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Gefecht im Gelben Meer: Nordkorea wirft Südkorea Provokation vor

Nach dem Schusswechsel folgt das Wortgefecht: Süd- und Nordkorea machen sich gegenseitig für den Zwischenfall im Gelben Meer verantwortlich. Pjöngjang fordert eine Entschuldigung aus Seoul.

An der umstrittenen Seegrenze zwischen Süd- und Nordkorea im Gelben Meer ist es am Dienstag erneut zu einem schweren militärischen Zwischenfall gekommen. Süd- und nordkoranische Marineschiffe hätten sich ein Feuergefecht auf hoher See geliefert, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mit. Unklar war, ob es Tote gegeben hat.

Die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Ministeriumsbeamte, dass bei dem Schusswechsel ein nordkoreanisches Patrouillenboot schwer beschädigt worden sei. Auf südkoreanischer Seite habe es keine Verletzten gegeben. Die Kampfhandlungen vor der Westküste der geteilten koreanischen Halbinsel hätten nur kurz gedauert.

Wie Yonhap weiter berichtete, gab ein südkoreanisches Kriegsschiff nach einer Grenzverletzung zunächst Warnschüsse auf das Patrouillenboot ab. Als das nordkoreanische Schiff seine Fahrt nach Süden unbeirrt fortsetzte, habe die südkoreanische Marine das Feuer eröffnet. Das Patrouillenboot habe zurückgeschossen, ehe es schwer beschädigt in nordkoreanische Gewässer zurückgekehrt sei.

Nordkorea verlangt Entschuldigung

Nordkorea hingegen warf dem Nachbarland schwere Provokation vor. Südkorea müsse sich für den Vorfall entschuldigen, hieß es am Dienstag in einer von den staatlichen Medien veröffentlichten Erklärung des obersten Kommandos der nordkoreanischen Volksarmee. Das Patrouillenboot der Volksarmee sei bei einer Routinefahrt auf der Spur eines nicht identifizierbaren Objekts gewesen, als "eine Gruppe von Kriegsschiffen der südkoreanischen Streitkräfte es verfolgten und eine solche schwere Provokation unternahmen, es zu beschießen".

An der Seegrenze zwischen dem Norden und dem Süden im Gelben Meer war es 1999 und 2002 zu tödlichen Gefechten gekommen. Die nordkoreanische Marine hatte Südkorea im vergangenen Monat vorgeworfen, Kriegsschiffe über die Grenze zu schicken. Pjöngjang warnte wegen der "rücksichtslosen militärischen Provokation" vor bewaffneten Auseinandersetzungen. Die sogenannte Nördliche Grenzlinie war nach Ende des Korea-Kriegs 1953 von US-geführten Truppen der Vereinten Nationen einseitig beschlossen worden; Nordkorea erkennt sie bis heute nicht an.

"Zufällige Kampfhandlung"

"Das Gefecht ereignete sich, nachdem die nordkoreanische Seite unsere verbalen Warnungen und Warnschüsse missachtet und direkt unsere Schnellboote angegriffen hat", zitierte Yonhap den südkoreanischen Ministerpräsidenten Chung Un Chan bei einer Sitzung im Parlament in Seoul. Chung habe das Gefecht als eine "zufällige Kampfhandlung" charakterisiert. "Wir analysieren die Motive für die Grenzverletzung durch das nordkoreanische Boot", zitierte Yonhap einen Regierungsbeamten.

Nach monatelangen teils heftigen Spannungen gab es zuletzt zwischen Süd- und Nordkorea wieder vorsichtige Schritte einer Annäherung. Nordkorea hatte Südkorea jedoch Mitte des vergangenen Monats beschuldigt, Kriegsschiffe in seine Hoheitsgewässer vor der Westküste geschickt zu haben. Das nordkoreanische Marinekommando drohte Militäraktionen für den Fall an, dass sich die angebliche Grenzverletzung wiederhole.

USA zu direkten Gesprächen mit Nordkorea bereit

Unterdessen wurde in Washington bekannt, dass sich die US-Regierung nach monatelangen Beratungen zu direkten Gesprächen mit Nordkorea entschlossen hat. Präsident Barack Obama will den Sondergesandten Stephen Bosworth zu Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm nach Pjöngjang schicken, wie am Montagabend aus Regierungskreisen in Washington verlautete. Ein Termin steht noch nicht fest.

Bereits in Pjöngjang eingetroffen ist eine französische Delegation unter der Leitung des ehemaligen Kulturministers Jack Lang, der von Staatspräsident Nicolas Sarkozy zum Sondergesandten für Nordkorea berufen wurde. Er traf am Dienstag mit dem nordkoreanischen Außenminister Pak Ui Chun zusammen. Im Mittelpunkt des fünftägigen Besuchs stehen Bemühungen um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten.

DPA/AFP/AP / AP / DPA