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Samuel Paty Frankreich nimmt Abschied von ermordetem Lehrer – und ermittelt gegen sieben Verdächtige

Sehen Sie im Video: Frankreich ehrt den ermordeten Lehrer Samuel Paty.


Am Mittwoch wurde in der französischen Hauptstadt Paris der ermordete Lehrer Samuel Paty bei einer Gedenkzeremonie geehrt. Staatspräsident Emmanuel Macron verlieh Paty posthum den Orden der Ehrenlegion. Das ist die höchste Auszeichnung des Landes. Macron sagte: Der Geschichtslehrer sei zum Gesicht der Republik geworden. Die Veranstaltung fand im Innenhof der traditionsreichen Universität Sorbonne statt. Gekommen waren unter anderem auch Schüler und Spitzenpolitiker. Der 47-jährige Samuel Paty war am Freitag Ermittlern zufolge von einem 18-Jährigen in einem Pariser Vorort attackiert und getötet worden. Er soll einem islamistischen Anschlag zum Opfer gefallen sein, nachdem er in seinem Unterricht über das Thema Meinungsfreiheit gesprochen und Mohammed Karikaturen gezeigt hatte. Die Leiche des Lehrers wurde enthauptet aufgefunden. Inzwischen wird gegen sieben Personen wegen möglicher Komplizenschaft ermittelt.
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Mit einer bewegenden Zeremonie hat Frankreich an den Lehrer Paty erinnert, der brutal ermordet worden ist. Nun läuft ein Ermittlungsverfahren gegen sieben Verdächtige. Zwei von ihnen sind noch Jugendliche.

Nach der Enthauptung eines Lehrers in Frankreich hat die Staatsanwaltschaft gegen mehrere Verdächtige Ermittlungsverfahren eröffnet. Sie wirft ihnen unter anderem Beihilfe zu einem Mord mit Terrorhintergrund vor, wie die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am späten Mittwochabend mitteilte. Verfahren wurden unter anderem gegen zwei 14 und 15 Jahre alte Schüler eröffnet und gegen den Vater, der im Netz Stimmung gegen Lehrer gemacht hatte.

Das 47-jährige Mordopfer Samuel Paty war am vergangenen Freitag in einem Pariser Vorort den Ermittlern zufolge von einem 18-Jährigen getötet und dann enthauptet worden. Der mutmaßliche Terrorist mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde später von Sicherheitskräften erschossen. Sein Motiv war nach bisherigen Erkenntnissen, dass Paty im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Staatspräsident Emmanuel Macron hatte direkt nach der Tat von einem islamistischen Terrorakt gesprochen.

Jugendliche sollen Attentäter Paty gezeigt haben

Die 14 und 15 Jahre alten Verdächtigen wurden unter Justizaufsicht gestellt. Das bedeutet, dass sie unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt werden. Der 18-jährige Angreifer kannte laut Ermittlern zwar den Namen des Lehrers und die Adresse der Schule, wusste aber nicht, wie Paty aussieht. Den beiden Minderjährigen wird nun vorgeworfen, den Lehrer für den mutmaßlichen Täter gegen Geld am Tag des Attentats identifiziert zu haben.

Wie den Jugendlichen wird auch dem Vater einer Schülerin Beihilfe vorgeworfen. Er hatte im Netz gegen den Lehrer mobilisiert, seine Entlassung gefordert und sensible Daten wie den Namen und die Adresse der Schule veröffentlicht, wie die Ermittler erklärten. Gegen einen Mann, der den Vater unterstützt hatte und laut Medien ein bekannter Islamist ist, wurde ebenfalls ein Verfahren wegen Beihilfe zu einem Mord mit Terrorhintergrund eröffnet.

Verfahren gegen sechs Personen

Insgesamt wurden gegen sechs Personen Verfahren mit diesem Vorwurf eingeleitet. Gegen eine weitere Person wird unter anderen wegen des Vorwurfs der Beteiligung an einer kriminellen terroristischen Vereinigung ermittelt. Die Ermittlungsverfahren können am Ende zu einem Strafprozess führen, falls die Ermittler ausreichend Beweise gegen den Beschuldigten sehen.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hatte am Mittwochabend bei einer emotionalen Gedenkfeier zur Verteidigung der Freiheit aufgerufen. "Wir werden nicht auf Karikaturen (und) Zeichnungen verzichten", sagte er im Innenhof der Pariser Sorbonne-Universität mit Blick auf die Mohammed-Karikaturen, die weltweit Kontroversen ausgelöst hatten. Paty sei das Opfer einer tödlichen Verschwörung, von Dummheit, Lüge und Hass auf andere geworden, sagte Macron. "Wir machen weiter, (Herr) Lehrer!"

Macron erinnert an Lehrer, die Lebenswege verändern

Macron verurteilte die "Feiglinge", die Patys Namen an Barbaren ausgeliefert hätten. Der Staatschef nahm in sehr persönlicher Weise Abschied von dem Pädagogen. "Wir alle haben in unseren Herzen (...) die Erinnerung an einen Lehrer verankert, der unseren Lebensweg verändert hat. Sie wissen schon, dieser Lehrer, der uns das Lesen, Zählen und Vertrauen in uns selbst beigebracht hat. Dieser Lehrer, der uns nicht nur unterrichtete, sondern uns einen Weg, ein Buch, einen Blick, einen Moment des Nachdenkens eröffnete, Samuel Paty war einer dieser Lehrer."

Der Sarg wurde zu dem Lied "One" von U2 in den Hof der traditionsreichen Sorbonne getragen. Zahlreiche Würdenträger waren anwesend, auch Macrons Vorgänger François Hollande. Es kam auch ein Freund Patys zu Wort, er sagte: "Adieu Samuel."

Frankreich sagt Islamismus den Kampf an

Première Madame Brigitte Macron konnte nicht an der Zeremonie teilnehmen, weil sie Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte. Die ehemalige Lehrerin veröffentlichte daher einen Brief in Gedenken an Samuel Paty. Darin heißt es: Lehrer sein bedeute, Schülerinnen und Schüler Türen zu öffnen – denn die des Geistes und des Wissens seien unendlich. "All das, Samuel, wusstest du, und noch besser, du hast es verkörpert", so Brigitte Macron weiter.

Das Verbrechen in einem Pariser Vorort hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Am Wochenende gingen Zehntausende auf die Straße, um sich solidarisch zu zeigen.

Macron hatte seine Landsleute bereits auf einen langen Kampf gegen den radikalen Islamismus eingestimmt. Eine "Schlacht" müsse in den Bereichen Sicherheit, Erziehung und Kultur geführt werden, und "sie wird dauern", zitierte Regierungssprecher Gabriel Attal den Staatschef nach einer Kabinettssitzung.

tkr DPA

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