Folter-Affäre Araber wollen Bushs Entschuldigung nicht hören


Die Entschuldigung von US-Präsident Bush für die Misshandlungen irakischer Gefangener ist in der arabischen Welt ungehört verhallt: Die meisten sehen ihr Misstrauen gegenüber den USA bestätigt.

US-Präsident George W. Bush bemüht sich nach dem Bekanntwerden der Misshandlungen irakischer Gefangener um Schadensbegrenzung. Erst verurteilte er im arabischen Fernsehen die Vorfälle als abscheulich, dann folgte am Donnerstagabend in Washington die offizielle Entschuldigung. Die Bevölkerung in den arabischen Ländern, deren Unterstützung die USA für ihre Außenpolitik so dringend brauchen, wird Bush jedoch kaum zuhören: Die Menschen sehen mit den Bildern misshandelter Häftlinge aus dem Gefängnis Abu Ghraib ihr Misstrauen gegenüber Washington bestätigt.

Schon vor dem Angriff auf Irak galt die Nahost-Politik der Vereinigten Staaten und ihre Unterstützung für Israel als antiarabisch. Die Reaktion Washingtons auf die Terroranschläge vom 11. September wurden von der Bevölkerung in einigen arabischen Ländern als antiislamisch gewertet. Jetzt sehen viele Araber beide Einschätzungen bestätigt. Die USA sind jedoch auf die Hilfe der arabischen Länder angewiesen - im Kampf gegen den Terrorismus, beim Wiederaufbau in Irak und bei dem Versuch, im israelisch-palästinensischen Konflikt zu vermitteln.

Amerikanische Position erschwert

Bush räumte in seinen Interviews mit zwei arabischen Fernsehsendern ein, der Skandal um die Gefangenenmisshandlungen habe die Vermittlung der amerikanischen Position erschwert. Menschen, die Amerika hassten, könnten die Bilder aus Abu Ghraib gegen die USA verwenden, sagte er dem Sender El Arabija.

Misstrauen resultiert aus Unwissenheit

Der ägyptische Politikwissenschaftler Gehad Auda erklärt, das Misstrauen gegen Amerika gehe einher mit einer weitgehenden Unwissenheit über das Land und sein politisches System. So hätten viele Araber nicht verstehen können, wieso der Präsident die beschuldigten Soldaten nicht sofort verurteilt habe, sondern zunächst das Ergebnis einer Untersuchung abwarten wolle. "Weil Araber nicht in einer Demokratie aufgewachsen sind, kennen sie nicht die Idee einer Untersuchung oder eines ordentlichen Verfahrens", sagt Auda.

Der Sprecher der US-Botschaft in Kairo, Philip Frayne, sieht Probleme in der Kommunikation mit den Bürgern. Er führt dies auf die Einschätzung in den arabischen Ländern zurück, die USA seien im Nahost-Konflikt voreingenommen zu Gunsten Israels. Umfragen hätten gezeigt, dass die amerikanische Regierung in großen Teilen der Welt nicht als glaubwürdig gelte.

Gespanntes Verhältnis zu arabischen Medien

Das Verhältnis der US-Botschaft zu den arabischen Medien ist seit längerem gespannt. Im vergangenen Jahr forderte die ägyptische Journalistenvereinigung ihre Mitglieder auf, Pressekonferenzen von Botschafter David Welch zu boykottieren. Der Botschafter hatte zuvor der ägyptischen Presse vorgeworfen, "verrückte Verschwörungstheorien" verbreitet und die USA auf unfaire Weise attackiert zu haben.

Verwirrung um gefälschte Fotos

Zu einem erneuten Konflikt kam es, als drei ägyptische Zeitungen gefälschte Fotografien von angeblich sexuell missbrauchten weiblichen Häftlingen in Irak druckten. "Die Veröffentlichung heizt die Atmosphäre unnötig weiter an", erklärt Frayne. Die Fotos stammten von einer pornografischen Seite im Internet, die die Bilder als Fälschungen gekennzeichnet habe. Die betroffenen Zeitungen wiesen die Kritik zurück. Die Veröffentlichung der gefälschten Bilder stehe in Zusammenhang mit der Kritik an den Misshandlungen irakischer Gefangener durch US-Soldaten, erklärten sie.

El Hurra gilt als Propaganda-Sender

Bush hatte am Mittwoch zuerst dem Sender El Hurra ein Interview gegeben, um „die hasserfüllte Propaganda zu durchbrechen, die die Ausstrahlungen in der muslimischen Welt füllt“, wie er erklärte. El Hurra war Ende letzten Jahres von der amerikanischen Regierung aufgebaut worden und gilt daher bei vielen Arabern als Propaganda-Sender. Ein Sprecher des populären Konkurrenz-Senders El Dschasira, Dschihad Baalut, nennt die Bezeichnung zwar unfair. Die Einschätzung, der Sender sei ein Instrument der amerikanischen Außenpolitik, könne sich jedoch durch Bushs Auftritt in den Köpfen vieler Araber verfestigt haben.

Donna Bryson, AP AP

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