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Nach Giftattentat Er soll Informationen über FSB-Agenten an Nawalny verraten haben – Polizisten drohen zehn Jahre Haft

Alexej Nawalny beschuldigt Wladimir Putin, den Befehl zum Giftanschlag auf ihn persönlich gegeben zu haben 
Alexej Nawalny beschuldigt Wladimir Putin, den Befehl zum Giftanschlag auf ihn persönlich gegeben zu haben 
© Yuri Kadobnov / AFP
Jahrelang verfolgte ein FSB-Team den Kremlkritiker Alexej Nawalny quer durch Russland. Mit Hilfe der Reisedaten der Geheimdienstler konnten ihre Routen minutiös rekonstruiert werden. Ein Polizist aus Samara soll dabei geholfen haben.

Das russische Ermittlungskomitee hat ein Strafverfahren wegen Amtsmissbrauchs gegen einen Polizisten aus dem südrussischen Samara eingeleitet, der verdächtigt wird, Alexej Nawalny Daten für die Untersuchung des Giftanschlags auf ihn übermittelt zu haben. Dies berichtet das russische Nachrichtenmagazin RBK unter Berufung auf eine mit den Ermittlungen vertraute Quelle. Die Einleitung des Strafverfahrens ist dem Bericht zufolge von einem Informanten im Innenministerium der Region Samara bestätigt worden. 

Dem Oberleutnant Kirill C. wird demnach vorgeworfen, seine Position dazu missbraucht zu haben, die Reisedaten von FSB-Mitarbeitern abzurufen, die an dem Giftattentat auf Nawalny beteiligt gewesen sein sollen. Er wird beschuldigt, einer nicht autorisierten Person Informationen aus der Datenbank des russischen Innenministeriums zur Verfügung gestellt zu haben. Darin werden Informationen über politische und öffentliche Aktivisten gesammelt. 

Der Pressedienst des regionalen Bezirksgerichts bestätigte, dass Kirill C. aufgrund des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs festgenommen und bereits am 29. Dezember unter Hausarrest gestellt wurde. Ihm drohen nun bis zu zehn Jahren Haft.

Reise- und Telefondaten verraten FSB-Leute 

In Zusammenarbeit mit dem russischen Investigativmagazin "Insider", dem Recherchenetzwerk "Bellingcat", CNN und anderen Medien hatte Nawalny am 14. Dezember die Namen von einer ganzen Reihe an FSB-Mitarbeitern veröffentlicht, die ihn offenbar Jahre lang überwacht haben. Anhand von Reisedaten zeichnete das Rechercheteam nach, wie die Geheimdienstler den Oppositionspolitiker durch das gesamte Land verfolgten. Mit Hilfe von Telefondaten und Geolokalisierung der Telefone konnten die Routen der FSB-Mitarbeiter minutiös nachgezeichnet werden. Die Informationen sollen auf dem Schwarzmarkt gekauft worden sein, der in Russland immense Ausmaße hat und sehr leicht zugänglich ist. Hier besorgt sich schon der ein oder andere eifersüchtige Ehemann die Bewegungstasten seiner Ehefrau. 

Nawalny beschuldigt seine Verfolger Teil eines "Killerkommandos" des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB unter Putins Befehl zu sein. Auf den 44-Jährigen wurde im August 2020 ein Attentat mit dem als Chemiewaffe verbotenen Nervengift Nowitschok verübt, er überlebte und wurde anschließend in Deutschland behandelt. Mehrere Labore, darunter eins der Bundeswehr, hatten im Blut Nawalnys den Kampfstoff nachgewiesen.

Putin gesteht Überwachung ein 

Dessen ungeachtet behauptet der Kreml weiter, es habe gar keine Vergiftung gegeben. Den Umstand, dass Nawalny jahrelang verfolgt wurde, bestätigte Putin aber indirekt. Es sei schließlich normal, dass die russischen Geheimdienste jemandem im Auge behalten, der in Verbindung mit der CIA stehe, sagte er bei einer Pressekonferenz.

Mit der Einleitung des Verfahrens gegen den Polizisten aus Samara liefern die russischen Behörden nun ungewollt eine neue Bestätigung, dass die Informationen, die von Nawalny über die FSB-Mitarbeiter veröffentlicht worden sind, zutreffend sind. 

ivi

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