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Unterirdische Hockey-Halle und Amphitheater Ein Palast der Superlative: Wo sich Putin ein neues Versailles erbaut hat

Der Palast Putins an der Schwarzmeerküste 
Der Palast Putins an der Schwarzmeerküste 
© FBK
Diesen Schlag hat sich Alexej Nawalny für seine Rückkehr nach Russland aufgehoben: die Enthüllung des Palastes von Wladimir Putin, der eines Zaren würdig gewesen wäre. 

Mit seiner Rückkehr nach Russland hat Alexej Nawalny Wladimir Putin in der ganzen Welt vorgeführt. Zwei Tage später holt er nun zum neuen Schlag aus. Auch seine Festnahme in Moskau und die darauffolgende Verurteilung zu 30 Tagen Untersuchungshaft konnten den Oppositionspolitiker nicht stoppen. Seine Zeit in Deutschland, in der sich Nawalny von dem Giftanschlag auf ihn erholte, hat er nämlich zu Nachforschungen genutzt – über seinen erklärten Erzfeind Putin. 

Am Dienstag veröffentlichten Nawalny und sein Fond zur Korruptionsbekämpfung einen zweistündigen Film, in dem er die Vergangenheit des Kreml-Chefs offenlegt: von seiner Zeit als einfacher KGB-Agent in der ehemaligen DDR bis zu seiner steilen Karriere in den 90er Jahren, die Putin vor allem Bestechungen, Seilschaften und alten Freundschaften zu verdanken hat.

Zentrales Objekt des Films ist jedoch Putins Schloss. "Das geheimnisvollste und das am meist bewachte Objekt Russlands, ist kein Landhaus, keine Residenz, es ist vielmehr ein ganzes Königreich – umgeben von unüberwindbaren Zäunen, mit einem eigenen Hafen, einer eigenen Kathedrale, es liegt in einer Flugverbotszone und hat sogar einen eigenen Grenzposten. Es ist regelrecht ein eigener Staat innerhalb Russlands. Und in diesem Staat gibt es einen einzigen und nicht austauschbaren Zaren: Putin", so leitet Nawalny die Präsentation des unglaublichen Baus ein.

Putins Königreich im Königreich 

Putin Königreich im Königreich liegt an der malerischen Schwarzmeerküste in der Nähe des Orts Gelendschik. Das Hauptgebäude des Palasts ist mit rund 17.700 Quadratmetern – nach Angaben im offiziellen Register – das größte Privathaus Russlands. Die Residenz befindet sich auf einem Grundstück mit einer Fläche von 68 Hektar, direkt an einer steilen Klippe, die in einen Privatstrand mündet. 

Hier befindet sich alles, was das Herz des Herrschers begehrt: eine Orangerie mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern, eine 80 Meter lange Brücke, die über eine Schlucht zum sogenannten "Teehäuschen" führt, einem Gästehaus ebenfalls mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern.

Außerdem: eine unterirdische Eishockey-Halle mit einer Höhe eines fünfstöckigen Hauses, zwei Hubschrauberplätze, ein Amphitheater, eine Funkmastanlage, eine Tankstelle, unterirdische Gänge hinunter zum Strand. Das Highlight: Ein Degustationsraum mitten in dem Fels, auf dem der Palast gebaut ist. Dieser soll eigens dafür errichtet worden sein, damit Putin den bestmöglichen Ausblick auf den Sonnenuntergang genießen kann.

Im markierten Bereich ist das maskierte Fenster des Degustationsraums zu sehen, das in den Fels gebaut wurde. Wird es aufgemacht, kann Putin Sonnenuntergänge über dem Schwarzen Meer beobachten. In der unteren rechten Ecke ist der Ausgang des Tunnels, der vom Palast zum Strand führt, zu erkennen. 
Im markierten Bereich ist das maskierte Fenster des Degustationsraums zu sehen, das in den Fels gebaut wurde. Wird es aufgemacht, kann Putin Sonnenuntergänge über dem Schwarzen Meer beobachten. In der unteren rechten Ecke ist der Ausgang des Tunnels, der vom Palast zum Strand führt, zu erkennen. 
© FBK

Der Palast selbst hat noch einiges mehr zu bieten. Zunächst einige Annehmlichkeiten, die wohl für alle Oligarchen dieser Welt zum Standard gehören: Kinosaal, Cocktailsalon, Massagesalon, Kosmetikstudio, Sauna, Hamam, Spa-Areal mit Brunnen, Wasserbars und Pools. Aber da man mit einer Bibliothek oder Musizierraum niemanden überrascht, hat sich Putin ein ganzes Theater installieren lassen – mit einer Zarenloge.

Das ganze Interieur wäre eines Napoleons oder Katharina der Großen würdig gewesen: Gold, Marmor und edelste Hölzer, wohin das Auge blickt.  

Es gibt außerdem Räumlichkeiten für Ärzte, Köche und Kellner. Für Gaumenfreuden sorgen eine Fleischerei, eine Gemüse-Küche, eine Bäckerei, eine Eier-Küche, ein Weinkeller. 

