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Entscheidungsschlacht: USA nehmen Flughafen von Bagdad ein

Nach harten Kämpfen haben alliierte Truppen am Freitag den strategisch wichtigen Flughafen von Bagdad erobert. Bei einer Selbstmordattacke wurden nach Angaben des US-Kommandos drei Soldaten getötet.

Nach stundenlangen harten Kämpfen haben alliierte Truppen am Freitag den strategisch wichtigen Flughafen von Bagdad erobert. "Wir haben jetzt ihr Kronjuwel", sagte der britische Militärsprecher Al Lockwood nach mehr als 17-stündigen Gefechten um den Saddam International Airport. "Der Flughafen hat jetzt einen neuen Namen: Internationaler Flughafen von Bagdad, und er wird ein Tor zur Zukunft des Irak sein", sagte General Vincent Brooks vom US-Zentralkommando in Katar.

Flughafen Schlüssel-Ziel

Die Kämpfe um den rund 20 Kilometer vom Zentrum Bagdads gelegenen Flughafen hatten Donnerstagabend begonnen. Laut US-Nachrichtensender CNN wurden noch am Freitag amerikanischen Truppen auf dem Airportgelände kontinuierlich von irakischen Milizen beschossen. Die Eroberung des Flughafens sei in ihrer Bedeutung kaum zu unterschätzen, sagte Lockwood. "Es war eines unserer Schlüssel- Ziele."

Sahhaf kündigte den Truppen eine "nicht konventionelle" Nacht an

Die US-Truppen auf dem internationalen Flughafen von Bagdad sind dagegen nach Darstellung des irakischen Informationsministers Mohammed Sajjid Sahhaf vollständig umstellt und isoliert worden. Sahhaf forderte deshalb die US-Einheiten am Freitag in Bagdad auf, sich zu ergeben. Sie hätten keine Chance, lebend herauszukommen. Iraks Informationsminister Mohammed Said el Sahaf drohte den US-Truppen auf dem internationalen Flughafen von Bagdad für Freitagabend mit "nicht-konventionellen" Aktionen, schloss jedoch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen aus. "Wir werden eine nicht-konventionelle Aktion ausführen, die nicht notwendigerweise militärisch ist", sagte Sahaf auf einer Pressekonferenz in Bagdad. Er antwortete später auf Reporter-Nachfragen, ob er Massenvernichtungswaffen meine: "Nein, nein überhaupt nicht." Der Irak werde "eine Art Märtyrer-Operation" anwenden - eine Umschreibung für Selbstmordanschläge.

Neue Selbstmordattacke

Bei einer neuen Selbstmordattacke an einem alliierten Militärkontrollpunkt rund 80 Kilometer nordwestlich von Bagdad wurden nach Angaben des US-Kommandos drei Soldaten getötet. Der Fahrer eines mit Sprengstoff beladenen Autos sowie eine ihn begleitende Frau seien ebenfalls getötet worden. Vor einer Woche hatte sich ein ähnlicher Zwischenfall nahe dem zentralirakischen Nadschaf ereignet. Dabei waren vier US-Soldaten getötet worden.

Übergangsverwaltung schon nächste Woche möglich Die USA wollen nach Medienberichten den Sieg im Irak selbst dann erklären, wenn Bagdad noch nicht voll unter US-Kontrolle ist. Eine Übergangsverwaltung könne schon in der nächsten Woche ernannt werden, berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf das Pentagon. "Das Ziel ist nicht unbedingt, Gebäude einzunehmen und Gegenden zu besetzen", zitierte die "Washington Post" einen Pentagonbeamten. Das Militär wolle Bagdad isolieren und das Regime für "irrelevant" erklären, selbst wenn Saddam noch lebe, berichtete CNN.

Wird Bagdad erobert?

Generalstabschef Richard Myers hatte durchblicken lassen, dass ein Vormarsch in die Straßen von Bagdad nicht unbedingt vorgesehen ist. "Die taktische Situation könnte ganz anders sein, als wir erwarten", sagte Myers. "Wenn Bagdad isoliert ist, ... kann es das Land nicht mehr kontrollieren. Dann ist es fast irrelevant, was in Bagdad passiert."

Immer mehr Überlaufer

Nach Angaben von US-Militärsprecher Oberst Steve Pennington legten in den vergangenen beiden Tagen immer mehr Kämpfer der regimetreuen Republikanischen Garde die Waffen nieder. Sie hätten einfach die Waffen weggeworfen, ihre Uniformen ausgezogen und sich davongemacht. Zuletzt kapitulierten nach US-Angaben am Freitag rund 2500 Mitglieder von Saddam Husseins Elitetruppe. Die irakische Führung will nach eigenen Angaben nicht aufgeben. Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf verlas am Freitag eine Botschaft im Namen von Saddam. Darin werden die Iraker aufgefordert, weiter zu kämpfen. "Mit Gottes Hilfe werden wir ihre Bäuche in der Hölle braten", heißt es in dem im irakischen Fernsehen verlesenen Text.

Wo ist Saddam Hussein?

Unklarheit herrschte weiter über den Verbleib des irakischen Machthabers. Der arabische Fernsehsender Al Arabija zeigte in der Nacht zum Freitag Bilder von Saddam und seinen Ministern bei einer Sitzung. Wann die Aufnahmen entstanden, war jedoch unklar. Der irakische Außenminister Nadschi Sabri sagte der BBC, das Ministertreffen habe am Donnerstag stattgefunden. Saddam sei weder tot noch schwer verletzt. "Es geht ihm gut." CNN berichtete, Experten des Pentagon hielten alle seit Kriegsbeginn gezeigten Auftritte Saddams im Fernsehen für vorher aufgenommen.

Leben ohne Strom

In der Fünf-Millionen-Metropole Bagdad mussten viele Menschen auch am Freitag ohne Strom auskommen. Das Elektrizitätsnetz in der Fünf- Millionen-Stadt war am Donnerstagabend nach neuen Angriffen zusammengebrochen. Die genaue Ursache blieb unklar. In der Stadt liefen am Freitag vielerorts Stromgeneratoren. Die Wasserversorgung wurde dagegen nach über 16-stündiger Unterbrechung in verschiedenen Vierteln der Stadt wieder aufgenommen, wie dpa-Korrespondenten aus Bagdad berichteten. Alliierte Kräfte näherten sich von zwei Seiten Bagdad, sagte US- Präsident George W. Bush am späten Donnerstagabend bei einer Ansprache auf dem Militärstützpunkt Camp Lejeune (North Carolina). "Ein Schraubstock schließt sich, und die Tage eines brutalen Regimes nähern sich dem Ende."