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Flutkatastrophe: Hilfe nicht überall willkommen

Das Angebot der Gläubigerstaaten über einen Schuldenaufschub ist bei den Staaten Südostasiens auf geteiltes Echo gestoßen. Indonesien etwa sieht dadurch die Kreditwürdigkeit des Landes in Frage gestellt.

Der Pariser Club der 19 wichtigsten Gläubigerstaaten hat allen von der Flutkatastrophe betroffenen Ländern ein Schuldenmoratorium für dieses Jahr angeboten. Allein das besonders schwer von der Flutwelle heimgesuchte Indonesien müsste in diesem Jahr mehr als drei Milliarden Dollar zurückzahlen. Nach Ansicht von Experten fürchten jedoch Länder wie Thailand und Malaysia, dass eine Annahme des Zahlungsaufschubs als ökonomische Schwäche interpretiert werden und die Kreditwürdigkeit beeinträchtigen könne.

Entsprechend zieht Indonesien nach Angaben von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zur Linderung der Folgen der Flutkatastrophe Zuschüsse einem Schuldenerlass vor. "Die bevorzugte Position ist eher die von Zuschüssen", sagte Eichel nach einem Treffen mit dem indonesischen Außenminister Noer Hassan Wirajuda in Berlin. "Auf keinen Fall darf die Kreditwürdigkeit Indonesiens in Frage gestellt werden", sagte Eichel.

"Berlin" trifft in Krisenregion ein

Neben den Beratungen über langfristige finanzielle Maßnahmen zur Unterstützung der betroffenen Staaten Südostasiens, gehen die Nothilfeaktionen vor Ort zur Beseitigung der unmittelbaren Folgen und Schäden der Flut unvermindert weiter. Das mit Hilfsgütern beladene Bundeswehr-Versorgungsschiff "Berlin" ist jetzt in der Katastrophenregion eingetroffen. Wie die Bundeswehr mitteilte, erreichte das Schiff die Küstengewässer der indonesischen Provinz Aceh. An Bord befindet sich ein Marineeinsatz-Rettungszentrum mit 45 Krankenbetten, zwei Operationssälen und zwei Transport-Hubschraubern. Die "Berlin" soll die Bundeswehrsoldaten, die bereits in Banda Aceh Hilfe leisten, unterstützen.

Die ersten Trinkwasserexperten des Technischen Hilfswerks (THW) sind dagegen bereits aus der Katastrophenregion nach Deutschland zurückgekehrt. Ein Vertreter des Bundesinnenministeriums empfing die 15 THW-Experten am Frankfurter Flughafen und sprach ihnen den Dank der Bundesregierung aus. Die 15 Männer hatten seit dem 30. Dezember in Galle im Süden Sri Lankas die Menschen mit Trinkwasser versorgt, verschlammte Brunnen gereinigt und versucht, lebenswichtige Infrastrukturen wieder aufzubauen.

"Drei Monate sind genug"

Nicht jede Hilfe scheint allerdings willkommen zu sein. Die indonesische Regierung hat jetzt gefordert, dass alle an den Hilfsaktionen beteiligten ausländischen Soldaten das Land binnen drei Monaten wieder verlassen müssen. Der indonesische Vizepräsident Jusuf Kalla, hatte gesagt, "drei Monate sind genug, aber je eher sie gehen, umso besser".

Die USA reagierten auf diese Äußerungen irritiert. "Wir wüssten gerne genauer von Indonesien, was das bedeuten soll", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Zunächst gehe es vor allem darum, den Menschen in der Krisenprovinz Aceh zu helfen. "Wir hoffen, dass Regierung und Militärführung in Indonesien die internationalen Hilfsanstrengungen weiter unterstützen", so McClellan.

Anwesenheit "eine sensible Angelegenheit"

Allerdings hat Außenminister Wirajuda die von seiner Regierung gesetzte Drei-Monats-Frist schnell relativiert, nicht jedoch zurückgenommen. "Ihre Präsenz basiert auf unserer Bitte", sagte Wirajuda nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) in Berlin. Wie lange die ausländischen Truppen gebraucht würden, hänge von den Fortschritten beim Hilfseinsatz ab. Die Anwesenheit sei "eine sensible Angelegenheit"

Bundesverteidigungsminister Peter Struck sagte: "Wenn die indonesische Regierung der Meinung ist, es reicht jetzt, werden wir uns zurückziehen." Die Bundeswehr sei zunächst auf drei Monate eingerichtet. Sollte der Einsatz länger dauern, werde das Kontingent ausgewechselt. Fischer betonte den langfristigen Charakter der deutschen Hilfe. Es sei dabei sehr wichtig, dass die Hilfe auch bei den Betroffenen ankomme und nachvollziehbar umgesetzt werde.

Der Leiter des Bundeswehr-Erkundungskommandos in Indonesien, Oberstarzt Jürgen Canders, sagte in Berlin: "Ich gehe davon aus, dass wir nach spätestens vier Monaten unsere Hilfe deutlich reduzieren können."

DPA / DPA