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Untersuchungshaft Nawalny ins berüchtigte Moskauer Gefängnis "Matrosenruhe" gebracht

Alexej Nawalny wird aus einer Polizeistation in Chimki außerhalb von Moskau geführt
Alexej Nawalny wird aus einer Polizeistation in Chimki außerhalb von Moskau geführt, nachdem das Gericht entschieden hatte, ihn für 30 Tage in Untersuchungshaft zu schicken 
© Alexander Nemenov / AFP
Die Haftanstalt "Matrosenruhe" ist berüchtigt für katastrophale Haftbedingungen. Hier starb einst auch der Anwalt Sergej Magnitski unter ungeklärten Umständen. Nun wird hier der Kremlkritiker Alexej Nawalny festgehalten.

Der gerade erst nach Russland zurückgekehrte Kremlkritiker Alexej Nawalny wird in der Hauptstadt Moskau in einem besonders gefürchteten Untersuchungsgefängnis festgehalten. Nawalny sei am Montagabend in die Haftanstalt "Matrosenruhe" gebracht worden, schrieb der Sprecher von Moskaus ziviler Beobachtungskommission Alexej Melnikow am Dienstag in seinem Telegram-Kanal. Zuvor hatte auch Nawalnys Team diese Befürchtung geäußert.

Nawalny habe aber berichtet, dass die Mitarbeiter der Institution bislang keinen moralischen oder physischen Druck auf ihn ausgeübt hätten, teilte Melnikow weiter mit. Der Oppositionspolitiker sei alleine in einer Dreibettzelle unter Quarantäne gestellt worden. Seinen Angaben zufolge befinden sich in der Zelle ein Kühlschrank, ein Wasserkocher, ein Fernseher und es gebe auch heißes Wasser. Melnikow listete die gesamte Ausstattung auf, die Nawalny in der Anstalt erhalten hat: eine Matratze, ein Kissen, eine Decke, Bettwäsche, einen Teller, einen Becher, einen Löffel, eine Zahnbürste, Zahnpasta, Seife, einen Einwegrasierer und Toilettenpapier.

Der Fall Magnitski 

Die Haftanstalt "Matrosenruhe" ist für schlechte Haftbedingungen berüchtigt. In dem Gefängnis gab es immer wieder rätselhafte Todesfälle – unter anderen starb dort im Jahr 2009 der Anwalt Sergej Magnitski. Der Wirtschaftsprüfer hatte eine behördliche Untersuchung geleitet, die illegale Steuerrückerstattungen zugunsten korrupter Beamter des Innenministeriums aufklären sollte. Kurze Zeit später wurde er selbst der Mittäterschaft zur Steuerhinterziehung beschuldigt. 

Magnitski wurde im November 2008 verhaftet und starb etwa ein Jahr später. Zuvor hatte er sich widerholt über rechtswidrige und menschenunwürdige Umstände seiner Inhaftierung, darunter auch Folter, beschwert. Nach neun Monaten Haft in der Anstalt "Matrosenruhe" erhielt er zum ersten Mal Zugang zu einem Gefängnisarzt. Die Diagnose lautete: Pankreatitis, durch Konkrement ausgelöste Cholecystitis, Gallensteine. Unternommen wurde dagegen jedoch nichts. Jegliche Art von medizinischer Vorsorge wurde Magnitski während der gesamten Zeit der Inhaftierung verwehrt. Am 16. November 2009 wurde Magnitsky schließlich in kritischem Zustand in das Gefängniskrankenhaus von "Matrosenruhe" gebracht, wo er starb. 

Das Untersuchungsgefängnis Nr. 1 des Föderalen Strafvollzugsdienstes Russlands in Moskau, auch "Matrosenruhe" genannt 
Das Untersuchungsgefängnis Nr. 1 des Föderalen Strafvollzugsdienstes Russlands in Moskau, auch "Matrosenruhe" genannt 
© Natalia Kolesnikova / AFP

"Matrosenruhe" ist die inoffizielle Bezeichnung des Untersuchungsgefängnisses Nr. 1 des Föderalen Strafvollzugsdienstes Russlands in Moskau. Der Name der seit 1945 bestehenden Anstalt stammt von der gleichnamigen Straße, in der sich das Gefängnis befindet. Auch der ehemalige sowjetische Verteidigungsminister Dmitri Jasow und früherer Oligarch Michail Chodorkowski saßen hier in Untersuchungshaft. 

Untersuchungshaft : Nawalny ins berüchtigte Moskauer Gefängnis "Matrosenruhe" gebracht

Alexej Nawalny muss 30 Tage in Untersuchungshaft 

Nawalny, der sich in Deutschland von einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August erholt hatte, war am Montag in Moskau in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Untersuchungshaft verurteilt worden. Ihm wird vorgeworfen, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen zu haben. Nawalny und sein Team kritisieren das Verfahren als politische Inszenierung mit dem Ziel, ihn zum Schweigen zu bringen. "Ein normaler Mensch kann diese Absurdität nicht verstehen", schrieb Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch am Dienstag auf Twitter.

ivi

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