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Tragödien im Mittelmeer: Über 100 Tote an Libyens Küste - Flüchtlingsboot kentert vor Kreta

Erneut Flüchtlingsunglücke im Mittelmeer: Ein Boot ist vor der griechischen Insel Kreta gekentert, Hunderte Menschen werden vermisst. An der libyschen Küste wurden mehr als hundert Tote entdeckt.

Im Mittelmeer ist ein Flüchtlingsboot gekentert

Im Mittelmeer ist ein Flüchtlingsboot gekentert (Symbolbild)

Vor der griechischen Küste ist ein überfülltes Flüchtlingsboot gekentert - offenbar mit mindestens 700 Menschen an Bord. Das teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mit. Das Unglück ereignete sich 75 Seemeilen südlich von Kreta, wie die griechische Küstenwache mitteilte. Das 25 Meter lange Boot sei gekentert und zur Hälfte untergegangen. Bisher konnten 340 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet werden, Hunderte weitere werden vermisst. Vier Leichen wurden geborgen. 

Die griechischen Behörden starteten den Angaben zufolge einen "umfangreichen" Rettungseinsatz. Die Küstenwache schickte zwei Patrouillenboote, ein Flugzeug und einen Hubschrauber los. Mindestens vier Schiffe, die in der Region unterwegs waren, beteiligten sich ebenfalls an dem Rettungseinsatz. Sie warfen Rettungsbojen aus, um die Flüchtlinge zu retten.

Mehr als hundert tote Flüchtlinge an libyscher Küste entdeckt

Auch an der libyschen Küste gab es wieder Tote. Mindestens 104 Leichen wurden dort laut Marine entdeckt. Unter den Toten, die bis Donnerstagabend auf einem Küstenstreifen von etwa 25 Kilometer Länge nahe der Stadt Suwara angetrieben worden seien, seien auch Kinder, berichtete die Webseite "Migrant Report" unter Berufung auf den libyschen Halbmond. Die Marine geht nach Angaben eines Sprechers davon aus, dass noch mehr Leichen gefunden werden.

In der vergangenen Woche waren im südlichen Mittelmeer drei Flüchtlingsboote gesunken. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR geht davon aus, dass fast 700 Menschen ertrunken sind, darunter auch 40 Kinder. Sie hatten nach Angaben von Überlebenden in drei Booten die libysche Küste verlassen, um nach Italien zu gelangen. Alle drei Boote sanken. Ob es sich bei den angespülten Leichen um Opfer der Unglücke handelt, konnte der Sprecher der libyschen Marine zunächst nicht sagen.

Gutes Wetter begünstigt Flüchtlingsstrom

Wegen des guten Wetters und der ruhigen See wagen derzeit besonders viele Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa. Bei der gefährlichen Überfahrt zu den griechischen Inseln in der Ägäis kamen im vergangenen Jahr hunderte Menschen ums Leben. Seit der Schließung der sogenannten Balkanroute versuchten zuletzt aber weniger Flüchtlinge, über die Türkei und Griechenland in die EU zu gelangen. Stattdessen waren wieder mehr Flüchtlinge über Libyen nach Italien gekommen.

Ende Mai hatte die griechische Küstenwache vor der Küste Kretas ein Flüchtlingsboot abgefangen, auf dem zwei mutmaßliche Schlepper 65 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan transportierten. Nach Angaben der Passagiere war das Boot in der Türkei in See gestochen. Die Küstenwache äußerte sich nicht dazu, ob es auf dem Weg nach Italien oder Griechenland war. Möglicherweise hatte es die Route über Kreta gewählt, um den Nato-Patrouillen in der Nord-Ägäis auszuweichen.

kis / AFP