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Entführungen in Kenia: Armee jagt radikale Islamisten in Somalia

Um vier Europäerinnen, die vermutlich nach Somalia verschleppt wurden, zu befreien, setzt die kenianische Regierung auf die Schlagkraft ihres Militärs. In der somalischen Hauptstadt Mogadischu explodierte unterdessen eine tödliche Autobombe.

Nach der Verschleppung von vier Europäerinnen nach Somalia sind kenianische Truppen auf der Suche nach den Entführern weiter gegen die radikalislamische al-Schabaab-Miliz im Nachbarland vorgerückt. Unterstützt von Milizen der Übergangsregierung in Mogadischu bewege sich das Militär am Dienstag auf die etwa 100 Kilometer von der Grenze entfernte Stadt Afmadow zu, berichtete die kenianische Zeitung "The Standard".

Berichten zufolge flüchteten viele Bewohner aus Afmadow, weil sie dort gewaltsame Zusammenstöße befürchten. Auch im Touristenland Kenia steigt die Angst vor Anschlägen.

"Wir befinden uns nicht im Krieg mit Somalia", sagte ein kenianischer Regierungssprecher. "Wir wollen nur sichergehen, dass diese Verbrecher nicht in die Nähe unserer Grenze kommen, und wir wollen versuchen, die gekidnappten Europäerinnen zu retten." In der vergangenen Woche waren zwei spanische Mitarbeiterinnen der Organisation Ärzte ohne Grenzen in der Nähe des kenianischen Flüchtlingscamps Dadaab entführt worden. Zuvor sollen die Rebellen bereits eine Britin und eine Französin von der kenianischen Insel Lamu nach Somalia verschleppt haben.

Tödliche Reaktion der al-Schabaab-Milizen

In der somalischen Hauptstadt Mogadischu explodierte unterdessen eine tödliche Autobombe in der Nähe des Außenministeriums, wo die kenianischen Minister für Verteidigung und Auswärtige Angelegenheiten, Yusuf Haji und Moses Wetangula, mit Vertretern der vom Westen unterstützten Übergangsregierung zusammentrafen. Zwei Menschen starben. Die Verteidigungsminister beider Länder unterzeichneten ein Abkommen über Zusammenarbeit im militärischen und sicherheitspolitischen Bereich. Dazu gehören dem Abkommen zufolge auch "koordinierte Präventivschläge", wobei kenianische Operationen auf die südsomalische Region Lower Juba begrenzt werden.

Die al-Schabaab-Miliz, die Verbindungen zum Terrornetzwerk al Kaida besitzt, kündigte an, kenianische Interessen "im Herzen" treffen zu wollen, wenn "die Aggression auf somalischem Boden" nicht beendet werde. Shebab-Führer Scheich Hassan Dahir Aweys sagte am Dienstag, seine Miliz werde "Kenia an allen möglichen Fronten angreifen". In Kenias Hauptstadt Nairobi wurden aus Angst vor Selbstmordattentaten die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Die Bewohner wurden aufgefordert, jede verdächtige Aktivität umgehend zu melden.

Dürreopfer leiden unter Bürgerkrieg

Die al-Schabaab kämpft seit 2007 gegen die somalische Übergangsregierung. Sie hat weite Teile des Südens und des Zentrums des Landes unter ihrer Kontrolle und blockiert Hilfslieferungen an die von der verheerenden Dürre in dem Bürgerkriegsland betroffenen Menschen. Zuletzt tötete die Gruppe bei einem Bombenanschlag in Mogadischus Regierungsviertel Anfang Oktober Dutzende Menschen. Kenia fürchtet als beliebtes Touristenziel und um seinen Ruf als Urlaubsland.

jwi/ono/DPA / DPA