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Umstrittene Krankenversicherung: Bernie Sanders im Bürgergespräch: "Fox News" blamiert sich mit einer simplen Zuschauerfrage

Das hatte sich "Fox-News" anders vorgestellt: Der Sender wollte beim Gespräch mit dem Sozialisten Bernie Sanders wissen, welche Krankenversicherung sich die Zuschauer wünschten. Das Ergebnis: eine Blamage für den Trump-freundlichen Sender.

Bernie Sanders Town Hall

Bernie Sanders beim "Fox-News"-Town Hall-Meeting in Bethlehem, Pennsylvania.

AFP

Es gibt ein paar Dinge, die konservative Amerikaner schnell auf die Palme bringen. Die Gesundheitsreform von Barack Obama. Und Bernie Sanders, 77, selbst ernannter demokratischer Sozialist. Was passiert also, wenn der rechte Sender "Fox News" den erfahrenden Senator zu einer Bürgerdiskussion einlädt und über das umstrittene Gesundheitswesen abstimmen lässt? Nicht das Erwartete.

Donald Trump wettert gegen Obamacare

Aber der Reihe nach: Donald Trumps Vorgänger im Weißen Haus hatte nach langem Ringen das Krankenversicherungssystem reformiert. Künftig sollte möglichst jeder Amerikaner versichert sein und nicht nur diejenigen, deren Arbeitgeber diese Leistung anbieten. Obamas Vorhaben war und ist umstritten, weil viele US-Bürger sich nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie sich zu versichern haben. Das neue, "Obamacare" genannte System war trotz der Kritik ein Erfolg, wenngleich die Beiträge teilweise so stark gestiegen sind, dass sich viele die Prämien nicht mehr leisten können.

Der aktuelle US-Präsident hatte deshalb die Abschaffung von "Obamacare" beziehungsweise den vollständigen Ersatz im vergangenen Wahlkampf angekündigt. Bislang aber konnte er sein Versprechen nicht umsetzen. Im Dezember hatte ein Richter das Gesetz als verfassungswidrig erklärt, seinen eigenen Beschluss aber außer Kraft gesetzt. Trump will im Fall seiner Wiederwahl 2020 einen neuen Anlauf zur Abschaffung unternehmen.

Eine Krankenversicherung wie überall

Und dann also Bernie Sanders. Der linke Demokrat will 2020 US-Präsident werden, wollte es auch schon vor drei Jahren, scheiterte aber überraschend knapp in den Vorwahlen an Hillary Clinton. Sanders versteht sich als natürlicher Antipode zu Donald Trump, auch wenn beide mit einer ordentlichen Portion Populismus die Menschen begeistern. In Sachen Gesundheitssystem geht Sanders noch über die Reform Obamas hinaus und will eine allgemeine staatliche Krankenversicherung einführen. Medicare for all ist das Schlagwort. Im Wesentlichen ähnelt es den Krankenversicherungssystemen in Europa und anderen Teilen der Welt.

Das war also die Ausgangslage, bevor es am Montagabend in Bethlehem, Pennsylvania zur Sache ging: ein erzkonservativer Sender, Trump-gläubig, der die reine Lehre des Privatkapitals predigt und ein alter Linker, Trump-kritisch, der den Staat stärker in die Pflicht nehmen will. Die Veranstaltung begann wie es sich für Vorwahlkampfzeiten gehört: Sanders gab sich ruppig und nannte den Präsidenten einen "notorischen Lügner". "Fox" wiederum ließ es sich nicht nehmen, süffisant die üppigen Bucheinnahmen des Senators zu erwähnen. (Sein Bestseller "Unsere Revolution" machte ihn zum Millionär). Danach ging es dann um Sanders Gesundheitspläne.

Nach einer Publikumsfrage, die in Richtung rein private gegen rein staatliche Krankenversicherung zielte, beschloss das Moderatorenpaar alle Gäste zusammen abstimmen zu lassen. Wer von ihnen die aktuelle (also im Wesentlichen die Obama-Versicherung) einer von der Privatwirtschaft bereitgestellten Versicherung vorziehen würde, solle bitte aufstehen. Ergebnis: Es standen viele Zuschauer auf. Sehr viele. Mutmaßlich deutlich mehr als die Sendungsmacher gedacht hätten. "Ganz offensichtlich hatte 'Fox' nicht überwiegend Konservative oder Sanders-Hasser eingeladen", schreibt die US-Seite "Vox.com" dazu. Aber selbst wenn: "Die Abstimmung hat gezeigt, dass nicht nur Linke von ihrer Regierung erwarten, dass sie ihnen ein gewissen Lebensstandard bietet", so "Vox.com" weiter.

Quellen: Vox.com, "Fox News", "The Guardian", "Huffington Post"