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Gefangenenkrise: Zu weich für Britanniens Geschmack

Der UN-Sicherheitsrat hat sich zu einer Erklärung bezüglich der vom Iran festgehaltenen britischen Soldaten durchgerungen. Nur ist das Statement wesentlich weicher ausgefallen, als von den Briten erhofft. Das islamische Land hatte zuvor einen weiteren angeblichen Brief der gefangenen Engländerin veröffentlicht.

Teheran will eine bilaterale Lösung im Streit um die 15 im Iran festgehaltenen britischen Marinesoldaten. Die iranische UN-Mission in New York erklärte nach Angaben des britischen Fernsehsenders BBC, das Problem könnte und sollte auf bilateralem Weg gelöst werden. Der Versuch Londons eine dritte Partei, einschließlich des Sicherheitsrates, einzuschalten sei in diesem Fall nicht hilfreich.

Unterdessen sagte eine Sprecherin des britischen Außenministeriums in London in der Nacht zum Freitag, Großbritannien werde auf eine formale Note des iranischen Außenministeriums an die Adresse der britischen Botschaft in Teheran antworten. Zum Inhalt des iranischen Schreibens wollte die Sprecherin keine Angaben machen. Der Brief würde vor einer Antwort genau geprüft. Ein solcher Austausch diplomatischer Noten sei immer vertraulich, deshalb könnte keine Angabe zum Inhalt gemacht werden, sagte die Sprecherin.

Keine scharfe Reaktion des Sicherheitsrats

Großbritannien hatte keine scharfe Reaktion hat im Streit um die 15 im Iran festgehaltenen britischen Marinesoldaten im UN-Sicherheitsrat erreichen können. Das höchste UN-Gremium äußerte nach einer über vierstündigen, kontroversen Debatte in New York lediglich "große Besorgnis" über die Krise, verzichtete aber auf eine Verurteilung Irans. Auch die Freilassung der Soldaten wurde nur vorsichtig und indirekt gefordert. Allerdings appellierten die 15 Ratsmitglieder an Teheran, der konsularischen Vertretung den Kontakt zu den Soldaten zu erlauben.

Der britische UN-Botschafter Emyr Jones Parry zeigte sich gleichwohl zufrieden, dass es zu einer gemeinsamen Linie gekommen war.

"Spielraum für diplomatische Lösung"

US-Außenministerin Condoleezza Rice sprach sich in der Krise um die Marinesoldaten für Verhandlungen aus. "Es gibt eine Menge Spielraum für eine diplomatische Lösung", sagte Rice. Zugleich rief sie die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf die Regierung in Teheran aufrecht zu erhalten und zu verstärken. Dies sei unter den gegebenen Umständen das beste Vorgehen.

Die Ministerin kritisierte den Iran scharf dafür, die festgehaltenen Soldaten im Fernsehen zu zeigen. "Die Iraner tun sich selbst keinen Gefallen, wenn sie die Seeleute festhalten und sie im Fernsehen vorführen", sagte Rice weiter.

Angeblich neuer Brief von Soldatin

Die einzige Frau unter den 15 festgehaltenen Soldaten, Faye Turney, hat unterdessen angeblich in einem neuen Brief den Rückzug der britischen Truppen aus dem Irak verlangt. Der britische Fernsehsender Sky News zeigte am Donnerstagabend einen handgeschriebenen Text, der von der 26-Jährigen stammen soll. Der Brief wurde dem Sender von iranischer Seite zugespielt. Am Mittwoch war bereits ein anderes Schreiben veröffentlicht worden, das von Turney stammen soll.

Iran wegen "Tamtam" verärgert

Der Iran hatte ursprünglich zugesagt, Turney bis Donnerstagabend freizulassen. Wegen der Einschaltung des Sicherheitsrats durch Großbritannien reagierte Teheran dann jedoch verärgert und zog die Zusage zurück. "Wir hatten beschlossen, die Frau freizulassen, aber angesichts des politischen Tamtams, das London veranstaltet, ist dieser Beschluss vorläufig auf Eis gelegt", sagte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, im staatlichen Fernsehen.

Großbritannien hatte erreichen wollen, dass der Sicherheitsrat Teheran verurteilt und die "sofortige" Freilassung der Soldaten fordert. Die 15 Mitglieder verständigten sich jedoch lediglich darauf, einen Aufruf von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach einer "baldigen Lösung des Problems, einschließlich der Freilassung der Soldaten" zu unterstützen. Das sei keine gute Stunde für den Sicherheitsrat gewesen, kritisierte die amerikanische UN-Vertreterin Jackie Sanders.

DPA / DPA