ehemaliger Sprecher von Trumps Anwaltsteam, sagte laut der Zeitung über Trumps Reaktion: "Es ist grässlich." Zu einem solchen Zeitpunkt würde man von einem US-Präsidenten mehr erwarten, wenn er über den Tod eines wahren amerikanischen Helden spreche. Doch Trump zeigte einmal mehr, dass er nicht aus seiner Haut kann und uneingeschränkte Bewunderung einfordert. McCain aber zählte zu den größten Kritikern des Präsidenten in den eigenen Reihen. Außer der Zugehörigkeit zu den Republikanern einte die beiden Männer praktisch nichts. Während Trump beispielsweise jetzt noch alles runtermacht, was sein Vorgänger Barack Obama in zwei Amtszeiten erreicht hat, verteidigte McCain Obama sogar gegen unsachliche Anfeindungen während er 2008 selbst gegen den späteren Präsidenten um den Einzug ins Weiße Haus kämpfte.

Die Fehde des Polterers Trump gegen die lebenserfahrene Persönlichkeit McCain fand schon Mitte 2015 einen Höhepunkt, als der heute amtierende Präsident den Kriegshelden öffentlich anging. "Er ist kein Kriegsheld", sagte Trump damals bei einem öffentlichen Auftritt. "Er war ein Kriegsheld, weil er in Gefangenschaft geriet. Ich mag Leute, die sich nicht gefangen nehmen lassen." Eine Verhöhnung. McCain revanchierte sich im Mai dieses Jahres. Schon vom Krebs gezeichnet, lud der Senator Trump von seiner Beerdigung aus. Als Vertreter des Weißen Hauses wünschte er sich stattdessen Vize-Präsident Mike Pence.

Man darf davon ausgehen, dass das Weiße Haus den Wunsch des Verstorbenen akzeptieren wird. Hoffentlich aus Respekt, vermutlich aber vor allem, weil Trump ohnehin wenig Interesse daran haben dürfte, McCain die letzte Ehre zu erweisen.

dho mit / DPA