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Fed-Chef-Posten: Obama nominiert Bernanke für zweite Amtszeit

US-Notenbankchef Ben Bernanke soll nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama Chef der Fed bleiben. Obama nominierte den 55-Jährigen für eine zweite Amtszeit ab Februar kommenden Jahres.

US-Präsident Barack Obama setzt an der Spitze der mächtigen Notenbank auf den bewährten Krisenmanager Ben Bernanke. Der 55-jährige Chef der sogenannten Fed wird für eine zweite Amtszeit vorgeschlagen. Dies kündigte Obama am Dienstag auf der Atlantik-Insel Martha’s Vineyard, seinem derzeitigen Feriensitz an. Bernanke habe dazu beigetragen, dass eine neuerliche Große Depression wie in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts vermieden worden sei, sagte Obama zur Begründung im Beisein Bernankes an seinem Urlaubsort Martha’s Vineyard an der US-Ostküste.

Ein Regierungsbeamter sagte nach Informationen der "New York Times" am Montagabend in Washington, der oberste Währungshüter habe sich durch brillante Arbeit im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise qualifiziert. Bernankes Amtszeit endet am 31. Januar. Obamas Vorschlag muss noch den Senat passieren. Dessen Zustimmung gilt als sicher. Der Fed-Chef ist eine der mächtigsten Figuren in der globalen Finanzwelt.

Obama bot Posten keinem anderen Kandidaten an

Den Angaben zufolge hat Obama die Entscheidung bereits vor gut einem Monat getroffen und Bernanke darüber im Weißen Haus in der vergangenen Woche unterrichtet. Der Präsident habe den Posten keinem anderen Kandidaten angeboten.

Bernanke hatte seine vierjährige Amtszeit am 1. Februar 2006 begonnen, als er noch unter Präsident George W. Bush die Nachfolge des legendären Fed-Chefs Alan Greenspan antrat. Dass Obama ihn für eine zweite Amtszeit nominieren würde, galt keinesfalls als sicher. Als möglicher Mitbewerber wurde unter anderem Obamas Vertrauter, Wirtschaftsspitzenberater und Ex-Finanzminister Larry Summers gehandelt.

Gerade im Kongress hat Bernanke Gegner. Sie werfen der Notenbank vor, in ihrer Rolle als Aufseherin über die Bankenwelt versagt und die Krise mit heraufbeschworen zu haben. Und Bernanke habe es zu weit getrieben, als er nicht nur Hunderte Milliarden Dollar in die Märkte pumpte, sondern auch Mega-Zocker wie den krisengeschüttelten Versicherungsgiganten AIG rettete.

Bernanke wird in der Fachwelt inzwischen Respekt gezollt

Fachkollegen dagegen stützten Bernanke: Eine Umfrage des "Wall Street Journal" unter 46 renommierten Ökonomen der Privatwirtschaft von Anfang Juli ergab, dass mehr als 90 Prozent von ihnen für eine zweite Amtszeit waren. Die Immobilien- und Kreditkrise war eineinhalb Jahre nach Bernankes Amtsantritt im Sommer 2007 über die größte Volkswirtschaft der Erde hereingebrochen. Anfangs von der Wall Street für seine Trägheit gescholten, wird Bernanke in der Fachwelt inzwischen Respekt gezollt. Der 55-Jährige senkte rapide den Leitzins und setzte ein Füllhorn neuer Instrumentarien ins Werk, um die US-Wirtschaft nicht in den Abgrund schlittern zu lassen.

Bernanke wurde am 13. Dezember 1953 in Augusta (US-Bundesstaat Georgia) geboren. Er studierte an der Harvard-Universität und dem ebenso renommierten Massaschusetts Institute of Technology, wo er mit Prädikatsexamen und Promotion abschloss. Nachdem er von 1979 bis 1985 in Stanford lehrte, erhielt er schließlich einen Ruf an die Princeton-Universität. Dort forschte und lehrte Bernanke 17 Jahre lang. Der Wirtschaftswissenschaftler beschäftigte sich vor allem mit Geldpolitik. Zudem schrieb er drei Bücher über Makroökonomie und war mehrfach Mitglied in Wirtschaftsgremien der Regierung.

DPA / DPA