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Fußball-EM in der Ukraine Timoschenko will keinen Boykott


Die in der Ukraine inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko ruft Politiker und Fans dazu auf, die Fußball-EM in ihrem Land nicht zu boykottieren. Am Montag wird der Prozess gegen die Politikerin fortgesetzt.

Drei Wochen vor Beginn der Fußball- Europameisterschaft im Juni hat sich die in Haft erkrankte Ex-Regierungschefin der Ukraine, Julia Timoschenko, gegen einen politischen Boykott der EM ausgesprochen. Das sagte der polnische EU-Parlamentarier Jacek Protasiewicz nach einem Besuch der Oppositionsführerin im Krankenhaus von Charkow.

Timoschenko habe den von westlichen Politikern ins Spiel gebrachten Boykott der EM in der Ex-Sowjetrepublik als "schlechte Idee" bezeichnet, sagte er am Sonntag nach Angaben ukrainischer Medien. "Sie bittet, dies nicht zu tun." Der Gesundheitszustand der 51-jährigen Politikerin sei "schwierig", sagte Protasiewicz. Sie stehe "psychisch unter Druck".

Janukowitsch: "Man behandelt uns wie Schuljungen"

Inmitten andauernder internationaler Kritik am Fall Timoschenko bekräftigte der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch, er sei bereit, "Rede und Antwort" zu stehen. "Allerdings beunruhigt mich der Ton, in der diese Anschuldigungen aus der Europäischen Union zu uns kommen. Man behandelt uns wie Schuljungen", sagte der Staatschef, der als Timoschenkos schärfster Rivale gilt, in Kiew.

Kritik an der EU kam auch von Außenminister Konstantin Grischtschenko. Das Co-Gastgeberland der Fußball-EM habe für ein Assoziierungsabkommen mit der EU zahlreiche Leistungen erbracht, betonte der Außenminister. Es sei enttäuschend, dass Brüssel das #link;http://www.stern.de/politik/ausland/eu-legt-abkommen-mit-ukraine-auf-eis-1827241.html;Abkommen wegen des Falls Timoschenko auf Eis gelegt# habe. "Wir haben die Assoziation verdient", betont er.

Prozess gegen Timoschenko wird fortgesetzt

An diesem Montag soll in Charkow ein zweiter Prozess gegen Timoschenko fortgesetzt werden. Die Vorwürfe stammen aus den 1990er Jahren, als sie Chefin eines Energiekonzerns war. Der Oppositionsführerin, die schon in einem ersten Verfahren zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden war, drohen wegen angeblicher Veruntreuung und Steuerhinterziehung weitere zwölf Jahre Haft.

Wegen der Erkrankung der Ex-Regierungschefin gilt eine Vertagung als möglich. In Charkow soll am Montag auch eine Spezialistin der Berliner Klinik Charité zur Behandlung der 51-Jährigen ankommen.

pen/DPA DPA

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