HOME

"60-Minutes"-Interview: Betsy DeVos - Trumps ungeliebte Bildungsministerin blamiert sich in TV-Show

Niemand mag sie so richtig, und sie gibt selten Interviews. In dem Format "60 Minutes" hat US-Bildungsministerin Betsy DeVos nun Antworten gegeben, die ihren miesen Ruf nicht verbessert haben dürften.

Betsy deVos

Betsy deVos bleibt wohl auch nach ihrem TV-Interview eine eher ungeliebte Ministerin

AFP

Von all den Reichen im Kabinett von Donald Trump ist sie die Reichste, mit mehr als fünf Milliarden US-Dollar Vermögen sogar reicher als der Präsident selbst. Und von allen Mitgliedern der US-Regierung ist sie vermutlich die Unbeliebteste, unerwünscht schon vor ihrer Berufung: Als der Senat sie Anfang vergangenen Jahres als Bildungsministerin bestätigen musste, stimmten zwei Mitglieder ihrer eigenen Partei gegen sie. Das sich daraus ergebene Patt konnte nur der Vizepräsident mit seiner Stimme auflösen - es war das erste Mal in der Geschichte der USA. "Eine Wurzelbehandlung hätte wohl mehr Spaß gemacht", sagte die Vielgescholtene nun in einem Interview. Es war ein Gespräch, bei dem sie nebenbei einmal mehr bewies, warum sie nur Kritik auf sich zieht.

Betsy DeVos Antworten helfen ihr nicht

Die 60-jährige DeVos, Erbin eines erfolgreichen Unternehmers, Gattin eines noch erfolgreicheren Unternehmers und Schwester von Erik Prince, dem Gründer der Söldnerfirma Blackwater, stand der Moderatorin Lesley Stahl in der legendären Newssendung "60 Minutes" Rede und Antwort. Ihrem Ansehen hat der Auftritt nicht gerade geholfen. "Bildungsministerin Betsy DeVos stolpert durch pointiertes '60 Minutes'-Interview" titelte etwa die "Washington Post". Und wer die Reaktionen auf Twitter las, konnte schon fast Mitleid mit der Frau bekommen.

Wenngleich schnell deutlich wurde, dass auch Interviewerin Stahl keine ausgewiesene Anhängerin von DeVos ist, offenbarte die Ministerin neben ein paar Wissenslücken auch ein sehr bizarres Weltbild. So verteidigte sie weiterhin ihre Ansicht, dass bewaffnete Lehrer eine "Option" sein sollten. Auch wenn sie einräumen musste, sich ihre Lehrerin aus der ersten Klasse niemals mit einer Waffe vorstellen zu können. Dann stellte sie die These auf, die USA hätten "Milliarden und Milliarden und Milliarden ausgegeben, aber null Ergebnisse erzielt", so DeVos. Auf die Entgegnung der Interviewerin, dass die Behauptung so nicht stimme, da es nachweislich Fortschritte an vielen Schulen gebe, konnte die Bildungsministerin nichts entgegnen.

Für DeVos ist das Schulsystem eine "Sackgasse"

Man muss dazu wissen: engagiert sich schon seit sehr vielen Jahren für einen Umbruch des amerikanischen Schulsystems. Das öffentliche Schulsystem betrachtet sie als "Sackgasse", sie möchte private Schulen fördern und so eine Art Bildungswettbewerb anheizen. Ihre Kritiker befürchten jedoch ein Ausdörren staatlicher Schulen zugunsten von privat geführten Anstalten, die sich aber nur Menschen mit Geld leisten können. In diesem Zusammenhang wurde die 60-Jährige gefragt, warum sie ausgerechnet den Schulen die Finanzierung streichen wolle, die schlecht funktionierten. Zudem sie deren Nöte überhaupt nicht kennen würde. "Sie könnten ja mal eine besuchen", schlug Lesley Stahl vor, woraufhin die Bildungsministerien kleinlaut sagte: "Ja, vielleicht sollte ich das."

DeVos ist bereits ein Jahr im Amt und besticht weiter durch ein auffallend hohes Maß an Nicht-Wissen. So konnte sie nicht einmal sagen, wie sich die Lage öffentlicher Schulen in ihrem Heimatstaat Michigan entwickelt habe. Und auch nicht die Frage beantworten, ob die Zahl von gemeldeten sexuellen Übergriffen nun höher oder niedriger sei als die Zahl der tatsächlichen Vorfälle. Eine Auskunft dazu wäre interessant gewesen. Denn sie war es, die eine Verordnung aus der Obama-Zeit zu Gunsten von Beschuldigten geändert hat. Weil nach ihrer Ansicht zu viele Männer fälschlich der sexuellen Gewalt beschuldigt würden, wurde es für diejenigen, die Beschuldigungen erheben, schwieriger gemacht, diese Anschuldigungen auch zu beweisen.

Die falschverstandendste Ministerin

Möglicherweise sind es solche Amtshandlungen, die Betsy DeVos immer noch zu einer der meistgehassten Regierungsmitglieder machen. Sie selbst kann sich ihr Image nicht erklären. "Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte. Möglicherweise gibt es sehr einflussreiche Kräfte, die gegen Wandel sind", so DeVos. Ob das schmerze, beantwortete sie mit einem Superlativ, der wohl nur in Zeiten eines US-Präsidenten so fallen kann: "Man versteht mich wohl mehr falsch als alles andere."