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Ermordeter Rabbani: Talibansprecher bestreitet Bekennerschreiben

Die Ermordung des ehemaligen afghanischen Präsidenten Burhanuddin Rabbani ist eine nationale Tragödie. Warum er sterben musste ist weiterhin unklar, denn erste Bekennerschreiben sollen gefälscht gewesen sein.

Nach der Ermordung des früheren afghanischen Präsidenten Burhanuddin Rabbani haben die islamistischen Taliban Medienberichte bestritten, wonach sie sich zu dem tödlichen Bombenanschlag bekannten. In der ersten öffentlichen Stellungnahme auf ihrer Website "Stimme des Dschihad" erklärten die Taliban am Mittwoch, die Berichte seien "haltlos". Sie selbst könnten nichts zu dem Vorfall sagen, solange sie nicht mehr und vollständige Informationen dazu hätten.

Rabbani war zwischen 1992 und 1996 afghanischer Präsident und zuletzt der Chef des von Staatschef Hamid Karsai eingesetzten Hohen Friedensrats. Dieser berät seit Oktober vergangenen Jahres über Möglichkeiten einer Versöhnung mit den Taliban, bislang aber ohne Erfolg.

Hunderte Afghanen demonstrierten am Mittwoch in Kabul gegen die Ermordung Rabbanis. Auch international sorgte der Anschlag für Bestürzung und wurde scharf verurteilt.

Friedensbemühungen sollen weitergehen

Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm an Karsai, Rabbani habe sich als Vorsitzender des Friedensrates an entscheidender Stelle um Versöhnung bemüht. "Der Angriff auf sein Leben ist ein direkter Angriff auf die Friedensbemühungen" in Afghanistan. Damit könne der Friedenswille des Volkes aber nicht gebrochen werden.

Der Hohe Friedensrat will eine Aussöhnung mit den Taliban auch nach der Ermordung seines Vorsitzenden vorantreiben. Das Parlament in Kabul kündigte eine Sondersitzung an.

Der 71-Jährige Rabbani wurde am Dienstag bei einem Selbstmordanschlag in seinem Haus getötet, bei dem ein Talibankämpfer laut Polizei eine in seinem Turban versteckte Bombe zündete.

ono/AFP/DPA / DPA