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François Hollande unter Druck: Frankreich fragt: Valérie oder Julie?

Eine angebliche Affäre mit einer Schauspielerin überschattet die große Neujahrspressekonferenz des französischen Präsidenten. François Hollande wird an dem Thema nicht vorbei kommen.

Wenn François Hollande an diesem Dienstag im Elysée-Palast vor rund 600 Journalisten aus aller Welt tritt, dann weiß er genau, was die Medienvertreter am meisten interessiert. Eigentlich wollte Frankreichs Staatschef darlegen, mit welchen Reformen er sein Land 2014 aus der Wirtschaftskrise zu führen gedenkt. Doch nach dem Bericht über eine angebliche Liebesaffäre Hollandes mit einer Schauspielerin dürfte auf der großen Neujahrspressekonferenz nur ein Thema im Fokus stehen - das Privatleben des Präsidenten. Alles dreht sich um eine Frage: Valérie oder Julie?

Julie Gayet ist die attraktive Schauspielerin, mit der sich Hollande laut dem Magazin "Closer" immer wieder heimlich in einer Wohnung in der Nähe seines Amtssitzes getroffen haben soll. Valérie Trierweiler ist seit Jahren Hollandes offizielle Lebenspartnerin und seit dessen Wahlsieg im Mai 2012 auch Frankreichs Première Dame, auch wenn beide nicht verheiratet sind.

Während Politiker unabhängig von ihrer politischen Gesinnung den "Closer"-Bericht als Verletzung der Privatsphäre brandmarkten, so wird nun auch bei Hollandes Sozialisten gefordert, dass der Staatschef privat reinen Tisch macht: "Er muss, was seine private Situation angeht, wirklich sehr schnell aufräumen, damit wir uns mit den wichtigen Fragen beschäftigen können", sagte der Sprecher der Sozialisten in der Nationalversammlung, Thierry Mandon.

"Sie scheint bereit, zu verzeihen"

An Brisanz gewann die Geschichte, als bekannt wurde, dass Trierweiler am Freitag, als das "Closer"-Heft mit der siebenseitigen Hollande-Reportage an Kiosken reißenden Absatz fand, ins Krankenhaus musste: Die 48-jährige Journalistin habe "eine Pause einlegen und sich einigen Tests unterziehen" müssen, hieß es aus ihrem Umfeld. Die Zeitung "Le Parisien" sprach von einem depressiven Anfall, Trierweiler habe einen niedrigen Blutdruck gehabt, die Ärzte hätten ihr eine Schlafkur verschrieben.

Am Montag sollte die bei den Franzosen nicht sonderlich beliebte Trierweiler den Ankündigungen zufolge das Krankenhaus wieder verlassen - und auch sie dürfte von Hollande schnell Klarheit verlangen. "Sie scheint bereit, zu verzeihen", zitierte "Le Parisien" einen Trierweiler-Vertrauten. "Aber sie will sehr schnell wissen, was die Absichten von François Hollande sind."

Unangenehm für Hollande waren am Montag auch Medienberichte über eine - wenn auch sehr indirekte - Verbindung der Affäre zur korsischen Mafia: Die Wohnung, in der sich Hollande und Gayet laut "Closer" trafen, wurde von einer Schauspiel-Freundin Gayets gemietet, die wiederum in der Vergangenheit mit zwei Männern aus dem Dunstkreis der korsischen Mafia liiert war.

Zwickmühle vor der großen Pressekonferenz

Die Zeitung "Le Monde" kritisierte, Hollandes Personenschützer hätten diese Verbindungen nicht überprüft - und warf damit erneut die Frage nach der Sicherheit von Frankreichs Staatschef auf. Die war schon am Freitag gestellt worden: Die "Closer"-Bilder zeigen, wie Hollande sich mit einem Motorroller zu der Wohnung fahren lässt.

Hollande, der die große Pressekonferenz vom Dienstag seit Tagen akribisch vorbereitet, befindet sich jetzt in der Zwickmühle. Denn eigentlich wollte er sein Privatleben aus der Politik heraushalten - eine klare Abgrenzung zu seinem konservativen Vorgänger Nicolas Sarkozy, der Privates gerne zur Schau stellte und bei einer Neujahrespressekonferenz vor sechs Jahren den inzwischen legendären Satz über seine noch recht frische Beziehung zur Sängerin Carla Bruni äußerte: "Mit Carla ist es etwas Ernstes."

Zugleich kann Hollande die "Closer"-Enthüllungen bei der Pressekonferenz unmöglich totschweigen. Die Journalisten dürften ihn mit Fragen dazu bombardieren und unter anderem wissen wollen, mit wem er denn in einem Monat zum Staatsbesuch in die USA reist. Und die Franzosen, die ihrem Präsidenten die angebliche Affäre bislang mit großer Mehrheit offenbar nicht übel nehmen, könnten die Geduld verlieren, wenn Hollande zaudert und nicht bald für Klarheit sorgt.

Fabian Erik Schlüter/AFP / AFP