Einsatz in Kundus Gouverneur kritisiert Bundeswehr als "wirkungslos"


Vernichtendes Urteil über die Bundeswehr-Mission in Kundus: Die deutschen Soldaten hätten im Unterschied zu den US-Einheiten nichts zu einer Verbesserung der Sicherheitslage beigetragen, kritisierte Gouverneur Mohammad Omar. Auch der Wiederaufbau sei mangelhaft.

Der Gouverneur der nordafghanischen Unruheprovinz Kundus hat den dortigen Einsatz der Bundeswehr als "wirkungslos" kritisiert. Angesichts der schlechten Sicherheitslage in der Region forderte Mohammad Omar mehr amerikanisches Engagement. "Wir haben einen Feind und wissen, dass er uns töten will", sagte er mit Blick auf die Taliban. "Unsere (deutschen) Freunde beobachten das und retten uns nicht. Nun müssen wir unsere anderen (amerikanischen) Freunde bitten, uns zu retten."

Der Sprecher der Bundeswehr in der Provinz, Jürgen Mertins, wies die Kritik zurück: "In den vergangenen Monaten haben wir eine ganze Reihe von Operationen im Raum Kundus durchgeführt zusammen mit der afghanischen Seite. Wir meinen, dass sich die Sicherheitslage im Raum Kundus dadurch deutlich verbessert hat", sagte Mertins. Die Bundeswehr arbeite sehr gut mit den afghanischen Sicherheitskräften zusammen. "Es ist durchaus verständlich, dass der Gouverneur die angekündigte Truppenverstärkung vonseiten der USA in der ihm eigenen Art willkommen heißt."

"Parlament will nicht, dass Soldaten getötet werden"

Gouverneur Omar erklärte, er und der Provinzrat hätten vorgeschlagen, dass von den 30.000 zusätzlichen US-Soldaten in Afghanistan 3000 alleine in Kundus stationiert würden. "Wenn man den Terrorismus beseitigen will, sind ernsthafte Handlungen gefragt." Die deutschen Soldaten wollten möglicherweise gegen die Taliban vorgehen, der Bundestag lege ihnen aber Steine in den Weg. "Das Parlament will nicht, dass Soldaten dabei getötet werden, wenn sie Aufständische bekämpfen", meinte Omar. Die Verbesserung der Sicherheitslage in der Provinz sei allein durch US-Sondereinheiten und afghanische Kräfte erzielt worden. Die Bundeswehr sei dagegen "wirkungslos" gewesen. Um die Sicherheit in Kundus sollten sich künftig daher "effektivere Länder" kümmern.

Von den angekündigten zusätzlichen US-Soldaten soll die überwiegende Mehrheit in den unruhigen Süden und Osten, ein kleinerer Teil aber auch in den deutschen Verantwortungsbereich im Norden Afghanistans geschickt werden. Eine genaue Zahl für den Norden steht noch nicht fest. Omar sagte, ihm fehlten in der Provinz Kundus 1500 afghanische Polizisten, was er den Deutschen bereits vor einem Jahr mitgeteilt habe, ohne dass sich die Lage geändert habe. Deswegen sei auch der umstrittene Einsatz von Stammesmilizen gegen die Taliban in der Region gerechtfertigt. "Wir haben keine andere Option."

Luftangriff auf Tanklaster war "richtig"

Der Gouverneur kritisierte zugleich mangelnden Wiederaufbau in Kundus. Die Deutschen sollten ihre Anstrengungen auf die von ihnen verantwortete Provinz konzentrieren, statt Hilfsgelder über die Zentralregierung in Kabul auf das ganze Land zu verteilen, forderte er.

Den von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklastwagen im September verteidigte Omar. Die Bombardierung sei aus seiner Sicht als Gouverneur "richtig" gewesen. Bei den dabei getöteten Zivilisten habe es sich um Angehörige von Aufständischen gehandelt. Der Luftangriff hatte nach stern-Recherchen 92 Todesopfer gefordert.

DPA DPA

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