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Präsidenten-Großveranstaltung Donald Trumps Heimspiel bei den Bedauernswerten

Donald Trump in Harrisburg
Donald Trump in Harrisburg: alte Lästereien vor 4000 Fans
© Alex Wong/Getty Images/AFP
Demonstrativ mied Donald Trump das traditionelle Journalisten-Dinner in Washington. Stattdessen zeigte er sich seinen Fans in Harrisburg. Dort bewies er erneut: Man bekommt Trump aus dem Wahlkampf heraus, aber nicht den Wahlkampf aus Trump.

Das traditionelle White House Correspondent-Dinner von vor sechs Jahren dürfte Donald Trump noch in guter Erinnerung haben. Beziehungsweise in schlechter. Vor versammelter Journalistenschar machte Barack Obama damals minutenlang seine Scherze auf Kosten Trumps, etwas überheblich, wie es manchmal seine Art war. Wie heftig diese Bloßstellung an dem Immobilienmilliardär nagte, konnte man ihm förmlich am Gesicht ablesen und viele Experten glauben, dass es genau dieser Abend war, der Trumps tiefsitzende Abneigung gegen seinen Amtsvorgänger begründete. Jedenfalls hat der Neue im Weißen Haus einen Grund, die Veranstaltung dieses Jahr zu meiden, was er auch tat - als erster US-Präsident seit fast 40 Jahren.

Donald Trump zu Hause bei den "Bedauernswerten"

Stattdessen verließ das Staatsoberhaupt die Hauptstadt Washington und suchte die kuschelige Nähe seiner Liebsten in Harrisburg, Pennsylvania. Diesen Bundesstaat hatte Trump bei der Wahl etwas überraschend gewonnen, hier leben viele der "Deplorables", wie Hillary Clinton die Trump-Jünger einst abschätzig nannte. Die "Erbärmlichen" oder "Bedauernswerten", Arbeiter und Angestellte, an denen Obamas Wirtschaftsaufschwung vorbeigegangen ist. Dieser Auftritt war ein Heimspiel für den Präsidenten. Aus dieser sicheren Entfernung heraus schoss Trump also gegen seine Lieblingsfeinde, die gerade festlich gekleidet trotzig verkündeten: "Wir sind keine Fake News, wir sind keine gescheiterten Medienunternehmen und wir sind nicht die Feinde des Volkes. Ein Angriff auf einen von uns ist ein Angriff auf uns alle." (Reuters-Journalist Jeff Mason)

Präsidenten-Großveranstaltung: Donald Trumps Heimspiel bei den Bedauernswerten

Trump dagegen: "Medienunternehmen wie CNN und MSNBC sind Fake News." Sie verzerrten seine Bilanz, berichteten nur schlecht über ihn und wenn er ihre Arbeit bewerten müsste, würde er ihnen miese Noten geben, rief er in die johlende Menge. "In einem Hotel-Ballsaal in unserer Hauptstadt hat sich gerade eine große Gruppe von Hollywood-Schauspielern und Washingtoner Medien versammelt, um sich zu trösten", sagte Trump. Er sei froh, dass er nicht dort sei. Dann lästerte er noch über seine Ex-Kontrahentin Hillary Clinton, als wäre das Rennen ums Weiße Haus nicht schon seit vielen Monaten entschieden. Er kündigte unverdrossen den Bau der Mauer zu Mexiko an, als habe ihm der Kongress nicht erst vor wenigen Tagen die Mittel dazu verweigert, und er feierte seine ersten 100 Präsidententage als beispiellosen Erfolg, ganz so, als ob er seine selbstverordnete Agenda schon abgehakt hätte. Was nicht so ist.

Fast alle würden Trump wiederwählen

Seinen Fans scheint das völlig egal zu sein. Auch wenn die Zustimmung zu Trumps Amtszeit in der Gesamtbevölkerung historisch schlecht ist, würden deutlich mehr als 90 Prozent seiner Anhänger ihn wiederwählen. Mehr noch: Laut einer Umfrage der "Washington Post" würde er bei einem erneuten Duell gegen Hillary Clinton sogar die Mehrheit aller Amerikaner bekommen, was ihm bei der Wahl im November nicht gelungen war. Trotz all der Wall-Street-Millionäre, die er in sein Kabinett geholt hat, trotz den Familienmitgliedern, die ihn offiziell beraten: der Washingtoner Sumpf, das sind die anderen. Donald Trump, der Milliardär, ist einer von ihnen, ein Außenseiter Das ist seine Botschaft, das wollen die Menschen hören. Seine Menschen.

Der CNN-Experte und frühere Präsidentenberater David Gergen war angesichts des Auftritts "zutiefst beunruhigt". Das sei die polarisierenste Rede gewesen, die er je von einem amtierenden Präsidenten gehört habe. "Natürlich waren seine Worte an die eigene Basis gerichtet, aber für diejenigen, die ihm nicht gewogen sind, müssen sie geklungen haben wie 'Es ist mir egal, was ihr denkt, denn offen gesagt, seid ihr der Feind'", so Gergen. Offensichtlich bekommt man Donald Trump aus dem Wahlkampf heraus, aber nicht den Wahlkampf aus Donald Trump.

Hunderttausende beim "Klima-Marsch"

Während der US-Präsident nicht müde wurde, weiterhin Leute zu begeistern, deren Herzen er ohnehin schon erobert hat, rund 4000 waren in Harrisburg gekommen, versammelten sich in Washington Gegner der Umweltpolitik Trumps zum "Marsch für das Klima", darunter auch Hollywoodstar Leonardo DiCaprio. Es waren, je nach Zählung, mehrere Hunderttausend.


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