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Konflikt in Nahost Gazastreifen: Israel tötet gezielt zweiten Dschihad-Militärchef – Raketenalarm auch in Jerusalem

Raketen über Gazastreifen
Raketen werden aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert.
© Mohammed Talatene/dpa
Israels Armee hat einen weiteren Militärchef des Islamischen Dschihad gezielt getötet, danach hagelte es Raketen auf Israel. Erstmals seit Beginn der Militäroperation gab es auch in Jerusalem Raketenalarm.

Am Sonntagmorgen wurde nach Armeeangaben erstmals seit Beginn der israelischen Militäroperation im Gazastreifen Luftalarm in der Region um Jerusalem – das rund 60 Kilometer Luftlinie vom Gazastreifen entfernt liegt – ausgelöst. Nach Militärangaben heulten im Umkreis der Stadt am Morgen die Warnsirenen. Einwohner berichteten von Explosionen. Seit Freitag wurden nach Militärangaben mehr als 400 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert.

Es war befürchtet worden, dass sich am Sonntag – dem jüdischen Fasten- und Trauertag Tischa BeAv – die Lage weiter zuspitzen könnte. Religiöse Juden betrauern an dem Tag die Zerstörung der beiden antiken Tempel in Jerusalem. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas-Organisation hatte am Abend dazu aufgerufen, die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg "zu verteidigen und sich den israelischen Übergriffen auf die heilige Stätte entgegenzustellen". Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Bislang hatte sich die Hamas im jüngsten Konflikt mit Israel zurückgehalten.

Zweiter Dschihad-Militärchef getötet

Israelische Luftangriffe galten vor allem der zweitstärksten Palästinenserorganisation im Gazastreifen, dem Islamischen Dschihad. Das israelische Militär hatte am Freitag die großangelegte Militäraktion "Morgengrauen" gegen den Islamischen Dschihad gestartet. Die eng mit Israels Erzfeind Iran verbundene Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Bei der Aktion wurden der Militärchef Taisir al-Dschabari und weitere PIJ-Mitglieder getötet. Die eng mit Israels Erzfeind Iran verbundene Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.

Israels Armee gibt nun an, zudem einen weiteren Militärchef der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad im Gazastreifen gezielt getötet zu haben. Der südliche Kommandeur des Islamischen Dschihads, Chalid Mansur, sei bei einem Luftangriff in der Stadt Rafah ums Leben gekommen, teilte das Militär am Sonntagmorgen mit. Zwei weitere ranghohe Dschihad-Mitglieder seien dabei ebenfalls getötet worden, darunter Mansurs Stellvertreter. "In den vergangenen Tagen hat Mansur an der Vorbereitung eines Angriffs auf Israel mit einer Panzerabwehrrakete sowie Raketen gearbeitet", hieß es in der Mitteilung. Er sei auch für Terroranschläge in der Vergangenheit verantwortlich.

Palästina meldet 29 Tote, mindestens 253 Verletzte

Auch in der Nacht zum Sonntag griff die Armee mehrere Ziele im Gazastreifen an. In den israelischen Grenzorten am Rande des Gazastreifens gab es am Sonntagmorgen wieder Raketenalarm. Seit Freitag starben nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 29 Menschen. Mindestens 253 seien verletzt worden. Unter den Toten sind demnach neben weiteren PIJ-Mitgliedern sechs Kinder und vier Frauen. Die israelischen Behörden bestritten die Opferzahl und machten für den Tod mehrerer palästinensischer Kinder in Dschabalia im Norden des Gazastreifens einen fehlgeschlagenen Raketenangriff der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad verantwortlich.

Der Islamische Dschihad reagierte auf die Angriffe und feuerte ebenfalls zahlreiche Raketen in Richtung Israel ab. Am Sonntagmorgen wurde nach Armeeangaben erstmals seit Beginn der jüngsten Konfrontation Luftalarm in der Region um Jerusalem - das rund 60 Kilometer Luftlinie vom Gazastreifen entfernt liegt - ausgelöst. Der Islamische Dschihad bekannte sich kurz darauf zu den Angriffen. Am Samstag hatten auch in der Küstenmetropole Tel Aviv die Luftschutz-Sirenen aufgeheult, der Islamische Dschihad bestätigte einen "umfangreichen Raketenbeschuss" der Stadt.

Ein Großteil der Geschosse wurde vom israelischen Raketenschutzschild abgewehrt, Sicherheitskräften vom Samstag zufolge wurden aber zwei Menschen infolge eines Angriffs durch Schrapnelle leicht verletzt. Israel bezeichnet seine Angriffe auf den Gazastreifen als "präventiven Angriff" gegen den Islamischen Dschihad, der Attacken gegen Israel geplant habe. Nach Angaben der israelischen Armee wurden bei Angriffen auf Standorte der Organisation 15 Kämpfer getötet. Zudem seien im israelisch besetzten Westjordanland insgesamt 40 Mitglieder festgenommen worden.

tpo dpa AFP

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