G-8-Gipfel Weg mit den Schulden, mehr Entwicklungshilfe


Die sieben führenden Industrienationen und Russland (G-8) haben eine massive Erhöhung der Hilfen für Entwicklungsländer und eine weit gehende Entschuldung der ärmsten Länder Afrikas beschlossen. Die Reaktionen sind gemischt.

Der Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G-8) hat beim Gipfel im schottischen Gleneagles eine massive Erhöhung der Hilfen für Entwicklungsländer und eine weitgehende Entschuldung der ärmsten Länder Afrikas beschlossen.

Damit setzten die Industriestaaten ein Zeichen der Hoffnung gegen Terrorismus und Gewalt, sagte der gastgebende britische Premierminister Tony Blair einen Tag nach der schweren Anschlagserie in London. Vertreter Afrikas begrüßten die Beschlüsse, forderten aber auch eine schnelle Umsetzung. Afrika-Aktivisten wie der Rockmusiker Bono sagten: "Das ist nicht das Ende extremer Armut, aber es ist der Anfang des Endes." Einige afrikanische Politiker kritisierten allerdings, dass der Kontinent auch nach dem Gipfel von den Weltmärkten abgeschnitten bleibe. Sie bekräftigten ihre Forderung nach einem Ende der Agrarbeihilfen in den Industrieländern. Darauf konnten sich diese aber nur im Grundsatz einigen, ohne eine Frist dafür zu vereinbaren. Bundeskanzler Gerhard Schröder rief seine Kollegen zum Abschluss des Treffens auf, konkrete Schritte für einen fairen Handel zu unternehmen.

Vollständiger Schuldenerlass beschlossen

Die G-8 beschloss einen vollständigen Schuldenerlass für die ärmsten Länder bei internationalen Finanzinstitutionen. Darüber hinaus sollen die direkten Entwicklungshilfen insgesamt bis 2010 schrittweise auf jährliche Zahlungen von 50 Milliarden Dollar erhöht werden. Blair hatte eine sofortige Aufstockung um diesen Betrag vorgeschlagen. 2004 erhielten die Entwicklungsländer laut OECD 64 Milliarden Dollar. Auf Afrika soll die Hälfte der Erhöhung entfallen, womit sich die Hilfen für den Kontinent bis 2010 verdoppeln würden.

"Wir stehen heute im Schatten des Terrorismus", sagte Blair, flankiert von den übrigen Gipfel-Teilnehmern und Vertretern aus sieben afrikanischen Ländern. "Aber dieser Schatten kann nicht verdecken, was wir erreicht haben." Der Aktionsplan für Afrika bedeute einen deutlichen Schlag gegen die Verantwortlichen der Anschläge in London. "Das ist nicht das Ende der Armut in Afrika - aber es ist die Hoffnung, dass die Armut überwunden werden kann."

Gemischte Reaktionen

Wie U2-Sänger Bono lobte auch der Organisator der Live-8-Konzerte Bob Geldof die G-8-Entscheidungen. "Der Gerechtigkeit ist Genüge getan", sagte er. "Wir fangen an zu erleben, dass das Leben der Armen in Afrika nicht mehr von Wohltätigkeit, sondern von Gerechtigkeit bestimmt wird." Hilfsorganisationen äußerten sich zurückhaltender. Die Beschlüsse könnten beim Kampf gegen die weitere Verbreitung von Aids oder der Lösung von Konflikten helfen, sagte ein Sprecher von Oxfam. "Aber das Ergebnis von Gleneagles hat die Hoffnungen von Millionen Menschen weltweit enttäuscht, die sich für einen sofortigen Durchbruch eingesetzt haben", sagte ein Sprecher von Oxfam. Bei der Hilfsorganisation Care hieß es: "Die Menschen werden immer noch ärmer. Die Menschen sterben immer noch jünger."

Auch die Reaktion der afrikanischen Politik fiel gemischt aus. Nigerias Präsident Olusegun Obasanjo äußerte sich zufrieden. Senegals Finanzminister Cheikh Hadjibou Soumare forderte aber: "Wenn die Entscheidungen getroffen wurden, müssen sie nun so schnell wie möglich in die Tat umgesetzt werden." Andere wie Sambias stellvertretender Finanzminister Felix Mutati bekräftigten: "Was wir am meisten brauchen, ist fairer Handel, denn unsere Bauern können nicht mit denen im Westen konkurrieren. Die ganze Frage des Handels hängt an den Agrarsubventionen. Je schneller sie gelöst wird, desto besser ist das für uns."

Die Aufstockung der Hilfen für Afrika war eines der beiden Schwerpunktthemen, das die britische G-8-Präsidentschaft für den Gipfel gesetzt hatte. In ihrer Vereinbarung für Afrika sah die G-8 am Freitag einen Beitrag, die in den Vereinten Nationen gesetzten Ziele zur Verringerung der Armut auf der Welt zu erreichen. So soll bis 2015 die Zahl der Menschen halbiert werden, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen.

Reuters Reuters

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