HOME

Statement nach Nervengift-Attentat: Julia Skripal spricht über "schmerzhafte" Genesung - und denkt über Rückkehr nach Russland nach

Julia Skripal und ihr Vater, der frühere russische Doppelagent Sergej Skripal, wurden bei einem Nervengift-Anschlag schwer verletzt. "Wir hatten großes Glück", sagt die 33-Jährige - und stellt eine Rückkehr in ihre Heimat in Aussicht.

Julia Skripal spricht über "schmerzhafte" Genesung - und denkt über Rückkehr nach Russland nach

Julia Skripal auf ihrem Facebook-Profilfoto (Archivbild)

Das, was Julia Skripal im englischen Salisbury widerfahren ist, kann sie immer noch kaum in Worte fassen. "Der Umstand, dass ein Agent eingesetzt wurde um das zu tun, ist schockierend", teilt die 33-Jährige der Nachrichtenagentur Reuters in einem schriftlichen Statement mit. Auch der britische "Guardian" berichtet über ihre Wortmeldung. "Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt."

Das ist noch gelinde ausgedrückt: Julia Skripal und ihr Vater, der frühere russische Doppelagent Sergej Skripal, wurden Opfer eines Nervengift-Anschlags. Die britische Regierung macht Russland für den Vorfall verantwortlich. Die EU-Außenminister haben sich hinter Großbritannien gestellt und fordern Aufklärung. Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe will Skripal allerdings "auf längere Sicht" wieder in ihre russische Heimat zurückkehren, heißt es in ihrem Statement.

"Wir hatten so ein Glück"

"Wir hatten so ein Glück, dass wir beide das Attentat überlebt haben", schreibt Julia Skripal weiter. "Unsere Genesung hat lange gedauert und war extrem schmerzhaft." Die junge Frau lag nach dem Anschlag durch das Nervengift Nowitschok für 20 Tage im Koma, nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus vor rund fünf Wochen verschwand Skripal vorerst von der öffentlichen Bildfläche. "Ich bin zu den Nachrichten aufgewacht, dass wir vergiftet wurden", erinnert sie sich. 

Zweite Wortmeldung nach Entlassung aus Klinik

Laut "Guardian" befinde sie sich aktuell an einem geheimen Ort in London, während sie vom Staat bewacht wird. Den Kontakt zur Nachrichtenagentur Reuters habe die britische Polizei hergestellt. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus veröffentlichte die britische Polizei bereits ein erstes Statement. Sie sei dankbar für die "zahlreichen unterstützenden Botschaften", die sie bekommen habe und bat darum, während ihrer Genesung "mein Privatleben und das meiner Familie" zu respektieren. Ihr 66-jähriger Vater befinde sich weiter in "stabilem", aber lebensbedrohlichem Zustand, teilte das Krankenhaus damals mit. Mittlerweile konnte auch er das Krankenhaus verlassen.

Diskussionen mit Russland brechen nicht ab

Derweil sorgt die Klärung der Frage, wer das Nervengift-Attentat verübt hat, weiterhin für diplomatische Verstimmungen. Das russische Außenministerium lehnte Pläne für eine Sondersitzung der Mitglieder des Chemiewaffenübereinkommens ab. Diese Initiative sei vor allem gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gerichtet, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa am Mittwoch in Moskau. Zudem verstehe sie den Vorschlag auch im Kontext der Vorwürfe gegen Russland, angebliche syrische Chemiewaffeneinsätze zu decken und für den Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien verantwortlich zu sein, sagte sie der Agentur Tass zufolge. Russland hat diese Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen.

Dutzende westliche Staaten hatten bei einem Treffen vergangene Woche in Paris ein solches Sondertreffen für Juni in Den Haag gefordert. Hintergrund sind der Streit um den Einsatz von Chemiewaffen im Syrienkonflikt sowie der Fall Skripal in Großbritannien. 

fs/Mit Material der DPA