Einige Räume wollen dabei so gar nicht zum Image eines Mannes passen, der traditionelle Werte predigt und sich orthodoxer gibt als der Patriarch. Da wäre eine Shishabar mit einer Bühne für Striptease-Tänze. Oder ein riesiges Casino, und das obwohl Glücksspiel in Russland verboten ist. Andere Säle sind harmloseren Hobbys vorbehalten: Modellbahnen und Videospielen zum Beispiel.

Unter diesem Hügel verbirgt sich eine unterirdische Eishockey-Halle 
Unter diesem Hügel verbirgt sich eine unterirdische Eishockey-Halle 
© FBK

Baupläne und Fotoaufnahmen geleakt

Das Grundstück des Anwesens ist zudem von zwei Seiten von Weingütern umgeben, die ebenfalls Putin gehören. An die Längsseite grenzt ein Grundstück, das auf dem Papier dem FSB gehört, aber bis zum Jahr 2068 an eine Firma verpachtet wird, die den Palast verwaltet. 7000 Hektar groß ist dieses Puffergebiet, das offenbar verhindern soll, dass ungewollte Gäste sich zum Palast verirren. Insgesamt umfasst das Gebiet, das zum Besitz Putins gehört, eine Fläche, in die Monaco 39 Mal hineinpassen würde. 

Die 3D-Rekonstruktion des Palasts, die Nawalny nun vorlegte, stützt sich vor allem auf architektonische Pläne, die das Anwesen bis ins kleinste Details zeigen. Ein ehemaliger Auftragnehmer, der an dem Bau beteiligt war, habe diese dem FBK-Team zugespielt, weil er "fassungslos und wütend über die luxuriöse Ausstattung, Dekorationen und die astronomischen Preise für die Möbel" gewesen sei, so Nawalny. Fotoaufnahmen, die von Bauarbeitern noch im Jahr 2011 geleakt wurden, decken sich mit den Bauplänen. 

Ein Salon im Putin-Palast
Ein Salon im Putin-Palast: Links ist die Simulation des Nawalny-Teams zu sehen, rechts ein Bild, das Bauarbeiter 2011 veröffentlicht haben.
© FBK

Einer der Hauptausstatter des Palasts, der exklusive italienische Möbelhersteller Pozzili, bestätigte zudem aus Versehen, dass man tatsächlich das Anwesen beliefert hat und verriet sogar, welche Möbelstücke genau verkauft wurden. Der Möbelfabrikant AB Italia wirbt sogar auf seiner Website mit den Interieurs, die an Putin verkauft worden sind. Unzählige Lieferantenlisten, Zollunterlagen und Steuerbescheide bestätigen die Käufe und Bauaufträge.

"Ein Symbol der 20-Hährigen Herrschaft Putins"

Zum ersten Mal wurde die Existenz des Palasts 2010 bekannt. Damals plauderte der Unternehmer und Putins Vertrauter Sergej Kolesnikow aus dem Nähkästchen und veröffentlichte Verträge und andere Dokumente im Zusammenhang mit dem Bau. Das Projekt sei im Auftrag von Wladimir Putin vom Geschäftsmann Nikolai Schamalow entwickelt worden, erzählte Kolesnikow. Die Empörung war damals aber so groß, dass der Kreml in aller Eile einen Verkauf abwickelte, an den Milliardär und Putin-Getreuen Alexander Ponomarenko. Er wolle ein Hotel aus dem Palast machen, verkündete dieser.

Der Palast von Wladimir Putin aus der Luft
Der Palast von Wladimir Putin aus der Luft: Vorne sind zwei Hubschrauberplätze und ein Hügel zu sehen, unter dem sich eine unterirdische Eishockey-halle verbirgt
© FBK

Alles eine Finte. Zehn Jahre später ist der Palast immer noch ein Palast und kein Hotel. "Egal wie oft man uns erzählt, dass dieses Objekt irgendeinem Geschäftsmann gehört, bleibt es eine dreiste Lüge. Über den Häusern von Geschäftsmännern gibt es keine Flugverbotszonen, sie werden nicht vom FSO gebaut (Föderaler Dienst für Bewachung der Russischen Föderation) und sie werden auch nicht vom FSB bewacht", erklärte Nawalny.

Unzählige offizielle Dokumente belegen, dass der Palast einen einzigen Herrn hat – und das ist immer noch Putin. Ein ausgeklügeltes, verwirrendes System sollte die Besitzverhältnisse verschleiern. Auf dem Papier wird das kleine Königreich von Verwandten und Getreuen Putins verwaltet. Im Zentrum des Netztes steht ein Mann namens Michail Schelomow. Das größte Verdienst seinem Leben ist wohl sein Verwandtschaftsgrad zum Kreml-Herrn. Er ist Putins Neffe zweiten Grades. 

"Das ist nicht einfach ein Gebäude, das ist ein Symbol der 20-jährigen Herrschaft Putins", sagt Nawalny. Alles ermöglicht durch die "größte Bestechung der Geschichte", da für die Baukosten russische Oligarchen aufgekommen sind. Welchen Wert das Königreich hat, könne man nicht genau sagen, da solche Objekte nicht gehandelt werden. Doch ausgehend von den Baukosten, die bekannt sind, liegt der Wert nach seinen Berechnungen bei minimal 1,3 Milliarden Euro. 

Alle Unterlagen, 3D-Modelle und Fotos finden Sie hier, auf der Website des FBK. 


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