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Eskalation in der Ukraine: Russland gewährt Janukowitsch Schutz

Der entmachtete ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch bittet Russland um Hilfe - und wird erhört. Auf der Krim eskaliert die Situation, bewaffnete Männer stürmen das Parlament.

Viktor Janukowitsch erhält Hilfe aus Russland. Dem entmachteten ukrainischen Präsidenten werde Schutz auf russischem Territorium gewährt, meldeten mehrere Agenturen am Donnerstagmittag. Zuvor hatte sich Janukowitsch erstmals seit seiner Absetzung zu Wort gemeldet. Er werde bedroht, sagte der 63-Jährige nach einer in Russland verbreiteten Erklärung. Er halte sich zudem weiter für den legitimen Präsidenten. Alle vom Parlament in Kiew gefassten Beschlüsse seien rechtswidrig.

Der designierte Präsidentschaftskandidat Vitali Klitschko hatte Russlands Regierungschef Wladimir Putin in einem Interview der "Bild"-Zeitung aufgefordert, Janukowitsch nicht aufzunehmen. "Ich kann den russischen Präsidenten nur davor warnen, Janukowitsch aufzunehmen und damit einem blutigen Diktator Schutz zu gewähren. Janukowitsch muss sich in der Ukraine vor einem Gericht für seine Taten verantworten.“

Wo sich Janukowitsch nach seiner Flucht aufhielt, ist weiter unklar. "Es gibt starke Anzeichen dafür, dass er auf der Krim sein könnte, sich dort in einem russischen Militärlager versteckt hält", sagte Klitschko.

Russland setzt Kampfjets in Bereitschaft

Auf der ukrainischen Halbinsel Krim war es am Donnerstagmorgen zur Eskalation des Konflikts zwischen Tartaren und Russen gekommen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es habe Kampfflugzeuge an den westlichen Grenzen des Landes in Kampfbereitschaft versetzt.

Zuvor hatten bewaffnete Männer die Gebäude von Parlament und Regionalregierung in Simferopol besetzt. Laut der Agentur Interfax hätten die etwa 30 Männer mit Schnellfeuergewehren das Glas der Eingangstüren zerschossen und sich Zugang verschafft. Die Gruppe soll sich angeblich als Selbstverteidiger der russischsprachigen Bevölkerung der Krim bezeichnen. Ein Sprecher der pro-ukrainischen Krimtataren teilte auf Facebook mit, die Männer würden Uniformen ohne nähere Kennung tragen.

Auf Krim-Parlament weht russische Fahne

Die Sicherheitskräfte auf der Halbinsel sind in Alarmbereitschaft versetzt worden. Das Stadtviertel von Simferopol sei abgeriegelt worden, teilte Interimsinnenminister Arsen Awakow mit. Die Polizei lasse keine "extremistischen Handlungen" zu.

"Die Behörden wollen schnell klären, wer die Besetzer sind und was sie wollen", sagte der Abgeordnete Andrej Sentschenko von der Partei der Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Augenzeugen berichteten, auf den Gebäuden wehe die russische Fahne. Der Verwaltung zufolge hält sich wegen eines arbeitsfreien Tages kein Angestellter im Parlament auf.

Die Mehrheit der Krimbewohner sind ethnische Russen. Der Hafen Sewastopol beherbergt den Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte.

nck/Reuters/DPA / DPA / Reuters